Ihr wisst schon genug. Ich auch. Nicht an Wissen mangelt es uns.
Was fehlt, ist der Mut, begreifen zu wollen, was wir wissen, und daraus die Konsequenzen zu ziehen.
Sven Lindqvist
Universal Soldier
He's five foot-two and he's six feet-four
He fights with missiles and with spears
He's all of thirty-one and he's only seventeen
He's been a soldier for a thousand yearsHe'a a Catholic, a Hindu, an Atheist, a Jain
A Buddhist and a Baptist and a Jew
And he knows he shouldn't kill
And he knows he always will
Kill you for me, my friend, and me for youAnd he's fighting for Canada
He's fighting for France
He's fighting for the USA
And he's fighting for the Russians
And he's fighting for Japan
And he thinks we'll put an end to war this way
And he's fighting for Democracy
He's fighting for the Reds
He says it's for the peace of all
He's the one who must decide
Who's to live and who's to die
And he never sees the writing on the wallBut without him
How would Hitler have condemned them at Labau?
Without him Caesar would have stood alone
He's the one who gives his body as a weapon of the war
And without him all this killing can't go onHe's the Universal Soldier and he really is to blame
His orders come from far away no more
They come from here and there and you and me
And brothers, can't you see?
This is not the way we put the end to war
Buffy Sainte-Marie
Die Aussage aus dem oben zitierten Lied „Universal Soldier“ aus Mitte der 1960ger Jahre war noch bis vor 20 Jahren weitgehend akzeptiert.
Heute bestreiten Medien und Politik dessen Inhalte. Oder nein, sie ignorieren diese nicht einmal, frei nach Jean Paul Marat:
Nur wenige Menschen haben gesunde Vorstellungen von den Dingen. Die meisten klammern sich blos an Wörter. ...
Von den Wörtern getäuscht, verabscheuen die Menschen die abscheulichsten, mit schönen Wörtern geschmückte Dinge nicht, und sie verabscheuen die löblichsten Dinge, die als hässlich verschrien sind.
Deshalb besteht der gewöhnliche Kunstgriff der Kabinette darin, die Völker in die Irre zu führen, indem sie Wörter pervertieren.
Das Streben nach Frieden hat in den Medien und bei der Mehrheit der Politiker einen ganz schlechten Ruf. Weil sind die Randbedingungen verändert haben, mithin auf eine neue Lage reagiert werden müsse? Weil wir nun wirklich von China und Russland bedroht werden?
Als Antwort sei auf das „Nachtgebet“ von Erich Fried am Ende dieses Beitrages verwiesen.
Aber, wenn doch alle Massenmedien, (fast) alle im Bundestag vertretenen Parteien diese „neue“ Ansicht vertreten, dann muss es doch wahr sein. Meines Erachtens ist gerade diese Tatsache, dass es überall in der Öffentlichkeit nur eine Meinung gibt, ein deutliches Indiz dafür, dass meine grundsätzliche politische Einstellung (Pazifismus, Streben nach politischer Teilhabe für alle, Streben nach einer gerechteren und freieren Welt) nach wie vor richtig ist und dass militärische Lösungen keine solchen sind. Sondern immer auf Lügen beruhen. Heute wie damals. Weil es „Wahrheit“ und erst Recht eine absolute „Wahrheit“ nicht gibt. Daraus folgt ungezwungen, dass die öffentliche Meinung eine gelenkte ist, falls es nur eine einzige gibt.
Ich fühle mich in meiner Meinung auch angesichts der kaum verhüllten Waffenbegeisterung bestärkt. Wie toll doch Taurus-Raketen, Leopard Panzer etc. sind. Ich darf daran erinnern, dass es sich dabei um Gegenstände handelt, die Menschen ermorden und verstümmeln sollen. Was daran toll ist, erschließt sich mir nicht.
Um es klar zu sagen, ich bin schon jetzt kriegsmüde, des Krieges müde. Hier sei Karl Kraus zitiert:
Kriegsmüde – das ist das dümmste von allen Worten, die die Zeit hat. Kriegsmüde sein, das heißt müde sein des Mordes, müde des Raubes, müde der Lüge, müde der Dummheit, müde des Hungers, müde der Krankheit, müde des Schmutzes, müde des Chaos. War man je zu all dem frisch und munter?... Kriegsmüde hat man immer zu sein, das heißt nicht nachdem, sondern ehe man den Krieg begonnen hat.
Was ist also zu tun?
Hierzu möchte ich auf David Graeber verweisen:
Es gibt Zeiten, da ist es das dümmste, was man tun kann, das Schwenken einer roten oder einer schwarzen Fahne und die Veröffentlichung aufmüpfiger Erklärungen. Manchmal ist es vernünftig einfach zu tun, als habe sich nichts geändert, … aber ansonsten [die Politik] zu ignorieren.
