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Avatar von Tsu Tang
  • Tsu Tang

mehr als 1000 Beiträge seit 06.04.2006

Bürokratismus | Verlagerung

Hi,

das Lieferkettengesetz ist ein bürokratischer Alptraum.
Aber es wird zweierlei bewirken:
- Eine Deindustrialisierung in den Ländern des Südens
- Deutliche Preiserhöhungen in den Ländern des Nordens/Westens

Bye

Edit: Ergänzung um Effekte

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (22.04.2022 08:18).

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  • Avatar von Klongeiger
    • Klongeiger

    504 Beiträge seit 02.01.2016

    Antwort auf Bürokratismus | Verlagerung von Tsu Tang.

    Zumindest zum Thema Preiserhöhung: gut so! Offensichtlich kriegt man die Konsumenten nicht mit moralischen Argumenten („Dieses Produkt wird mit Kinderarbeit hergestellt“), sondern nur über den Preis.

    Andersherum formuliert: wenn ein T-Shirt nur durch Kinderarbeit für 1,50 angeboten werden kann, dann ist es zu billig.

    Wenn die Bürger:innen sich dann keine Kleidung mehr leisten können, dann ist der Mindestlohn zu niedrig. Das sind alles bekannte Probleme, wir drücken uns nur vor den Lösungen, weil die politisch unangenehm sind.

    Kopf-in-den-Sand-Politik geht aber nicht mehr, die soziale Schieflage sowohl national als auch weltweit hat mittlerweile zu viel Sprengkraft aufgebaut. Gut, dass sich was tut!

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  • Avatar von Jian
    • Jian

    mehr als 1000 Beiträge seit 17.01.2005

    Antwort auf Bürokratismus | Verlagerung von Tsu Tang.

    Gut, dass sich was tut!

    Und du denkst, dass der Mindestlohn freiwillig erhöht wird? Weltweit am besten? Woher sollen dann die Milliarden kommen, die man Pfizer oder Rheinmetall in den Rachen stopfen kann?
    Nee, es muss erst noch deutlich schlimmer werden. Selbst der sprunghafte Anstieg der Lebensmittelpreise in den letzten Wochen hat bestenfalls zu dämlichen Kommentaren geführt. Allerdings haben wir durch Corona eine Menge neuer Millionäre und Milliardäre, so dass im Durchschnitt alle noch genauso reich sind wie vor der Pandämie, und im moment sahnen unsere Raffineriebetreiber all die Subventionen ab, die man "dem Volk schenkt"- und noch deutlich mehr dazu.

    Mundus vult decipi, ergo decipiatur!

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  • Avatar von bickerdyke
    • bickerdyke

    mehr als 1000 Beiträge seit 02.11.2001

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von Klongeiger.

    Klongeiger schrieb am 22.04.2022 10:16:

    Zumindest zum Thema Preiserhöhung: gut so! Offensichtlich kriegt man die Konsumenten nicht mit moralischen Argumenten („Dieses Produkt wird mit Kinderarbeit hergestellt“), sondern nur über den Preis.

    Andersherum formuliert: wenn ein T-Shirt nur durch Kinderarbeit für 1,50 angeboten werden kann, dann ist es zu billig.

    Und wenn es für 2,50 angeboten wird, bekommt der Importeur einen Euro mehr Gewinn und der kleine Ranjit keine Rupie mehr.

    Und wenn der Importeur dann wegen Kinderarbeit keine T-Shirts mehr aus Lampukistan bezieht, muss der kleine Ranjit eben wieder im Steinbruch arbeiten.

    Wenn die Bürger:innen sich dann keine Kleidung mehr leisten können, dann ist der Mindestlohn zu niedrig. Das sind alles bekannte Probleme, wir drücken uns nur vor den Lösungen, weil die politisch unangenehm sind.

    Kopf-in-den-Sand-Politik geht aber nicht mehr, die soziale Schieflage sowohl national als auch weltweit hat mittlerweile zu viel Sprengkraft aufgebaut. Gut, dass sich was tut!

    Ich befürchte, dass es im Zusammenhang mit dem Lieferkettengesetz bei einem Gut gemeint bleiben wird.

    In der Fabrik in Bangladesh hätte es keinen Cent mehr gekostet, den Notausgang nicht abzuschließen. Solch Schlendrian und Korruption bekommt man nur weg, wenn die zuständigen Behörden nicht gegen eine kleine Gebühr in die andere Richtung schauen. Wer so kaltblütig über Leichen geht, der unterschreibt auch jede Vertragsklausel und fälscht alle nötigen Dokumente. Und wenn eine Inspektion kommt, hat man eben noch eine Vorzeigefabrik irgendwo.

