HS1982 schrieb am 28.04.2023 10:13:
1) der Widerspruch zwischen Kriegsrhetorik und Friedensverhandlungen lässt sich einfach auflösen: Welcher russische Soldat will heute sterben - wenn das Ziel des Vaterlandes ein möglichst baldiger Frieden, am besten am nächsten Tag, ist? Es muss eine Dringlich- und Notwendigkeit aufgebaut werden für Opferbereitschaft. Auch muss Druck auf die Ukraine aufgebaut werden: ohne stabilen Frieden eben komplette Zerstörung.
Kein russischer Soldat will für diesen sinnlosen Krieg gegen das "Brudervolk" sterben und doch lässt Putin sie in der Ukraine aufmarschieren und elendig verrecken.
Ich wäre mir da nicht so sicher, immerhin kämpfen da nach westlicher Sichtweise russische Soldaten schon seit 2014...
2) der Kreml hatte schon im März 2022 an ernsthaften Friedensverhandlungen teilgenommen und Rückzug auf die Feb22 Grenzen vorgeschlagen. Warum soll Russland ausgerechnet jetzt - wo die Sanktionen langsam anfangen zu wirken - kein Interesse an Friedensverhandlungen haben? Die Kriegsziele Russlands sind zwar nicht komplett erreicht, aber viel besser wird es nicht für die Russen.
woher weißt Du, dass diese "ernsthaft" waren? Waren da nicht völlig absurde Forderungen wie der Rückzug der Nato enthalten? Und woher weißt Du was die Kriegsziele Russlands tatsächlich waren? Da ist sich selbst der Kreml offenbar nicht ganz sicher...
Und ja, besser wird es für Russland tatsächlich nicht mehr werden, aber das war schon länger klar.
Warum ist der Rückzug von Nato-Truppen absurd?
Russland ging es ja nicht darum dass die Länder nicht Teil der Nato sind, sondern darum dass keine Nato-Angriffstruppen und keine potentiellen nuklearen Trägersysteme an seinen Grenzen aufgebaut werden.
Man muss die Forderungen der bösen Russkies schon genau lesen ;)
3) Zelensky hat sich im Sept. 22 via Gesetz verboten, an Friedensverhandlungen teilzunehmen, solange Putin an der Macht ist. Welche Seite ist nun nicht verhandlungsbereit?
Nun, Russland hat 2020 seine Verfassung geändertn und in der abgeänderten Version (also abgesehen davon, dass sie Putin ermöglicht noch viele Jahre an der Macht zu bleiben) kann Russland keine Gebiete mehr zurückgeben die mal für russisch erklärt wurden. Das verhindert jeglieche Verhandlung per Verfassung denn die Ukraine wird diese Gebiete nicht aufgeben.
Ach und dann ist es ein Dekret und kein Gesetz und was glaubst Du ist schneller korrigiert, ein Dekret oder eine Verfassung?
Sag ich doch. Die Ukraine ist jetzt in einer schlechteren Position als 2022 :-/
Danke für deinen Hinweis, wusste ich noch nicht. Zu dem Thema: war das Zelensky-Dekret vor oder nach der Annektierung?
4) Zelensky ist "gefickt", weil die Russen nach der Aufnahme der Republiken in die Russische Förderation diese nicht mehr zurückgeben werden, im Kontrast zum Vorschlag der teilweisen Rückgabe + Minks 2 Umsetzung im März 22.
Soviel zur Verhandlungsbereitschaft Russlands... Und Minsk 2 wurde schon kurz nach Abschluss von Russland mit Waffengewalt gebrochen.
Ja, verstehe deine Sichtweise, aber A) war Russland gar nicht Vertragspartner, und b) selbst wenn es so wäre wie von dir dargestellt, warum wurde dann trotzdem 8 Jahre lang darum gerungen Minsk 2 umzusetzen? Warum war die Umsetzung Teil von Zelenskeys Wahlkampf2019? Ergibt doch keinen Sinn - wenn es schon 2014 "entwertet" wurde. Oder? Erkläre es mir :)
Hollande und Merkel haben doch zudem zweifelsfrei klargestellt welchen Geist Minsk 2 innehatte: Aufrüstung. Ein vergifteten Friedensabkommen, welches ausschließlich der Kriegsvorbereitung diente.
Ich widerspreche dir ja auch nur ungern, aber viel deutlicher kann so etwas doch nicht von Politikern kommuniziert werden.
Bedeutet: ein Jahr Krieg mit völliger Zerstörung, ohne dass sich bei den Gebietsverhandlungen irgend ein Vorteil dadurch ergibt. Im Gegenteil, der Krieg hätte nur Nachteile gebracht - Zelensky wäre damit innenpolitisch am Ende. Deswegen die Notwendigkeit für weitere Offensiven. Die knapp halbe Million Toten, Vermissten und Verletzten müssen irgendwie gerechtfertigt werden können, seien die Vorteile auch noch so gering. Dies erfordert mindestens einen Rollback auf die Februar 2022 Grenzen.
Russland hat sich mit diesem sinnlosen Überfall auf die Ukraine selbst in eine Sackgasse gebracht aus der es nun nicht mehr raus kommt.... Aber vielleicht kann China das ja klären und den Druck auf Russland so erhöhen, dass es dann doch zu sinnvollen Verhandlungen kommt.
Verfahren ist die Situation auf jeden Fall. Die Nato hätte ja Russland 2021 irgendwie entgegen kommen können. Ala: nuklearer Schutzschirm für alle Osteuropa-Länder, aber Truppen und Nato-Raketenabwehrsysteme in den 1990er Grenzen.
Ein ausgewogenes Verhältnis aus Sicherheit der Osteuropäer, und Sicherheit für die Russen. Die glauben halt immer noch an potentiellen Enthauptungsschlag und Invasion durch den Westen.
Klingt irre, aber niemand hat sich in den letzten 70 Jahren von Seiten der USA davon distanziert, und der Glaube dass die Russen Mal eben bis an den Atlantik vorstoßen, ist ja auch nicht weniger illusionär.