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Avatar von Pnyx (1)
  • Pnyx (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.2017

Haken

Verglichen mit früheren ist Altmanns Versuch den Wertbegriff zu vermitteln didaktisch wesentlich besser gelungen. Die verwendeten Analogien sind leicht nachvollziehbar und tragen recht weit. Gratulation zu dieser Leistung. Eine weitere Verbesserung liesse sich durch kongeniale Ergänzung durch graphische Elemente erreichen. Gut gemacht hätte man dann eine Art Lehrheft.

Verdienstvoll ist auch der Hinweis auf die Entropie. Allerdings formuliert der Autor in diesem Zusammenhang den einzigen Satz, dem ich nicht zustimmen würde:

Als Arbeitskraft im kapitalistischen Betrieb erzeugt der Mensch aus Rohmaterial Gebrauchsgüter, verringert so die Entropie...

Da wird das entropische Niveau nur einseitig anthropozentrisch wahrgenommen. In der Realität kommt das 'Rohmaterial' irgendwo her. Bei einem Eimer aus Blech wars z. B. Eisenerz, das geschürft werden musste. Und dabei wurde die Entropie, wie bei enorm vielen anderen menschlichen Tätigkeiten auch, nicht reduziert, sondern erhöht. Natürliche Systeme wurden zerstört oder mindestens empfindlich beeinträchtigt.

Und das ist dann auch der lange verborgene Haken an der menschlichen Ökonomie überhaupt und ihrer industrialisierten Form im speziellen. Die durch sie verursachten Entropieniveau-Erhöhungen summieren sich nach und nach zu einer, von der Menschheit aus beurteilt, fatalen Alterierung der natürlichen Systeme. Der scheinbar umsonst, gratis, erreichte Wertzuwachs ist in Wirklichkeit teuer bezahlt, wenn auch vom menschlichen Wirtschaften allgemein und seiner kapitalistischen oder auch staatskapitalistischen Radikalisierung im Besonderen buchhalterisch externalisiert und damit für lange Zeit unsichtbar gemacht.

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  • Avatar von exkoelner
    • exkoelner

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2012

    Antwort auf Haken von Pnyx (1).

    Danke für den Hinweis, und da googelte ich doch mal gleich, wie definiert man Entropie, was ist das, und fand das sehr verständlich:

    "Je höher die Unordnung ist, umso höher ist auch die Entropie. Wird durch eine chemische Reaktion die Unordnung erhöht, so handelt es sich um eine positive Entropieänderung ∆S; wird mehr Ordnung erzeugt, handelt es sich um eine negative Entropieänderung ∆S."

    https://www.studyhelp.de/online-lernen/chemie/entropie/

    Auch weil sich das aus dem Text im Konsens schon so heraus verstehbar war.
    Wobei sich mir dann sofort die Frage stellte, wer entscheidet, was mehr oder weniger "Ordnung" ist. Wenn man Natur, so wie sie ist, als 100% "Ordnung" setzt, ist natürlich jeglicher menschlicher Eingriff, z.B. zur Rohstoffgewinnung ein Unordnung schaffender Zustand. Aber wie viel, bzw. wie definiert man 80% Ordnung und 20% Unordnung?

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  • Avatar von EnergieingenieurLE
    • EnergieingenieurLE

    mehr als 1000 Beiträge seit 30.06.2014

    Antwort auf Re: Haken von exkoelner.

    Von den 10 Geboten der Thermodynamik lautet das erste:

    Du sollst dir kein Bild der Entropie machen. 😜

    Die Entropie als Maß der Unordnung zu definieren, ist lediglich ein untauglicher Versuch, es für Laien verständlich zu machen. Unordnung kennt schlicht kein Maß.

    Google mal „Science Slam Entropie“! Eine bessere Erklärung findest du meines Erachtens nach nirgends.

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