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  • Avatar von Klongeiger
    • Klongeiger

    504 Beiträge seit 02.01.2016

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von bickerdyke.

    bickerdyke schrieb am 22.04.2022 15:34:

    Klongeiger schrieb am 22.04.2022 10:16:

    Zumindest zum Thema Preiserhöhung: gut so! Offensichtlich kriegt man die Konsumenten nicht mit moralischen Argumenten („Dieses Produkt wird mit Kinderarbeit hergestellt“), sondern nur über den Preis.

    Andersherum formuliert: wenn ein T-Shirt nur durch Kinderarbeit für 1,50 angeboten werden kann, dann ist es zu billig.

    Und wenn es für 2,50 angeboten wird, bekommt der Importeur einen Euro mehr Gewinn und der kleine Ranjit keine Rupie mehr.

    Und wenn der Importeur dann wegen Kinderarbeit keine T-Shirts mehr aus Lampukistan bezieht, muss der kleine Ranjit eben wieder im Steinbruch arbeiten.

    Das ist mir als Rechtfertigung mittlerweile wirklich zu einfach: „Es ändert ja doch nichts, warum es überhaupt probieren?“

    Natürlich können wir nicht verhindern, dass Menschen in anderen Ländern ihre Kinder ausbeuten. Haben wir hier ja schließlich auch getan, Salzbergwerk, Kaminfeger, alles bekannt.

    Aber wir haben es irgendwann geändert. Und jetzt haben wir mal mindestens die Verantwortung, es bei anderen nicht noch schlimmer zu machen. Dann müssen wir eben Druck auf die Hersteller ausüben, nicht nur die Lieferketten zu dokumentieren sondern auch Inspektionen vorzunehmen und den Leuten vor Ort mehr Lohn zukommen zu lassen.

    Da sind wir auch als Konsumenten gefragt: wir müssen das einfordern und dabei auch deutlich machen, dass es uns damit ernst ist. Dazu müssen wir aber wissen, wie viel vom Preis beim Verkäufer hängenbleibt und wie die Arbeitsbedingungen der Hersteller sind, bis runter zu den Rohstoffen.

    Wenn die Bürger:innen sich dann keine Kleidung mehr leisten können, dann ist der Mindestlohn zu niedrig. Das sind alles bekannte Probleme, wir drücken uns nur vor den Lösungen, weil die politisch unangenehm sind.

    Kopf-in-den-Sand-Politik geht aber nicht mehr, die soziale Schieflage sowohl national als auch weltweit hat mittlerweile zu viel Sprengkraft aufgebaut. Gut, dass sich was tut!

    Ich befürchte, dass es im Zusammenhang mit dem Lieferkettengesetz bei einem Gut gemeint bleiben wird.

    In der Fabrik in Bangladesh hätte es keinen Cent mehr gekostet, den Notausgang nicht abzuschließen. Solch Schlendrian und Korruption bekommt man nur weg, wenn die zuständigen Behörden nicht gegen eine kleine Gebühr in die andere Richtung schauen. Wer so kaltblütig über Leichen geht, der unterschreibt auch jede Vertragsklausel und fälscht alle nötigen Dokumente. Und wenn eine Inspektion kommt, hat man eben noch eine Vorzeigefabrik irgendwo.

    Entsprechend darf ein solches Gesetz eben kein Papiertiger sein: wenn wir für Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette lokale Händler in die finanzielle Verantwortung nehmen können, dann haben die ein Eigeninteresse daran, die Kontrollen ernst zu nehmen. Die Kosten dafür gehen dann natürlich auf den Verkaufspreis, aber das finde ich, wie bereits erwähnt, völlig korrekt.

    Der mündige Verbraucher braucht Transparenz, um Fehlverhalten ahnden zu können. Wenn ich wüsste, dass von den 130,- für eine Hose beim Hersteller in Bangladesh 0,75 ankommen, damit hier ein Milliardär sich noch eine Insel kaufen kann, dann wüsste ich genau, wo ich nicht mehr einkaufe.

    Aber genau deswegen wird um die diversen Beteiligungen, Tochterfirmen und Lieferketten ja so ein Geheimnis gemacht, um die Profiteure von Sklavenarbeit nicht in die Verantwortung nehmen zu können. Das muss geändert werden!

