Bei einer Bühnen- und Orchesterprobe zum Ballett "Onegin" gab es Diskussionen zwischen dem sorgfältig arbeitenden Dirigenten und dem nicht mehr jungen Probenleiter Reid Anderson, der früher Ballettintendant war. Agrest favorisierte ein anderes Tempo in einem Passus der Partitur als der seit Jahrzehnten beim Stuttgarter Ballett arbeitende Anderson.
Um das Kind einmal beim Namen zu nennen: Der Kapellmeister in der Grube ist hier nur ein ausführendes Organ. Der Einsatz der Musik muss zum Gespringe der Hupfdohlen passen, sonst wirkt alles Scheiße. Nüchtern betrachtet geben Choreograf und die Tänzer das Tempo und nicht der Kapellmeister in der Grube, denn letzerer kann mit seinem Musikern viel einfacher sein Tempo anpassen, als das Volk oben auf der Bühne.
Solche Gespräche sollten normal sein, sie gehören zum künstlerischen Prozess – sonst würde sich die Kunst der Interpretation ja auch nie entwickeln. Aber Anderson, 72, hatte keine Geduld. Er ließ Mikhail Agrest während der Probe kurzerhand rauswerfen – und fand damit auch noch die volle Unterstützung beim zuständigen Stuttgarter Ballettintendanten Tamas Detrich. Dabei wäre es dessen Aufgabe gewesen, die Wogen zu glätten und zu vermitteln.
Um das Kind einmal beim Namen zu nennen: Die Künstler sind unter allen Berufungen der Menschenschlag mit der geringsten Sozialkompetenz.
Wie unsere Autorin den jungen Russen gegen den "72" Jahre alten Anderson stellt, grenzt schon als Alterdiskriminierung. Woanders hätte sie sich dafür einen gefangen.
In der Wirtschaft gilt halt das selbe, wie im normalen Leben: Mal klappt es auf der zwischenmenschlichen Beziehungsebene und manchmal auch nicht. Da tun sich beide Seiten einen Gefallen, wenn man getrennte Wege geht. Und eine kleine Unstimmigkeit in einer Probe wird da auch nicht der Auslöser gewesen sein.
Das hat alles nur bedingt mit den Fähigkeiten der Personen zu tun. Selbstverständlich war das Vertraglich auch so geregelt, sonst hätte Agrest auch dagegen klagen können.
Ein Opernhaus steht traditionell für Würde und Kultur, für Erhabenheit und Respekt vor der Kunst.
So ein Opernhaus ist wie ein 5-Sterne Restaurant. Das Publikum ist in der Regel sehr angenehm und möchte für das viele Geld auch eine schöne Zeit haben.
Das Ambiente ist toll. Aber ob da auch in der Küche immer alle nett zueinander sind, wage ich doch zu bezweifeln.