Hermes335 schrieb am 09.04.2022 10:09:
Du vergisst hier, dass die sogenannte "Demokratie" nach US-Vorbild keinerlei Unterschied darstellt zur Dauerpräsidentschaft eines Putin in Russland. Die Figuren, die im Oval Office oder im Reichstag hocken, sind beliebig austauschbar, die Macht und die Entscheidungen werden im Hintergrund von ganz anderen, weitaus mächtigeren getroffen.
Ja und? Geld hat Macht, das ist auf der ganzen Welt so. Die Wallstreet schränkt den Handlungsspielraum der Politik ein. Bei uns in Deutschland ist es nicht wesentlich anders, dort ist die Einflussnahme häufiger verdeckt. Wobei die Lobbyisten sich einerseits ganz offen zeigen, andererseits ihre Vereinbarungen in den Schubladen der Hinterzimmer verschwinden lassen.
Und in Russland ist es nicht anders. Putin war nie ein Freund der Oligarchen. Er hält sich nur manche aus Machtgründen in seiner Nähe. Die Entscheidung des Westens, Besitztümer von Oligarchen zu beschlagnahmen hat Putin höchstwahrscheinlich ein Grinsen ins Gesicht gezaubert.
Der Sinn und Zweck von Demokratie ist, die Macht zu verteilen. Und das ist sogar in schlecht funktionierenden Demokratien meistens zu einem Teil gegeben.
Es ist die Aufgabe der Teilnehmenden einer Demokratie - also auch der Bürger, dafür zu sorgen, dass Machtansammlungen aufgelöst werden, bzw. nicht demokratisch legitimierte Macht beschränkt wird. Wenn es bei uns jedem ziemlich wurscht ist, dass Lobbyisten nicht nur im Parlament ein- und ausgehen, sondern in Hinterzimmern die eigenen Gesetzesvorlagen schreiben, dann brauchen wir uns um diesen Missstand nicht zu wundern.
Da ist mir ein 20 Jahre im Amt befindlicher Putin schon deutlich lieber, der in den ersten 5 Jahren seiner Amtszeit für eine gute wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit mit dem "Westen" geworben hat.
Ja, das hat er in der Tat. Und ich halte dieses damalige Angebot Putins für ehrlich gemeint. Und ich halte es für einen Fehler der Westeuropäer, dieses Angebot ausgeschlagen zu haben und Russland nicht auf Augenhöhe zu begegnen.
Nur war dieser Putin nach 5 Jahren an der Macht, nicht derselbe Putin wie heute, nach 20 Jahren an der Macht.
Putins Angriff auf die Ukraine war ein Fehler, der auf Putins Fehleinschätzung der Lage beruhte, Diese Fehleinschätzung liegt in seinem Cäsarenwahn begründet. Er hat damit Russland in eine Lage manövriert, die diesem Land viele weitere Jahrzehnte in politischer Abgeschiedenheit bereiten wird.
Dass nach Putins Handeln die Sektkorken in den USA, den Öl- und Gaslieferanten und bei der europäischen Rüstungsindustrie knallten, das steht auf einem anderen Blatt.
Passte der auf Krieg ausgerichteten US-Wirtschaft (MIK) halt nicht, daher wurde daraus nichts.
Außerdem ist es seit über 100 Jahren das primäre außenpolitische Ziel der USA gewesen, eine gute Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland zu verhindern.
Gerade wir in Deutschland, besonders die Wirtschaft aber auch die Bevölkerung, sind nach dem WK2 damit doch gut gefahren. Man muss dazu auch sagen, dass die europäischen Nachbarn und die USA die ersten Jahrzehnte nach dem WK2 Deutschland gar nicht bewaffnet und mit militärischer Macht sehen wollten. Das hat sich erst langsam gewandelt, bis die letzten Zeitzeugen deutscher Grausamkeiten verstorben sind.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.04.2022 10:52).