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  • Avatar von Stephmeister
    • Stephmeister

    543 Beiträge seit 18.01.2011

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von Klongeiger.

    Und wenn der Importeurs dann wegen Kinderarbeit keine T-Shirts mehr aus Lampukistan bezieht, muss der kleine Ranjit eben wieder im Steinbruch arbeiten.

    Das ist mir als Rechtfertigung mittlerweile wirklich zu einfach: „Es ändert ja doch nichts, warum es überhaupt probieren?“

    Natürlich können wir nicht verhindernde, dass Menschen in anderen Ländern ihre Kinder ausbeuten. Haben wir hier ja schließlich auch getan, Salzbergwerk, Kaminfeger, alles bekannt.

    Ich würde als Vater jetzt den Eltern z.B. in Bangladesch einfach mal unterstellen, dass diese ihre Kinder lieber in der Schule sehen würden, damit diese ein besseres Leben als die Eltern führen können (und ggf. damit auch die Armut der Eltern beenden).
    Dass die Kinder dennoch in Ausbeuterbetrieben schuften müssen, anstatt etwas zu lernen ist sehr simpel:
    Ohne das Einkommen der Kinder kann deren Familie nicht überleben.
    Da ist eher selten die Gier der Eltern die Triebfeder.

    Aber wir haben es irgendwann geändert.

    Was war doch gleich der Grund warum man im 19.Jahrhundert die Kinderarbeit bei uns verboten hat?

    Mitleid?
    Nö.

    Universelle Menschenrechte?
    Nö.

    Damit die Kinder eine vernünftige Bildung und Zukunft haben?
    Fast: Die Körper der irgendwann das wehrfähige Alter erreichenden Jungs waren oft durch die Arbeit so geschädigt, dass diese keine Soldaten mehr abgaben. Und die angehenden Rekruten ohne körperliche Gebrechen waren auch noch ungebildet. Das war fürs Kaiserreich untragbar.
    So wurde die Kinderarbeit bei uns abgeschafft.

    Und jetzt haben wir mal mindestens die Verantwortung, es bei anderen nicht noch schlimmer zu machen. Dann müssen wir eben Druck auf die Hersteller ausüben, nicht nur die Lieferketten zu dokumentieren sondern auch Inspektionen vorzunehmen und den Leuten vor Ort mehr Lohn zukommen zu lassen.

    Da sind wir auch als Konsumenten gefragt: wir müssen das einfordern und dabei auch deutlich machen, dass es uns damit ernst ist. Dazu müssen wir aber wissen, wie viel vom Preis beim Verkäufer hängenbleibt und wie die Arbeitsbedingungen der Hersteller sind, bis runter zu den Rohstoffen.

    Ich finde die Vorstellung, ich könnte als Konsument irgendwas durch meine Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen ja auch echt toll.
    Ist aber leider nur eine Vorstellung.

    Nur weil ich z.B. das doppelte Geld für ein Hähnchen beim Metzger auf die Theke lege als beim Discounter, heißt es weder, dass das Hähnchen ein erfüllteres Leben hatte, noch das der Aufzuchtbetrieb besser entlohnt wurde.
    Und als Konsument kann ich das weder zweifelsfrei verifizieren und erst recht nicht für den ganzen Inhalt des Einkaufswagens vollziehen.

    Gab ja auch schon genug Berichte über Bauern, die trotz irgendwelcher Nachhaltigkeits- oder Fair Trade-Label über den Tisch gezogen wurden.

    Wenn jemand in der Position ist um wirklich Druck auszuüben, dann sind das Regierungen.

    Unsere (EU-) Regierung, dass entsprechende Länder keinen Handel mehr mit uns treiben dürfen bzw. boykottiert werden.
    Sowie deren Regierungen um die Zustände im eigenen Land zu verändern das Kinderarbeit verboten wird und durch bessere / faire Entlohnungen eh obsolet wird.

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  • Avatar von Klongeiger
    • Klongeiger

    504 Beiträge seit 02.01.2016

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von Stephmeister.

    Stephmeister schrieb am 22.04.2022 19:55:

    Nur weil ich z.B. das doppelte Geld für ein Hähnchen beim Metzger auf die Theke lege als beim Discounter, heißt es weder, dass das Hähnchen ein erfüllteres Leben hatte, noch das der Aufzuchtbetrieb besser entlohnt wurde.
    Und als Konsument kann ich das weder zweifelsfrei verifizieren und erst recht nicht für den ganzen Inhalt des Einkaufswagens vollziehen.

