Wer genau hinsieht, muss schnell feststellen, das zwischen jenen, die Cancel Culture betreiben und jenen die sie kritisieren kaum Unterschiede bestehen ... nur eben in der Frage, wer gerade die Macht zum Canceln hat.
Gerade in den USA, aber auch bei uns, sieht man ja, das die Kritiker der "CancelCultur" sobald sie die Macht haben, selbst begingen Alles und Jedes zu canceln, was ihnen nicht gefällt.
Ergingen sich die Einen darin, eine berühmte Person zu "canceln" weil sie nicht perfekt, sondern eben auch nach heutigem Maßstab rassistisch war, wird, nachdem die Kritiker daran Macht erlangt haben, gleich Alles an Büchern und Personen gecancelt, die rassistischen Traditionen auf den Grund gehen wollen.
Oder das Paradebeispiel "Gendern": da wollten uns einige eifrige Weltverbesser:innen eine bestimmte Sprache aufdrängen und nun wollen Söder und Co. gleich das ganze Gendern verbieten: zuerst natürlich in Schulen und Behörden. Doch schon sind die ersten zu hören, die Gendern auch im persönlichen Verhalten verbieten wollen: wo gestern Studenten noch zum Gendern angehalten werden sollten, soll es ihnen nun in ihren Arbeiten verboten werden.
Am Ende zeigt sich, das Canceler und Anti-Canceler nur zwei Seiten der gleichenMedaille sind und nur die Machtfrage entscheidet, wer gerade Opfer und wer gerade Täter ist.
Und damit sind wir dort, wo uns die Geschichte zeigt, das es immer so war.