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Avatar von Goerlitzer
  • Goerlitzer

mehr als 1000 Beiträge seit 30.11.2007

Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte

Jenseits der aussenpolitischen Rolle der EU, ist ein Blick auf das Gesamtgebilde EU sinnvoll.

Das Pro-Kopf-Einkommen Luxemburgs erreichte 2020 101.640 Euro, das Bulgariens 8.750 Euro. Während das durch ein umfassendes Steuerbetrugssystem zu Lasten anderer EU-Länder zum reichsten Land der Welt aufgestiegene Luxemburg sich vielerlei Wohltätigkeit für seine Bürger leistet, leben in den EU-Ländern des Balkans, in Lettland, in Litauen, in Griechenland Menschen ganz am Rande des lebensnotwendigen Existenzminimums.

Aber man muss nicht Luxemburg und den Balkan bemühen, um die dramatische Ungleichheit in der EU zu belegen. Auch in den EU-Nachbarländern Mitteleuropas zeigt sie sich. Z. B. in den durchschnittlichen Kosten einer Industrie-Arbeitsstunde: Die lagen in Deutschland 2019 bei 41,60 Euro, im benachbarten Polen bei ähnlichem Produktivitätsniveau bei 9,90 Euro.

Wirtschaftsgemeinschaften mit einerseits völlig offenen Grenzen, teilweise gar einer gemeinsamen Währung, andererseits einem solch dramatischen Gefälle bieten zwar grosse Profitchancen für Unternehmen, aber sie haben dauerhaft keine Überlebenschance. Kapitalstarke Unternehmen und Länder werden noch kapitalstärker, schwache werden an den Rand gedrückt. Die grosse Ungleichkeit bei Löhnen führt zu einer demografischen Schieflage. Einige Länder mit niedrigen Einkommen stehen schon jetzt durch Abwanderung vor der demografischen Auszehrung. Die Aversionen zwischen den Politeliten der Länder verstärken sich. Die wachsenden gegenseitigen Ressentiments in den Bevölkerungen lassen sich mit Europa-Folklore nicht mehr übertünschen. Die EU steht vor dem Scheitern.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (19.01.2022 08:07).

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  • Avatar von exkoelner
    • exkoelner

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

    Antwort auf Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von Goerlitzer.

    Die Menschen lesen zu wenig, oder oft Quatsch. Man hätte viels aus der Geschichte lernen können, u.a. auch von Italiens Weg:

    " Vor 150 Jahren wurde in ganz Italien die Lira eingeführt. Der reiche Norden blieb reich. Der Süden stürzte ab.

    Erst mit einiger Verspätung merkten die Zeitgenossen, wie sehr die Währungsunion den wirtschaftlich schwächeren Regionen zu schaffen machte. Ihre Ausfuhren gingen um 16 Prozent zurück. Manufakturen mussten schließen, im Binnenmarkt wuchs der Exportüberschuss des reichen Nordens. Investitionen blieben aus, weil die wohlhabenden Schichten lieber die als sicher geltenden Staatsanleihen des neuen Währungsraums kauften. Es half nichts, dass eine rigorose Sparpolitik die anfängliche Schuldenkrise bald überwand und sogar zu einem ausgeglichenen Haushalt führte: Die Art, wie diese Austeritätspolitik ins Werk gesetzt wurde, vergrößerte die Kluft weiter.
    Ralph Bollmann
    Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

    So war es, nachdem die Italiener vor 150 Jahren ihren Nationalstaat gründeten, aus so gegensätzlichen Teilen wie dem liberalen Piemont und dem feudalistischen Königreich beider Sizilien. Bis heute vereint das Land die ökonomischen Extreme Europas innerhalb der eigenen Grenzen. Im Süden lag die Jugendarbeitslosigkeit schon vor der Krise bei 50 Prozent, in einigen Regionen des Nordens herrschte hingegen stets Vollbeschäftigung. Die Frage ist, was sich aus diesem Europa im Kleinen für das große Ganze lernen lässt.
    Bis heute stehen Nord- und Süditalien für die ökonomischen Extreme Europas."

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsgeschichte-wie-eine-waehrungsunion-italiens-sueden-verarmen-liess-11900081.html

    Man hätte es also wissen können. Oder anders, vielleicht hat man es gewusst und ganz genau so gewollt?

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  • Avatar von GBöttcher
    • GBöttcher

    mehr als 1000 Beiträge seit 03.01.2017

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von exkoelner.

    Das war alles bekannt, und wurde auch längere Zeit vor der Euro-Einführung diskutiert.

    Nicht umsonst wurde von der Politik hoch und heilig geschworen, dass die Union nicht zur Schuldenvergemeinschaftung führen darf und wird, ebenso wie eine weitere Kompetenzabgabe an die Union unter Vorbehalt einer Volksabstimmung stünde.

    Weinbrand Schorschi: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

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  • Avatar von iMil
    • iMil

    mehr als 1000 Beiträge seit 26.11.2004

    Antwort auf Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von Goerlitzer.

    Wenn du schon soweit bist, dann sieh dir einmal die USA an und wundere dich, wie die das dann doch geschafft haben, trotz der unglaublichen ungleich verteilten Reichtümer, seit 246 Jahren die gleiche Währung zu haben.

