Aktivisten sind zweifellos nötig, um wichtige Themen anzuschieben und im Gang zu halten. Sie neigen aber bisweilen auch zu radikalen Haltungen, die kaum umsetzbar und auch nicht unbedingt sinnvoll sind. Bei Umweltthemen lässt sich das häufig in dem Begriff "Zurück in die Steinzeit" zusammenfassen: keine Autos und keine Flüge mehr, Leben wie vor Jahrhunderten, oder extrem verdichtet in Städten, kein oder nur noch wenig Fleisch zum Essen. Es gab da mal eine Werbung, die das schön karikiert hat: "Sie können sich das warme Wasser auf Vorrat einfrieren".
"Zurück in die Steinzeit" ist, gerade wenn man die gesellschaftliche und politische Umsetzbarkeit betrachtet, einfach kein gangbarer Weg.
Nehmen wir die 1980er-Jahre, ein Jahrzehnt, als viele Umweltprobleme erfolgreich angegangen wurden, und das Thema Saurer Regen, Waldsterben, Luftschadstoffe: Es gab Kampagnen und Aufkleber "Tempo 100 dem Wald zuliebe" und die Idee von 5 Mark für den Liter Benzin. Umgesetzt wurde letztlich der Katalysator, der zwar kostete, aber keine Einschränkung bei der Autonutzung bedeutete und dessen Kosten vor allem einen Fortschritt brachten, statt nur durch künstliche Verteuerung eine Rücknahme der Mobilität zu bewirken. Dazu kam natürlich, dass die Rauchgasentschweflung von Kraftwerken und Feuerungen den Hauptteil des sauren Regens beseitigte.
Heute ist die Situation ganz ähnlich, nur sind die Aufwände für die Dekarbonisierung weit größer als damals für die Beseitigung von Schadstoffen, die sich relativ leicht ausfiltern oder zersetzen ließen. Es wird eine Masse an regenerativen Energiequellen und Speichern geben müssen. Wahrscheinlich wird Atomkraft noch eine Weile weiter laufen, wenn auch nicht in Deutschland, zwar mit Risiken, aber dafür CO2-frei. Immerhin hat man jetzt Technologien, die es in den 1980ern so allgemeintauglich noch nicht gab, für regenerative Energie und Speicherung. Bis vor 10, 15 Jahren gab es für Autos fast nur ungeeignete Bleiakkus als Stromspeicher (andere Fahrbatterien kamen nie über Prototypen hinaus.).