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  • Stephmeister

543 Beiträge seit 18.01.2011

Re: Bürokratismus | Verlagerung

Und wenn der Importeurs dann wegen Kinderarbeit keine T-Shirts mehr aus Lampukistan bezieht, muss der kleine Ranjit eben wieder im Steinbruch arbeiten.

Das ist mir als Rechtfertigung mittlerweile wirklich zu einfach: „Es ändert ja doch nichts, warum es überhaupt probieren?“

Natürlich können wir nicht verhindernde, dass Menschen in anderen Ländern ihre Kinder ausbeuten. Haben wir hier ja schließlich auch getan, Salzbergwerk, Kaminfeger, alles bekannt.

Ich würde als Vater jetzt den Eltern z.B. in Bangladesch einfach mal unterstellen, dass diese ihre Kinder lieber in der Schule sehen würden, damit diese ein besseres Leben als die Eltern führen können (und ggf. damit auch die Armut der Eltern beenden).
Dass die Kinder dennoch in Ausbeuterbetrieben schuften müssen, anstatt etwas zu lernen ist sehr simpel:
Ohne das Einkommen der Kinder kann deren Familie nicht überleben.
Da ist eher selten die Gier der Eltern die Triebfeder.

Aber wir haben es irgendwann geändert.

Was war doch gleich der Grund warum man im 19.Jahrhundert die Kinderarbeit bei uns verboten hat?

Mitleid?
Nö.

Universelle Menschenrechte?
Nö.

Damit die Kinder eine vernünftige Bildung und Zukunft haben?
Fast: Die Körper der irgendwann das wehrfähige Alter erreichenden Jungs waren oft durch die Arbeit so geschädigt, dass diese keine Soldaten mehr abgaben. Und die angehenden Rekruten ohne körperliche Gebrechen waren auch noch ungebildet. Das war fürs Kaiserreich untragbar.
So wurde die Kinderarbeit bei uns abgeschafft.

Und jetzt haben wir mal mindestens die Verantwortung, es bei anderen nicht noch schlimmer zu machen. Dann müssen wir eben Druck auf die Hersteller ausüben, nicht nur die Lieferketten zu dokumentieren sondern auch Inspektionen vorzunehmen und den Leuten vor Ort mehr Lohn zukommen zu lassen.

Da sind wir auch als Konsumenten gefragt: wir müssen das einfordern und dabei auch deutlich machen, dass es uns damit ernst ist. Dazu müssen wir aber wissen, wie viel vom Preis beim Verkäufer hängenbleibt und wie die Arbeitsbedingungen der Hersteller sind, bis runter zu den Rohstoffen.

Ich finde die Vorstellung, ich könnte als Konsument irgendwas durch meine Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen ja auch echt toll.
Ist aber leider nur eine Vorstellung.

Nur weil ich z.B. das doppelte Geld für ein Hähnchen beim Metzger auf die Theke lege als beim Discounter, heißt es weder, dass das Hähnchen ein erfüllteres Leben hatte, noch das der Aufzuchtbetrieb besser entlohnt wurde.
Und als Konsument kann ich das weder zweifelsfrei verifizieren und erst recht nicht für den ganzen Inhalt des Einkaufswagens vollziehen.

Gab ja auch schon genug Berichte über Bauern, die trotz irgendwelcher Nachhaltigkeits- oder Fair Trade-Label über den Tisch gezogen wurden.

Wenn jemand in der Position ist um wirklich Druck auszuüben, dann sind das Regierungen.

Unsere (EU-) Regierung, dass entsprechende Länder keinen Handel mehr mit uns treiben dürfen bzw. boykottiert werden.
Sowie deren Regierungen um die Zustände im eigenen Land zu verändern das Kinderarbeit verboten wird und durch bessere / faire Entlohnungen eh obsolet wird.

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