Zitronenbäume schrieb am 11.03.2022 18:05:
Erst als ich erzählt hab dass ich 1990 in Budapest war und dort in den Supermarkt Regalen Milchpulver und Babynahrung aus Hilfslieferungen gesehen habe war das wohl plausibler. Das Rote Kreuz hat dann ein paar Tage später vor privaten Initiativen gewarnt. Und in einem FB Post erklärt dass das meiste nicht bei den Bedürftigen ankommt. Aber die Leute wollen halt gern Ablasshandel betreiben. Anders kann ich mir das nicht erklären und es wird ja überall gerade zu noch dazu aufgefordert. Wenn man dann übrigens die Leute fragt ob sie wissen was sich die letzten 20 Jahre in der Ukraine abgespielt hat, kommt blankes Unwissen. Alles eine ganz hässliche Geschichte.
Yep, diese Gedanken hatte & habe ich auch jedesmal, wenn ich diese Spendenaufrufe lese... die haben nicht den Hauch einer Ahnung, was da abgeht... und das in jeder Beziehung.
Das dortige Ausmaß der Korruption ist für einen gelernten Bundesbürger allerdings auch schwer vorstellbar. Ich will dies für die mitlesende Galerie einmal anhand einiger Beispiele erläutern. Meine Frau ist Moskauerin, wir haben uns über berufliche Kontakte in den späten 90ern kennengelernt, und damals war in Moskau wirklich jeder Amtsträger korrupt:
- Wenn sie ausser Haus ging, hatte sie immer Pass & Kleingeld mit. Es war damals gängige Praxis, dass ein Polizist einen anhielt und solange eine "Personenkontrolle" machte, bis man ihm ein paar Rubel in die Hand drückte. Ohne Pass wurde es teurer.
- Bevor sie nach Deutschland zog, hat sie in Moskau den Führerschein gemacht, weil das deutlich billiger war als hier in DE. Theorie war kein Problem, aber bei der Fahrprüfung fiel sie erst einmal durch. Der Fahrprüfer rief sie tags drauf an und schlug ihr vor, die nächste Fahrprüfung etwas "abzukürzen", das würde nur 1x 100$ kosten.
Dem stimmte sie zu, gab dem Mann seine 100$ und trat dann eine Woche später erneut zur Prüfung an. Sie lies sich per Unterschrift die Anwesenheit bestätigen und entfernte sich dann im Krebsgang vom Ort des Geschehens. Der Führerschein kam dann ein paar Tage später per Post. Damit habe ich ihr später hier in DE legal richtiges Fahren beigebracht, bis sie den Führerschein hier umschreiben konnte.
Drittes & letztes Beispiel, und bei dem war ich anwesend:
Ihr Reisepass lief bald ab, also sind wir am ersten Werktag nach unserer Ankunft in Moskau zur Behörde gegangen, um einen neuen RP zu beantragen. Dann entspann sich dieser Dialog:
Frau: Ich lebe in Deutschland und brauche einen neuen RP. Wie lange dauert das?
Beamter: Wie lange dauert ihr Urlaub hier Moskau?
Frau: Drei Wochen
Beamter: Dann dauert es 4 Wochen
Frau: Wieviel kostet es?
Beamter: 150$
Der Neue Pass war dann 4 Tage später fertig...
Heute hat sich dies dank besserer Gehälter und der Digitalisierung zum Positiven geändert, aber wenn an die miserablen Verhältnisse in der Ukraine denkt, dürfte es da heute eher noch schlimmer zugehen.