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  • Avatar von Tsu Tang
    • Tsu Tang

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.04.2006

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von exkoelner.

    Hi,

    Frage ist, verarmte der Süden oder ist nicht eher der Norden davongezogen? Mailand und Turin waren schon lange ein Zentrum der Metallverarbeitung. Die einsetzende Industrialisierung konnte darauf aufbauen. Und die demzufolge steigende Produktivität kam den Industriearbeitern zugute, nicht den Landarbeitern im Süden.
    In allen Ländern ist die Industrie in wenigen Bereichen des Landes konzentriert. Wer die Jobs haben will muss ihnen hinterherziehen.
    Was Italiener, Skandinavier und Deutsche auch zu Millionen gemacht haben. Sie sind in die USA gegangen.

    Bye

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  • Avatar von Tsu Tang
    • Tsu Tang

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.04.2006

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von iMil.

    Hi,

    in den USA sind die States finanziell unabhängig. Wenn sich Illinois bis über die Halskrause verschuldet muss Florida dafür nicht zahlen.
    Zum anderen waren alle States bis vor kurzem von einer einigermaßen homogenen Bevölkerung und Kultur geprägt. Das hielt das Land zusammen. Ob das Band weiter hält ist fraglich.

    Bye

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  • Avatar von exkoelner
    • exkoelner

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von Tsu Tang.

    Mag sein, was aber für mich bedenklich ist, das man sich offensichtlich darum gar keine Sorgen macht, ergo auch keine Konzepte entwickelt hat, wie man damit umgeht. Man lässt es laufen. Und in Italien entwickelte sich dann nach 1860 in diesem abgehängten Süden die Mafia, Ndragheta, Cosa Nostra, etc. - weil die Leute regulär kaum Chancen hatten, wurde also organisierte Bandenkriminalität die neue Normalität, was den wenigen, die noch durch normale Arbeit halbwegs klar kamen, zunehmend das unmöglich machte.

    Und so erlebt es gerade die Ukraine, und diverse abgehängte Regionen des Balkan. Auch diese Zusammenhänge kann man ja an Italien schön studieren. Aber es juckt keinen. Wo soll das enden, wenn man nicht den bekannten Prozessen gezielt entgegen wirkt?

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  • Avatar von Porcupine17
    • Porcupine17

    mehr als 1000 Beiträge seit 14.07.2012

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von Tsu Tang.

    Tsu Tang schrieb am 19.01.2022 09:24:

    Hi,

    in den USA sind die States finanziell unabhängig. Wenn sich Illinois bis über die Halskrause verschuldet muss Florida dafür nicht zahlen.
    Zum anderen waren alle States bis vor kurzem von einer einigermaßen homogenen Bevölkerung und Kultur geprägt. Das hielt das Land zusammen. Ob das Band weiter hält ist fraglich.

    Bye

    Sorry, aber das mit der einigermaßen homogenen Bevölkerung und Kultur ist quatsch. Sowohl zwischen Ost und West sowie Norden und Süden hat es immer schon gewaltige Unterschiede gegeben. Extremstes Beispiel ist Bürgerkrieg bei dem der agraische Süden seinen "Southern Way of Life" durch den industrialisierten Norden bedroht sah und sich nur durch Sezession zu helfen wusste. Im Süden scheiterte die Industrialisierung damals u.a. weil der "bodenständige" Plantagenbesitzer im Süden an der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie stand und der Fabrikbesitzer mit seinem Dreck und Lärm weiter unten. Nein, die sozialen und kulturellen Unterschiede waren schon immer gewaltig.

    Man könnte höchsten argumentieren das dank Internet die Unterschiede jetzt stärker auffallen.

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  • Avatar von Tsu Tang
    • Tsu Tang

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.04.2006

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von exkoelner.

    Hi,

    mafiöse Strukturen gab es in Italien lange vor der italienischen Vereinigung ("Der Leopard", "Christus kam nur bis Eboli"). Es war eher der Versuch, mit staatlichen Subventionen Arbeitsplätze im Süden zu schaffen und damit die Gelegenheit, diese Geldmittel abzuzweigen die das Hineinwuchern in staatliche Strukturen so lukrativ machte.
    Auch lesenswert:
    https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCditalien#Gr%C3%BCnde_f%C3%BCr_die_R%C3%BCckst%C3%A4ndigkeit_des_S%C3%BCdens

    Bye

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  • Avatar von Tsu Tang
    • Tsu Tang

    mehr als 1000 Beiträge seit 06.04.2006

    Antwort auf Re: Dramatische Ungleichheit: EU ist absurdeste "Gemeinschaft" d. Weltgeschichte von Porcupine17.

    Hi,

    der Civil War ist ein guter Punkt. Aber der ist 150 Jahre, zwei Weltkriege und die Golden 50s away.
    Und die USA hatten immer die Klammern Glauben, Patriotismus, Wohlstand und die (überwiegende) Herkunft aus Nord- und Westeuropa.
    Dazu den (nahezu religiös verehrten) Gründungsmythos der Gründerväter und der Constitution.
    Diese Klammern brechen aber gerade oder sind bereits gebrochen.

    Bye

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