MartinMa64 schrieb am 29.04.2024 11:09:
Erstaunlicherweise wird uns nicht verraten, wie groß die Verluste der russischen Armee bei der Eroberung von 94 km2 waren.
Doch, das ist weitgehend bekannt.
Interessiert nur niemanden so recht, es ist ja immer die gleiche Taktik: Einsatz aller Kräfte ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Und ob die Russen dabei nun 10.000 oder 50.000 Soldaten verlieren, ist nun mal nicht kriegsentscheidend.
Nur noch erschreckend, wie die Kriegsberichterstattung die Schattenseiten des Krieges ausblendet. Kriegspropaganda wohin mensch schaut. Eine Niederlage des "freien Westens" der sich selbst wieder "barbarisiert". Zwei Weltkriege waren nicht genug?
Na, da hat sich schon einiges geändert.
Der erste galt als unvermeidlich.
Danach wollte man nie wieder Krieg, und das hat immerhin 21 Jahre lang vorgehalten.
Der kleine Hysteriker mit dem Schnauzbart wollte dann doch wieder Krieg, und da sein Land unter Kriegsreparationen systematisch erdrückt wurde, hatte er auch genug Zulauf, um einen zweiten barbarischen Krieg anzuzetteln.
Die Friedensperiode danach hat immerhin 75 Jahre vorgehalten. Zumindest in Westeuropa.
Dann war halt der Geheimdienstbürokrat nicht mehr mit Frieden einverstanden.
Es reicht ein kriegslüsterner Diktator, und dann war's das mit dem Frieden.
Da gibt es auch nichts zu lernen. Die Gesellschaften müssten die Diktatoren wiederstehen lernen, aber so, wie der Supreme Court gerade versucht, eine Verurteilung Trumps zu umgehen, habe ich da wenig Hoffnung. Und wer weiß, wie viel Krieg dieser Mann anzetteln wird, wenn er mal fest im Sattel sitzt und sich zum Präsidenten auf Lebenszeit hat machen lassen - die entsprechenden Gesetze und Verfassungszusätze wird er einfach umschreiben (lassen) oder aushebeln.
Übrigens: Warum sollte Russland den Einsatz von NATO-Truppen in der Ukraine dazu "nutzen", den katastrophalen Krieg auszuweiten? Vergeltungsschläge auf NATO-Territorium würden doch die Unterstützung der Ukraine durch die NATO nur massiv beschleunigen. Und einen direkten Krieg gegen die NATO kann sich Russland, auch wenn es Anfangserfolge erzielen könnte, nie und nimmer durchstehen.
Daher ist es unglaublich dumm von der russischen Regierung, nicht mehr Gehirnschmalz auf einen Ausweg am Verhandlungsweg zu verwenden.
Putin verhandelt nicht. Putin diktiert.
Vielleicht liegt es an seiner Persönlichkeit, vielleicht liegt es daran, dass er einen Machtverlust befürchtet, wenn er irgendwem entgegenkommen muss.
Außerdem kann sich Putin immer noch Hoffnungen machen, den Krieg doch noch zu gewinnen, bevor Russland die Puste ausgeht. Es braucht dafür nur ein paar Monate, in denen die Waffenhilfe aus dem Westen stockt.
Genau so eine Phase hatten wir gerade, und sie ist noch nicht ganz vorbei, weil der Nachschub noch überall an der Front ankommen muss. Wenn Putin Glück hat, gewinnt er sogar in den nächsten vier Wochen, wenn er Pech hat, sind seine Vorstöße morgen vorbei.
WK1 ist tatsächlich im Stellungskrieg entschieden worden. Da hat sich jahrelang praktisch nichts getan außer dass Mensch und Material in Massen vernichtet wurden, aber am Ende war eine Partei stärker abgenutzt als die andere und hat ihre Front nicht mehr halten können.
Da sind ALLE Kriegsparteien gleichermaßen idiotisch. Eine genaue "Schuldaufteilung" macht da gar keinen Sinn mehr, weil sie keine Lösung bringen würde. Zum Frieden bedarf es ALLER Kriegsparteien.
Eben.
Russland will nicht aufgeben, weil es darauf hofft, dass es die Ukraine zu einem günstigen Zeitpunkt doch noch erwischen kann.
Die Ukraine will nicht aufgeben, weil sie darauf hofft, dass der Waffennachschub immer ausreichen wird, um die russischen Kräfte immer weiter aufzureiben, bis die russische Front mangels Nachschub zusammenbricht.
Der Westen will nicht aufgeben, weil er erwartet, dass Russland spätestens 10 Jahre nach einem Friedensschluss wieder Krieg anzetteln wird, oder mindestens Umstürze.
Wichtig an der Situation ist nicht das Gelände, sondern die Abnutzung.
Und wer die über welchen Zeitraum wie lange wieder ausgleichen kann.