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  • Der Psychater

417 Beiträge seit 05.04.2020

Wenn es Moskau denn wirklich um die Sicherheit ginge...

Es ist problematisch Putins Blut-und-Boden-Ideologie, hängengeblieben in einer verschrobenen historischen Zarenzeitinterpretation, auszublenden und auf einer rein rationalen Clausewitz-Position zu verharren. Putin sagte, es ginge ihm um die Vereinigung der völkisch gleichen Staaten Ukraine, Belarus und Russland. Diese Ideologie steht konträr zur Annahme, es ginge Moskau um Sicherheit. Denn ein solcher völkische Staatswille ist imperialistisch. Und es wäre nicht der erste Fall in der Geschichte, in der Imperialismus höher bewertet wurde als die Sicherheit.

Mir kommt das Narrativ eh spanisch vor, dass Moskau dächte, die Invasionsziele wären binnen einer Woche erreicht und sie hatten nie einen Plan B gehabt. Nicht sehr Clausewitz und militärerfahren, scheint mir. Jetzt wird erklärt, dass dieser erhebliche Realitätsverlust aus einer Diktatorenfalle sich ergäbe, weil der Despot mit seinem kleinen Kreis Vertrauter von der Realität isoliert Entscheidungen treffen, die einer gewissen hierarchischen Gruppendynamik geschuldet sind. Auch dieses Narrativ folgt der Prämisse, dass die von Moskau geäußerten Interessen in Bezug auf NATO und Donbass wahr wären oder höchste Priorität hätten. Ich denke aber, es kann nur eins von den zwei Interessen wahr sein: entweder umfasst das russische Reich Belarus und die Ukraine (samt panslawistischen Anspruch auf Dominanz aller Osteuropäer), oder es geht Moskau darum, mit dem Westen zu einem Interessenausgleich zu kommen, der die Anerkennung der Krim als Teil Russlands, der belarussischen und ukrainischen Regierung beinhaltet. Letzteres wäre notwendig, um zu stabilen und friedlichen Zeiten zurückzukehren, also die russischen Interessen hinsichtlich Sicherheit zu verwirklichen, von denen so viele meinen, sie seien die oberste russische Staatsräson. Und wenn sie das nicht ist, sondern der Panslawismus?

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  • Avatar von Braga_Apollon
    • Braga_Apollon

    242 Beiträge seit 18.03.2022

    Natürlich ist die "Sicherheit" Rußlands nur vorgeschoben...

    Antwort auf Wenn es Moskau denn wirklich um die Sicherheit ginge... von Der Psychater.

    Der Psychater schrieb am 21.03.2022 13:52:

    Es ist problematisch Putins Blut-und-Boden-Ideologie, hängengeblieben in einer verschrobenen historischen Zarenzeitinterpretation, auszublenden

    Genau darum geht es - er will das alte Zarenreich wiederhaben und sieht sich, wie man an seinem geschmacklosen, zusammengeräuberten Palast deutlich sehen kann, als der kommende Zar.

    Selbst einem Spatzenhirn wie Liliputin muß klar sein, daß er, sollte er die Ukraine irgendwie besetzen können, er sich 800 km zusätzliche Grenze mit vier Nato-Ländern teilt und sein Vernichtungskrieg Finnland (über 1000 km Grenze zu Rußland) und Schweden in die Nato treiben wird. Zudem wird die Nato alles, was geht, an ihre Ostgrenzen verlegen. Er erreicht genau das Gegenteil von dem, was er vorgibt - und nur die blöden Putin-Versteher nahmen ihm das ab.

    Der Irre träumt vom Zarenreich - wenn die Bundeswehr nicht so erbärmlich aufgestellt wäre schlüge ich vor, wir holten endlich wieder Königsberg (für die Putin-Trolle hier: Kaliningrad) heim ins Reich. Das war schließlich auch mal deutsch! Österreich holt sich Südtirol wieder und Ungarn und Jugoslawien, Spanien wieder Benelux - und alle Europäer die Kolonien! Indien und Pakistan wieder britisch, die USA und Kanada britisch bzw. französisch - und es wird natürlich wieder Deutsch-Südwestafrika!

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (21.03.2022 14:04).

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    • unbekannter Benutzer

    356 Beiträge seit 02.03.2022

    Antwort auf Wenn es Moskau denn wirklich um die Sicherheit ginge... von Der Psychater.

    Generell sollte man sich die strategischen Überlegungen des Kremls nicht von Spiegel & Co. erklären lassen. Denn macht man dies, fühlt man sich vielleicht den Guten zugehörig, die Logik und das Gefühl für Realpolitik muss man hingegen beerdigen.

    Ob Putin oder der Kreml einen Masterplan hat oder unüberlegt agiert, wage ich nicht zu beurteilen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Putin sich nicht innerhalb von Wochen vom kühlem Strategen zum wildgewordenen Zaren entwickelt hat.

    Denn ein unüberlegter Angriff eines Irren sieht anders aus. Ich denke jedem sollte das klar sein. Dann wäre nicht mehr viel übrig von der Ukraine.

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  • Avatar von Braga_Apollon
    • Braga_Apollon

    242 Beiträge seit 18.03.2022

    Er hat doch erst angefangen!

    Antwort auf Re: Wenn es Moskau denn wirklich um die Sicherheit ginge... von .

    KalderKriesch schrieb am 21.03.2022 15:47:

    Denn ein unüberlegter Angriff eines Irren sieht anders aus. Ich denke jedem sollte das klar sein. Dann wäre nicht mehr viel übrig von der Ukraine.

    Sollte er nicht bald gestoppt werden, wird das schon kommen. Der Drecksack kennt nur die Politik der verbrannten Erde.

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  • Avatar von 9.Account
    • 9.Account, Ernst Mosch

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.09.2006

    Königsberg ....

    Antwort auf Natürlich ist die "Sicherheit" Rußlands nur vorgeschoben... von Braga_Apollon.

    Jelzin wollte dies wirklich zurückgeben, Kohl hat abgelehnt.

    Aber btw.

    Lt. Erbrecht gehören mir auch noch ein paar Hektar Land im ehemaligen Ostpreußen, will ich wieder haben, schließlich hat mein Ur-Opa das Land 1945 nicht freiwillig verlassen.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (21.03.2022 17:51).

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