bickerdyke schrieb am 22.04.2022 15:34:
Klongeiger schrieb am 22.04.2022 10:16:
Zumindest zum Thema Preiserhöhung: gut so! Offensichtlich kriegt man die Konsumenten nicht mit moralischen Argumenten („Dieses Produkt wird mit Kinderarbeit hergestellt“), sondern nur über den Preis.
Andersherum formuliert: wenn ein T-Shirt nur durch Kinderarbeit für 1,50 angeboten werden kann, dann ist es zu billig.
Und wenn es für 2,50 angeboten wird, bekommt der Importeur einen Euro mehr Gewinn und der kleine Ranjit keine Rupie mehr.
Und wenn der Importeur dann wegen Kinderarbeit keine T-Shirts mehr aus Lampukistan bezieht, muss der kleine Ranjit eben wieder im Steinbruch arbeiten.
Das ist mir als Rechtfertigung mittlerweile wirklich zu einfach: „Es ändert ja doch nichts, warum es überhaupt probieren?“
Natürlich können wir nicht verhindern, dass Menschen in anderen Ländern ihre Kinder ausbeuten. Haben wir hier ja schließlich auch getan, Salzbergwerk, Kaminfeger, alles bekannt.
Aber wir haben es irgendwann geändert. Und jetzt haben wir mal mindestens die Verantwortung, es bei anderen nicht noch schlimmer zu machen. Dann müssen wir eben Druck auf die Hersteller ausüben, nicht nur die Lieferketten zu dokumentieren sondern auch Inspektionen vorzunehmen und den Leuten vor Ort mehr Lohn zukommen zu lassen.
Da sind wir auch als Konsumenten gefragt: wir müssen das einfordern und dabei auch deutlich machen, dass es uns damit ernst ist. Dazu müssen wir aber wissen, wie viel vom Preis beim Verkäufer hängenbleibt und wie die Arbeitsbedingungen der Hersteller sind, bis runter zu den Rohstoffen.
Wenn die Bürger:innen sich dann keine Kleidung mehr leisten können, dann ist der Mindestlohn zu niedrig. Das sind alles bekannte Probleme, wir drücken uns nur vor den Lösungen, weil die politisch unangenehm sind.
Kopf-in-den-Sand-Politik geht aber nicht mehr, die soziale Schieflage sowohl national als auch weltweit hat mittlerweile zu viel Sprengkraft aufgebaut. Gut, dass sich was tut!
Ich befürchte, dass es im Zusammenhang mit dem Lieferkettengesetz bei einem Gut gemeint bleiben wird.
In der Fabrik in Bangladesh hätte es keinen Cent mehr gekostet, den Notausgang nicht abzuschließen. Solch Schlendrian und Korruption bekommt man nur weg, wenn die zuständigen Behörden nicht gegen eine kleine Gebühr in die andere Richtung schauen. Wer so kaltblütig über Leichen geht, der unterschreibt auch jede Vertragsklausel und fälscht alle nötigen Dokumente. Und wenn eine Inspektion kommt, hat man eben noch eine Vorzeigefabrik irgendwo.
Entsprechend darf ein solches Gesetz eben kein Papiertiger sein: wenn wir für Menschenrechtsverletzungen in der Lieferkette lokale Händler in die finanzielle Verantwortung nehmen können, dann haben die ein Eigeninteresse daran, die Kontrollen ernst zu nehmen. Die Kosten dafür gehen dann natürlich auf den Verkaufspreis, aber das finde ich, wie bereits erwähnt, völlig korrekt.
Der mündige Verbraucher braucht Transparenz, um Fehlverhalten ahnden zu können. Wenn ich wüsste, dass von den 130,- für eine Hose beim Hersteller in Bangladesh 0,75 ankommen, damit hier ein Milliardär sich noch eine Insel kaufen kann, dann wüsste ich genau, wo ich nicht mehr einkaufe.
Aber genau deswegen wird um die diversen Beteiligungen, Tochterfirmen und Lieferketten ja so ein Geheimnis gemacht, um die Profiteure von Sklavenarbeit nicht in die Verantwortung nehmen zu können. Das muss geändert werden!