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Avatar von Artur_B
  • Artur_B

mehr als 1000 Beiträge seit 09.09.2004

So ganz ohne

stehen wir ja nicht da. Es wird nämlich ein Lohnquote berechnet, die den Mehrwert quantifiziert. Das Beste, was ich dazu fand, war dieser Zeit-Artikel:

https://blog.zeit.de/herdentrieb/2017/04/25/warum-die-lohnquote-staendig-sinkt_10323

Nun ist diese Zahl natürlich mit Vorsicht zu genießen, denn zum Beispiel zählen Bankerboni zum Lohn. Aber wir haben nichts Besseres und müssen das halt nehmen. Also war die Lohnquote im Jahr 2016 etwa 57 Prozent. Der "Ausbeutungsgedenktag" läge also am 5. Mai. Das trifft sich aber, das ist der Geburtstag von Karl Marx. Andererseits könnten die Kapitalisten dann sagen, sie seien ja viel gnädiger als das Finanzamt. Es hat schon seine Gründe, warum der DGB hier kein Fass aufmacht.

Der Zeitartikel kommt Marx ziemlich nahe, was mich ja ein wenig erstaunt hat. Um genauer zu werden, müsste er sagen, dass Marx den Fall der Profitrate prognostiziert hat und um den auszugleichen, muss die Lohnquote fallen. Worauf dann aber nicht mehr genügend Konsumption vorhanden wäre, um die Produktion zu verkaufen. Darum sollte sich mal ein TP-Artikel kümmern.

Denn dass ein Mehrwert erzeugt wird, ist eben untrennbarer Teil des Kapitalismus, den Marx über weite Strecken als fortschrittliches System sieht. Eine Eigenschaft, die er aber zunehmend verliert und am Ende steht er jeder Entwicklung im Weg herum und es ist für Viele eine existentielle Notwendigkeit, das System abzuschaffen. Sagt Marx. So weit sind wir noch nicht. Die Frage, ob Marx recht hat, ist seit Jahrzehnten ein heißumkämpftes Unentschieden. Manchmal war der Kapitalismus in der Lage, elegant auszuweichen, manchmal nicht. Aber die immer zunehmende Spaltung und das Aufgehen der Schere sind beobachtbar.

Was im zweiten Schaubild zu sehen ist: richtig nach oben getrieben wurde die Lohnquote durch die 68-er. Dann kam dieses neoliberale Einlullen und dann sank sie. Und mit dem Auftauchen der Rechtspopulisten noch mehr. Man sieht schon, wer hier etwas für die breite Masse der Lohnabhängigen getan hat und wer nicht.

Gruß Artur

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  • Avatar von fpdcb
    • fpdcb

    mehr als 1000 Beiträge seit 22.10.2017

    Antwort auf So ganz ohne von Artur_B.

    der einzige der sich hier helfen kann ist der Lohnabhängige selbst

    doch was tut er, er schwächt sich selbst kontinuierlich, wendet sich von den Gewerkschaften ab und lässt diese von korrupten Gewerschaftsführern übernehmen;

    die einzige Organisationsform die seine Position nachhaltig verbessern könnte - schon interessant wie komplette Verblödung und Infantilisierung so über 50-60 Jahre Früchte abwerfen

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  • Avatar von exkoelner
    • exkoelner

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

    Antwort auf So ganz ohne von Artur_B.

    Hinzu kommt ja noch die etwas unsaubere Definition von Lohn, in vielen Statistiken wird lediglich der Netto-Lohn gerechnet. Seit Jahr und Tag wird sehr viel Wert darauf gelegt, Lohn und Lohn-Nebenkosten zu trennen. Das mag aus Bilanzierungs- und anderen, z.B. Tragfähigkeit der Sozialsysteme Sinn machen, aber wird gerne, auch in Statistiken dafür benutzt, geldwerte Leistungen eines gemeinschaftlich, eben genau durch diese Lohn-Nebenkosten finanzierten Sozialsystem, als eine Art von Steuer zu diskreditieren. Dabei ist das daraus finanzierte Rentensystem ein geldwerter Vorteil, den man nur zeitversetzt als Rentner dann ausgezahlt bekommt, und durchaus auch als "Lohnbestandteil" gesehen werden kann. Dasselbe mit der Krankenversicherung, würde diese nicht durch KV-Beiträge für die gesetzliche KV bezahlt, müsste man sich privat Krankenversichern, und jeder kann sich mal schlau machen, was das für Belastungen bei privat Krankenversicherten im Alter für Ausmaße derweil annimmt.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (08.02.2021 09:25).

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