    Das wäre aber doch gerade der Sinn eines vernünftigen Lieferkettengesetzes.
    Regierungen haben keinerlei Interesse, Handel zu beschränken, es sei denn der Partner passt nicht in das aktuelle Feindbild. Wir treiben ja auch immer noch im großen Stil Handel mit Russland.

    Aber informierte Kunden können entsprechenden Druck ausüben, indem sie boykottieren. Ich will den Leuten die bequemen Ausreden wegnehmen. Wenn es sehr einfach ist herauszubekommen dass das neue T-Shirt mit Sklavenarbeit hergestellt wurde, dann kann man sich nicht mehr mit „hab ich ja nicht gewusst“ herausreden.

    Änderung kommt nur, wenn man den Leuten die bequemen Ausreden wegnimmt. Das ist aber auch eine Form der Ermächtigung: „Deine Entscheidung zählt, du kannst etwas ändern, wenn du willst.“

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  • Avatar von Stephmeister
    • Stephmeister

    543 Beiträge seit 18.01.2011

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von Klongeiger.

    Da wäre ich mir nicht so sicher: “Geiz ist geil!”

    Der Mehrheit der Konsumenten sind die Herstellbedingungen schlichtweg egal.
    Es ist bekannt, dass die großen Discounter wie z.B. Aldi maßgeblich an der Preisdrückerei zu Ungunsten der Milchbauern schuld sind. Wer verkauft denn wohl in Deutschland am meisten Milch und warum ist das so?
    -> Weil es so schön billig ist.

    Oder schauen wir uns die Klamotten von Primark an. Man muss kein BWL-Studium haben um auf den Trichter zu kommen, das bei den Preisen kaum was bei den Nähern hängen bleiben kann.

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  • Avatar von Klongeiger
    • Klongeiger

    504 Beiträge seit 02.01.2016

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von Stephmeister.

    Das ist ja gerade der Punkt: man muss die Leute mit ihrer Mentalität konfrontieren. Natürlich kann man immer noch sagen: meine billigen Produkte sind mit das Leben eines Kindes in Bangladesh wert, aber dann muss man halt damit leben.

    Wichtig ist, dass man sich nicht mit Unkenntnis herausreden kann. Klar, niemand kann den Dschungel an Verflechtungen und Verschleierungen von sich aus durchschauen, das ist viel Aufwand für jedes Produkt.

    Aber wenn man mit einem kurzen Scan eines auf dem Produkt angedruckten Codes eine detaillierte Liste aller krummen Deals einsehen kann, dann wird es schon schwerer sich der eigenen Verantwortung zu entziehen. Zumal es mehr als genüg engagierte Menschen gibt, die das mit Genuss im großen Stil machen und entsprechend publizieren werden.

    „Geiz ist Geil“ klingt gar nicht mehr so toll wenn es über einem brennenden Sweatshop steht.

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  • Avatar von Löwenmaul
    • Löwenmaul

    408 Beiträge seit 10.07.2014

    Re: Bürokratismus | Verlagerung. Irgendwie lustig/absurd/dada

    Antwort auf Re: Bürokratismus | Verlagerung von Klongeiger.

    Nimmt man mal die ganzen Roh- und Halbzeuge, von Anilinfarben über Fasern, Garne, Granulate, Kabel etc. etc. bis Zellulose, und Agrarprodukte von Ananas über Sojaschrot bis Zitronen. Dann ist irgendwann von jeder Sauerei überall was drin.
    So einen "Beipackzettel" für einen Marder (Schützenpanzer) oder auch für ein Früchtemüsli z. B. von Seitenbacher (woisch Karle [...]) würde ich ja schon gerne mal sehen.
    Irgendwie lustig [...} finde ich
    1. die Länge des Zettels ((Marder) Produkt besteht zu 0,6% aus Iridium. Dieses beziehen wir aus Lesotho und Chile. In den Betrieben herrscht gerechte Bezahlung und Gewerkschaftsfreiheit, Kinderarbeit ist streng untersagt. Zudem werden die Erlöse zu einem Teil für den Aufbau von etc. etc.) oder ((Müsli von Seitenbacher) onsre Acai-Beeren kommen von equadorianischen Frauengenossenschaften. Seit langem investieren diese in schulische und Hochschulische Einrichtungen. Deshalb zahlen wir einen fairen Preis. Und schmecken tut's umso mehr!"). Und
    2. die Mischung von Halbwahrheiten und Erfindungen über die Wirklichkeit (Fakes)

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