Die Karte ist realistisch, aber von einer Karte kann man die Kriegsziele nicht ablesen. Nicht jeder eroberte Quadratkilometer ist gleich viel wert.
Eher schlecht lief es bei der geplanten Eroberung der ukrainischen Hauptstadt Kiew,...
Gibt es eine einzige russische Aussage, die die Eroberung Kiews als Ziel ausweist? Gulka versteht die Logik der Vorgänge nicht. In den ersten Kriegstagen wurden essentielle Strukturen der von der nato trainierten und aufmunitionierten ukrainischen Armee zerstört. Seitdem sind ihre Kräfte nicht mehr in der Lage zu gemeinsamen Aktionen. Ca. die Hälfte der Kräfte ist im Donbass-Gebiet eingegraben, war bereit für einen Grossangriff auf die beiden abtrünnigen Entitäten. Dem kam der russische Angriff zuvor. Inzwischen ist ein Teil dieser Kräfte bereits geschlagen, ca. 130 Ortschaften im dichtbesiedelten Gebiet wurden erobert, der Rest nahezu eingekesselt. Dies hängt mit dem oben schon gesagten zusammen. Der Rest der Armee kann nicht zu Hilfe kommen, weil anderswo, z. B. in der Verteidigung Kiews beschäftigt.
Neben den Gebieten des Donbas wurde der Küstenstreifen entlang des Asowschen Meeres erobert, ausser Mariupol, wo das rechtsextreme Asow-Regiment stationiert ist. Im Gegensatz zu dem, was Gulka behauptet, ist dort aber nicht die Hälfte, sondern wohl eher 80 Prozent russisch erobert. Die Rechtsextremen sind in ihrer Basis, einem riesigen Stahlwerk konzentriert. In spätestens einer Woche wird dort alles kurz und klein gebombt sein. Die russische Armee wartet damit zu, bis alle Wohnquartiere durchkämmt und unter Kontrolle sind. Danach werden Kräfte freigesetzt, die sich Richtung Odessa wenden werden. Das Ziel ist wohl eine Verbindung bis nach Transnistrien zu schaffen. Der Dnjepr könnte die Grenze nach Westen werden. Geplant ist in diesem Gebiet wohl ein Russland-zugewandter Staat, keine Dauerbesetzung.
Zurück bliebe dann eine hauptsächlich aus Galizien bestehende Rumpfukraine. Jede Nacht greifen russische Kampfflugzeuge und Lenkwaffen gezielt militärische Ziele an. Diverse de facto-nato-Zentren wurden zerstört, Tanklager, Munitions- und Waffendepots, Ausbildungszentren, Reparatureinrichtungen etc. Über kurz oder lang gehen den Ukrainern die Ressourcen aus. Der Nachschub der Russen ist dagegen gesichert, Russland selbst unangetastet, die Wege kurz. Es ist ja ein Nachbarland, nicht wie bei den u.s.-amerikanischen Angriffskriegen ein weit entferntes Territorium. Der Einsatz an Soldaten wird so niedrig wie möglich gehalten, um auf etwaige Bedrohungen des eigenen Gebietes weiterhin reagieren zu können.
Sollte sich die nato nicht im weiteren Verlauf, das Ganze wird wohl noch Monate dauern, zum Überschreiten russischer roter Linien hinreissen lassen, wird die Ukraine auf das beschriebene Mass geschrumpft werden. Eine Kapitulation in aussichtsloser Lage würde viele Menschenleben retten, wird aber wohl kaum eintreten. Erst recht nicht ein russischer Rückzug, der ebenfalls einer Kapitulation gleichkäme. Das sind westliche Fantasien. Auch die usa hätten nie und nimmer nach 30 oder wie vielen Tagen auch immer die Bombardierung Serbiens ohne beabsichtigtes Resultat eingestellt.
An dieser Stelle muss ich für alle, die gewohnheitsmässig in Texte hineininterpretieren, was nicht in ihnen steht und auch nicht irgendwie gemeint ist, betonen, dass ich für einen sofortigen Waffenstillstand und Aufnahme umfänglicher Verhandlungen wäre. Aber das ist leider nicht wahrscheinlicher als ein plötzlicher Abbruch der Klimaerhitzung.
Sollten sich die Nihilisten im Westen noch durchsetzen, wird es zu einer Ausweitung des Krieges kommen, dessen Endresultat man sich dann lieber nicht ausmalt.