Mit anderen Worten: aufhören Politik und Medien zu glauben. Ein König ist nicht deshalb ein König, weil Gott ihn eingesetzt hat, sondern weil ein wesentlicher Teil der Bevölkerung glaubt, er sei der König. Glaubt diese es nicht mehr, gibt es auch keinen König mehr.
Oder mit noch anderen Worten: die Logik der Gewalt durchbrechen, indem man etwas ganz unerwartetes tut.
Hierzu möchte ich auf zwei Beispiele verweisen. Am 27. Oktober 1962 wurde ein sowjetisches U-Boot in internationalen Gewässern von der US Marine mit (Übungs-) Wasserbomben angegriffen. Die Besatzung musste davon ausgehen, dass angesichts des Angriffs der 3.Weltkrieg bereits ausgebrochen war. Hinzu kam, dass das U Boot nicht länger tauchen konnte, da der Sauerstoff im U Boot knapp wurde. An der Wasseroberfläche lauerte aber der US-Amerikanische „Feind“. Angesichts des (mutmaßlichen) Angriffs in internationalen Gewässern sah die Einsatzvorschrift der sowjetischen Marine vor, dass das U Boot zurückschießt. In diesem Fall mit atomar bestückten Torpedos. Wassili Alexandrowitsch Archipow als Kommandant des Flottenverbandes lehnte dies ab und konnte sich mit dieser pflichtwidrigen Entscheidung durchsetzen. Nebenbei: Herr Archipow wurde für diese Befehlsverweigerung in der Sowjetunion nicht behelligt.
Zweites Beispiel eines Durchbrechens der Logik von Macht und Gewalt ist die Entscheidung der sowjetischen Führung unter Michail Gorbatschow, den kalten Krieg zu beenden und den Westen seines Feindes zu berauben. Mit anderen Worten hat die Sowjetunion einfach aufgehört, rote Fahnen zu schwenken. Dieses Ausbrechen aus der Logik der Macht war ein echter Schock für die „westlichen“ „Eliten“ in den NATO Staaten.
Allerdings wurde dieses Verweigern der Logik der Gewalt den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nicht gedankt. Denn nachdem ein Land aufhört, militärisch gegen die NATO aufzubegehren, kommen die Todesschwadrone, buchstäblich, wie in Lateinamerika oder im übertragenen Sinne in Form von Private Equity Unternehmen, der Weltbank oder des Währungsfonds. Die Menschen der ehemaligen Sowjetunion mussten jedenfalls einen Niedergang erleben, der erheblich war. So sank die Lebenserwartung der Männer in Russland bis Ende der 1990ger Jahre um satte 7 Jahre. In Aserbaidschan wurde die Ölindustrie an BP verschleudert, die Arbeitslosenquote stieg auf 60%, die Löhne auch für qualifizierte Spezialisten sanken auf unter 1.000 US$ im Jahr. Usw. usw.
Und von Afrika oder Arabien bzw. Lateinamerika mag ich gar nicht zu reden.
Wie aber bereits eingangs erwähnt, ist es meines Erachtens grundsätzlich falsch, Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Egal von welcher Perspektive man dies betrachtet. Weltbeherrschungsfantasien, der meist männliche Wille zur Macht (der auch von Frauen, siehe Strack-Rheinmetall oder von der Leyen beherrscht wird) sind jedenfalls keine Lösung.
[
quote]Nachtgebet
Vorbild in uns oder Nachbild das uns noch etwas bedeutet
Hilf uns, dass wir nicht vorbeten oder nachbeten
die falschen Lehren der Elektronengehirne und ihrer Herren und Knechte
Wo das Unrecht größer wird als wir
Wo das Unrecht schneller wird als wir
Wo das Unrecht kräftiger wird als wir
Hilf uns nicht zu ermüden
Wo das Unrecht uns übertrifft an Kenntnissen und Mitteln
Wo das Unrecht uns übertrifft an Ausdauer und Erfolgen
Wo das Unrecht so groß wird, dass wir klein werden
Bei diesem Anblick hilf uns nicht zu verzagen
Wo das Unrecht eindringt in uns, in unsere Tage und Nächte
In unser Aufschrecken und unsere Träume
In unsere Hoffnungen und unsre Flüche
Hilf uns, uns nicht zu vergessen
Wo das Unrecht spricht mit den Stimmen des Rechts und der Macht
Wo das Unrecht spricht mit den Stimmen des Wohlwollens und der Vernunft
Wo das Unrecht spricht mit den Stimmen der Mäßigung und Erfahrung
Hilf uns, nicht bitter zu werden
Und wenn wir doch verzagen
hilf uns erkennen, dass wir verzagen
Und wenn wir doch bitter werden
hilf uns erkennen, dass wir bitter werden
Und wenn wir uns krümmen vor Angst
hilf uns wissen, dass es die Angst ist
das Verzagen, die Bitterkeit und die Angst
Damit wir nicht verfallen dem Irrtum
wir hätten eine neue Erleuchtung erfahren
Und den großen Ausweg gefunden oder den Weg nach innen
Und nur der hätte uns so verwandelt
[/quote]
Erich Fried