kodu schrieb am 26.11.2023 21:16:
Dieses und ähnliche Bonmots deutscher Politiker - in diesem Fall aber sogar der "Chefdiplomatin" - erweisen sich nun als strategische Belastung ersten Ranges.
Nö, warum?
Die Russen haben das Sanktionsspiel ja angefangen, mit der Verweigerung von Gaslieferungen.
Nicht, weil die Russen uns das nachtragen würden, die sind das inzwischen ja gewöhnt.
Bzw. weil sie's selber machen.
Sie wollten Deutschland ja durch Spielen am Gashahn gefügig machen.
Sondern, weil es die Beharrungskräfte der Verantwortlichen verstärken dürfte, vabanque zu spielen, um sich nicht selbst bloßzustellen.
Nö, Bloßstellung wäre kein Ding, DER Drops ist gelutscht.
Die Verantwortlichen sind ja alle, alle, alle dadurch schon jetzt bloßgestellt, dass Russland die Gaslieferungen als Hebel einzusetzen versucht hat, vorher galt Russland ja quer durch alle Parteien, die jemals in der Regierung waren, als verlässlicher Lieferant, egal was sonst so läuft, und darauf ist die gesamte Energiestrategie Deutschlands aufgebaut gewesen.
Nur hat diese Bloßstellung nicht mal sinkende Umfragewerte zur Folge gehabt. Warum sollten sie sich wegen anderen Bloßstellungen Sorgen machen?
D.h. der antirussische Kurs wird weiter gefahren - bis alles in Scherben fällt (?).
Tut es gar nicht. Selbst verdoppelte Anstrengungen würden die westlichen Staaten immer noch aus der Portokasse zahlen - das sind nicht mal 2% des BIP. Die Bankenrettungen waren viel, viel teurer.
Unsere verantwortlichen Politiker haben der ukrainischen Regierung weitreichende Zusicherungen gegeben. Höchst öffentlichkeitswirksam.
Richtig.
Sie werden dahinter nicht mehr zurückgehen können, ohne sich vollends zu desavouieren. Und da liegt m.E. die Gefahr.
Nö. Man wird verkünden, dass man nicht mehr an einen Sieg der Ukraine glaubt, und die Ukraine den Russen zum Fraß vorwerfen, Ende der Geschichte, alle atmen auf, weil der Krieg vorbei ist.
(Das dicke Ende kommt danach, wenn die Russen ihre dann freiwerdenden Ressourcen für die Destabilisierung ihrer nächsten Ziele auf der Liste richten. Separatisten in Moldawien, korrumpierte Politiker in Polen und Rumänien, "Volks"aufstände mit Hilfe kleiner grüner Männchen im Baltikum (wo sie sogar ethnische Russen haben, nicht bloß russischsprachige Ukrainer wie im Donbass), und dann werden alle jammern, was sollen wir nur gegen die Russen tun.
Aber zuerst würden sie eine demilitarisierte Restukraine verlangen, und fünf Jahre später nochmal einmarschieren, diesmal aber hätten die Ukrainer keine Waffen, weil demilitarisiert, und Putin hätte seinen fünf-Tage-Sieg dann doch noch.
Zur Erinnerung: die USA und wir sind die größten Unterstützer der Kiewer Regierung in diesem Krieg.
Richtig.
In den Staaten herrschte von Anfang an öffentliche Skepsis über Sinn, Zweck, Kosten und Dauer eines größeren Engagement in der Ukraine und das Land wählt im kommenden Herbst.
Falsch. Die Skepsis gab es am Anfang, als man gemeint hat, die Ukraine wird sofort überrannt, die Geschichte mit der Krim wiederholt sich jetzt.
Als die Ukraine die Russen nicht nur aufhalten, sondern sogar zurückdrängen konnte, und das noch bevor ernsthaft Unterstützung aus dem Westen kam, ist diese Skepsis verschwunden - außer natürlich bei den Leuten, die die professionelle Aufgabe haben, diese Skepsis weiter am Leben zu halten.
Momentan ist die Skepsis wegen ausbleibender sichtbarer Erfolge wieder da, aber das ist bisher nur eine gewisse Verunsicherung, ob das noch was wird.
Ein Ende der Unterstützung ist eigentlich nicht gewollt.
WIR stehen vor einer massiven Haushaltskrise, die schwerwiegende Einschnitte in staatliche Leistungen begründen könnte.
Nö, eigentlich nicht.
Lediglich der Weg, auf dem das finanziert werden sollte, wurde gekippt. Aber es ist nicht mehr oder weniger Geld im Topf deswegen.
NUR die Unterstützung für Kiew wird - ausweislich entsprechender Aussagen von Scholz, Lindner ... und den GRÜNEN sowieso - vollumfänglich aufrechterhalten.
Ja sicher. Das ist der eine Posten, wo man nicht so mal eben für drei Monate aussetzen kann, um sich zu überlegen, wie man das jetzt verfassungskonform mit Geld ausstattet.
Beim EE-Umbau sind drei Monate ärgerlich, aber das ist eine langsame Krise, die so eine Verzögerung verträgt.
Das wird kompliziert, denn auch HIER wird im kommenden Jahr gewählt. U.a. in Bundesländern, in denen die Russophobie aus historischen Gründen deutlich weniger ausgeprägt zu sein scheint, als im Westen Deutschlands.
Ach, die Russophobie wird doch nur von der russischen Propaganda herbeifantasiert.
Es gibt eine Putin-Phobie sowie eine russischer-Imperialismus-Phobie, beide mit wirklich guten Gründen.
M.E. sollte man sich die Lage in Berlin mal klarmachen, eine Kabinettsumbildung ins Auge fassen und (u.a. mit einem neuen AA-Chef) endlich auf eine Verhandlungslösung drängen.
Das hieße wirklich, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.
Nö. Der Schaden würde nicht kleiner, sondern eher sogar größer, weil die NATO dann wegen Wirkungslosigkeit unwichtig würde und die EU kleiner würde, was gerade für die fleißig in die EU exportierende deutsche Wirtschaft ein wirklich übler Schaden wäre.
Und was soll denn eine Verhandlungslösung sein?
Die Russen haben mehrfach betont, sie würden mit Verhandlungen erst beginnen, wenn Donbass und Krim international als russisches Staatsgebiet anerkannt würden, die Ukraine entmilitarisiert und "entnazifiziert" sei, und selbstverständlich darf es auch keine Sicherheitsgarantien der NATO geben. Mit anderen Worten, sie wollen keine Verhandlungen, solange sie nicht alles kriegen, was sie sich wünschen, und sie wünschen sich eine wehrlose Ukraine, die sie jederzeit militärisch überrollen können.
Es gibt einfach keine Verhandlungsgrundlage.
Außer, dass wir die Ukraine wissentlich und willentlich den Russen überlassen. DAS können wir natürlich jederzeit haben.
Ungefähr genauso leicht, wie die Russen Frieden haben können, indem sie einfach aus der Ukraine abziehen.