"Das war großes Kino damals, vor acht Jahren, im Saal des Bayerischen Hofs in München, als der deutsche Außenminister, theatralisch leicht vor Erregung bebend, dem amerikanischen Verteidigungsminister auf Englisch zurief: „Excuse me, I am not convinced.“ Es war natürlich kein Kino, die Szene mit Fischer und Rumsfeld war nicht gestellt, sie war real: Ein Publikum, dem der Atem stockte, erlebte auf dramatische Weise das Schisma des Westens, gewissermaßen personalisiert. Die Regierung Bush suchte den Krieg gegen den Irak, die rot-grüne Bundesregierung hielt ein solches Vorgehen für einen großen strategischen Fehler."
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik/erinnerungen-i-am-not-convinced-1597389.html
Das war das letztemal, das die deutsche Regierung nicht den Anweisungen aus Washington D.C. bedingungslos gefolgt ist. Ok, dieselbe Regierung ist bis 2003 vorher sehr wohl allen Anweisungen aus Wahington D.C. gefolgt, aber immerhin hatte das mal einen Hauch von Souveränität, für kurze Zeit.
Die Bundesregierung hatte sehr gute Kenntnisse, wie die Fehlinformationen über die angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak entstanden sind, war es doch der BND, der den Hauptzeugen dafür, Agent Curveball, den US-Geheimdiensten überreichte. Wie sich auch öffentlich später herausstellte, alles erstunken und erlogen. Auch darauf, wies der BND, wahrscheinlich im Auftrag der Bundesregierung die US-Behörden hin. War aber egal, der Krieg war politisch entschieden, die Wahrhaftigkeit der Hauptbegründung für diesen Krieg, spielten überhaupt keine Rolle.
An diesen historisch belegten Fakten gemessen, halte ich es für eine äußerst absurde These, Herr Putin, der russische Staatsrat und die Duma, haben sich aufgrund einer Info-Posse für die Besetzung der Ukraine entschieden. Das Russland das nicht schon 2014 gemacht hat, ist höchst wahrscheinlich nur der Hoffnung geschuldet gewesen, das man mit der EU und Deutschland im Wege von Verhandlungen, einen gangbaren Kompromiss finden könnte - immerhin vermutete man, auch wegen "I am not convinced" bis dahin der EU und Deutschland einen gewissen Selbsterhaltungstrieb und politische Eigenständigkeit zu. Das war Russlands und Putins Fehler. Sie hätten bereits 2014 den Sack zumachen sollen, und das hätte 14.000 Ost-Ukrainern das Leben gerettet, viel Leid erspart, und der gesamten Ukraine wohl auch. Wir erinnern uns, nach dem Maidan-Putsch 2014 gegen urkrainische Oligarchen, gab es die Nazi-Regimenter und noch mehr Oligarchen, man importierte sogar Saakaschwili aus Georgien, um ihn zum Anti-Korruptionsbeauftragten zu machen ... mehr Hohn und Spot für die ukrainische Bevölkerung, die von ihrer Hände Arbeit leben muss, konnte doch kaum mehr sein.
Aber stimmt, Desinformation ist ein Problem in dieser Angelegneheit, aber sicher nicht bei Putin!