Jenseits der aussenpolitischen Rolle der EU, ist ein Blick auf das Gesamtgebilde EU sinnvoll.
Das Pro-Kopf-Einkommen Luxemburgs erreichte 2020 101.640 Euro, das Bulgariens 8.750 Euro. Während das durch ein umfassendes Steuerbetrugssystem zu Lasten anderer EU-Länder zum reichsten Land der Welt aufgestiegene Luxemburg sich vielerlei Wohltätigkeit für seine Bürger leistet, leben in den EU-Ländern des Balkans, in Lettland, in Litauen, in Griechenland Menschen ganz am Rande des lebensnotwendigen Existenzminimums.
Aber man muss nicht Luxemburg und den Balkan bemühen, um die dramatische Ungleichheit in der EU zu belegen. Auch in den EU-Nachbarländern Mitteleuropas zeigt sie sich. Z. B. in den durchschnittlichen Kosten einer Industrie-Arbeitsstunde: Die lagen in Deutschland 2019 bei 41,60 Euro, im benachbarten Polen bei ähnlichem Produktivitätsniveau bei 9,90 Euro.
Wirtschaftsgemeinschaften mit einerseits völlig offenen Grenzen, teilweise gar einer gemeinsamen Währung, andererseits einem solch dramatischen Gefälle bieten zwar grosse Profitchancen für Unternehmen, aber sie haben dauerhaft keine Überlebenschance. Kapitalstarke Unternehmen und Länder werden noch kapitalstärker, schwache werden an den Rand gedrückt. Die grosse Ungleichkeit bei Löhnen führt zu einer demografischen Schieflage. Einige Länder mit niedrigen Einkommen stehen schon jetzt durch Abwanderung vor der demografischen Auszehrung. Die Aversionen zwischen den Politeliten der Länder verstärken sich. Die wachsenden gegenseitigen Ressentiments in den Bevölkerungen lassen sich mit Europa-Folklore nicht mehr übertünschen. Die EU steht vor dem Scheitern.
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