Beispiele für bewusste Verwendung von schädlichen Stoffen in Lebensmitteln, Teppichen, Wandfarben, ..., gibt es sicher reichlichst, es braucht aber gar keinen besonderen "bösen Willen" oder "kriminelle Energien" um Wein, Käse, Olivenöl und andere Nahrungsmittel zu verhunzen.
Viele Stoffe sind schon in der Vergangenheit aus Kostengründen so angewendet worden, dass nur auf ein paar interessante stoffliche Eigenschaften geachtet wurde, vor allem aber die, wie sie den Kostpreis einer Ware senken können. Wenn dann nach Jahren der Verwendung vermehrt auffälige Atemwegserkrankungen wie Asbestlungen u.ä. auftreten, dann stellte sich öfters erst daran heraus, dass die Stoffe, z.B. Weichmacher in Verpackungen und PVC, PET-Flaschen, Nano-Partikel, Aluminium, etc. auch sehr schädliche Wirkungen haben können, die bei der Produktion ignoriert wurden, oder schlicht unbekannt waren. - Der "Farbstoff" macht das Fleisch schön rot und hält es länger verkaufsfähig im Regal; eignet sich eben zum Färben ... Wen interessiert der Stoff schon weiter?
Der Bio-Bereich ist mit dem Versprechen verbunden wenigstens etwas genauer drauf zu achten, was die Vorprodukte der Lebensmittel alles mit sich tragen, aber selbst die "realistisch" gestimmten Bio-Verkäufer, die nicht vom "Schlaraffenland" faseln, gestehen ein, dass "bio" nicht nur eine ethische Frage ist, sondern sie "natürlich" auch im Kapitalismus leben und sich nach den Konkurrenzvorgaben des Marktes richten müssen. Eine gewissenhafte Prüfung von Gift-Rückständen, Herkunft und Lieferketten ist für die eben auch eine entscheidende Kostenfrage.
Es muss also gar nicht der böse Vorsatz sein, Verbraucher willentlich zu schädigen. In Kauf genommen werden bekannt gewordene Schädigungen allerdings dann schon. Nicht umsonst gibt es die tausenden von Tricks, Inhaltsstoffe zu verschleiern, schön zu rechnen oder mit Labels wie "Bio-...", "Ohne Zuckersatz" zu übertünchen. - Für Verbraucherschützer ein schier endloses Betätigungsfeld, das ihnen viel Anerkennung und noch mehr Anfragen beschert, da die Verbraucher im Kapitalismus sich gerne schadlos halten möchten.
Wenn die Hersteller es zu bunt treiben und Berichte über Opfer anfallen, wird nicht selten der Staat auf den Plan gerufen, um die erlaubten Mengen von Schadstoffen zu regeln.
Die Vorstellung, dass "tausende von Regeln" dann auch für Abhilfe oder "Schutz" der Gesundheit sorgen, ist allerdings merkwürdig. Die Regeln belegen ja gerade, dass es staatlichen Regelungsbedarf in tausenden von Fällen gibt, in denen irgendwelcher kostengünstiger Mist in Produkte eingebracht wird, und zwar dauerhaft und nicht als "Ausrutscher". Ob und wieweit eine Regelung dann zur Reduzierung eines Inhaltsstoffs führt, ist Sache der privaten Hersteller und ob die sich daran halten. Da gilt es eher schon als "Idealfall", wenn die Menge schädlicher Stoffe in einer Ware nicht überschritten wird.
Wenn, dann tragen solche Regelungen zur mehr oder minder kontrollierten, dosierten Schädigung bei. Und das auch nur für einen Stoff. Wie verschiedene Zusätze sich beim Zusammentreffen im Körper auswirken ist wissenschaftlich meistens noch nicht geklärt.
Im Kapitalismus ist das aber auch zweitrangig. In erster Linie zählen da die verkäuflichen Waren und das Wachstum, das damit erzielt werden kann.
PS: Zur im Ausgangspost erwähnten "Erbärmlichkeit" der "Sozialismusnochschlimmer"-Kritiker fehlte mir noch der dritte theoretische Blödsinn, dass eine Beurteilung und Kritik der kapitalistischen Zustände sofort zur falschen Unterstellung verbogen wird, da sei eine Forderung nach altbekannter real-sozialistischer Vorbildhaftigkeit, oder Schlaraffenland-Utopien enthalten. Es scheint das Vorstellungsvermögen einiger zu überfordern, dass man den Kapitalismus auch einfach nur für die ätzenden Wirkungen auf die eigenen Interessen kritisieren kann.