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  • Capri

mehr als 1000 Beiträge seit 18.12.2002

Wieder etwas für den kleinen Mann

Es wird von 'Überkonsum' geredet, bei denen die sich einen Restaurant Besuch nicht mehr leisten können und deshalb die ganze Zeit vor der Klotze sitzen und sich von billig Kram ernähren, doch bei den Oberen 10.000 gibt es keinen 'Überkonsum, wenn die Yacht zu klein wurde oder ein Hubschrauber kaufen besser ist als einen Flugdienst zu bemühen.

Leute die über 20 Autos haben (Merke: gleichzeitig kann man nur mit Einem fahren) sind Umweltschützer weil ja 19 davon nicht bewegt werden, dagegen der kleine Pendler der jedem Tag mit seinem Auto die Umwelt belastet und nicht genug verdient oder eine zu große Strecke hat um mit einem "Geht gelegentlich nicht" Wagen zu liebäugeln.

Noch unter Merkel galt ja konsumieren als Bürgerpflicht ("Ich kaufe für Deutschland") .

Was wäre wohl wenn der Durchschnittslohn höher würde, würden dann nicht mehr nachhaltigere Produkte gekauft oder denkt ihr noch mehr wegwerf Müll?

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    • fpdcb

    mehr als 1000 Beiträge seit 22.10.2017

    Antwort auf Wieder etwas für den kleinen Mann von Capri.

    Wer vom Konsum redet zäumt das Pferd am Schwanz auf und das Gequatsche von Eigenverantwortung und freier Wahl ist eben das - Gequatsche.

    Der/die Besitzer der Produktionsmittel bzw. deren board of director/Aufsichtsrat bestimmen was, wann, womit und wo produziert wird.
    Schon der dort Beschäftigte hat genau Null Einfluß auf diese Beschlüsse, völlig egeal wie verantwortlich er sich fühlt.

    Wie sinnvoll 300 Sorten Bier sind oder wieviel Variationen eines VW Golf gebaut werden um von A nach B zukommen, ist aber eben auch immer eine gesellschaftliche Frage.

    Der Konsument hat keine Wahl, er richtet sich nach seinem Portemonnaie, seiner Bildung, seinem - von der Reklame - beeinflußten Bedürfnis.

    Die Milch kommt alle von den selben Kühen, egal was auf der Milch-oder Butterverpackung steht und in der Fabrik läuft der automatisierte Prozess und wird am Ende lediglich die andere Verpackung unter die Abfüllautomatik geschoben.

    Solange wir als Gesellschaft ausgeschlossen bleiben von den Entscheidungen was, wo, wie, womit und wann produziert wird, sind wir dem System ausgeliefert und lediglich unsere pekuniäre Situation lässt mehr oder weniger Konsum zu.

    Die Antwort darauf wären Kooperationen in denen die Mitarbeiter die Besitzer sind, die gemeinsam die Entscheidungen treffen und die für sich und ihre Familien, Ihre Kommunen und Umwelt denken und handeln.

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    mehr als 1000 Beiträge seit 03.01.2014

    Antwort auf Re: Wieder etwas für den kleinen Mann von fpdcb.

    fpdcb schrieb am 14.08.2022 07:16:

    Solange wir als Gesellschaft ausgeschlossen bleiben von den Entscheidungen was, wo, wie, womit und wann produziert wird, sind wir dem System ausgeliefert und lediglich unsere pekuniäre Situation lässt mehr oder weniger Konsum zu.

    Und meinst du denn, die "Gesellschaft" wäre in der Lage, "vernünftigere" Entscheidungen zu treffen? Zweitens, gab es schon jemals in der Menschheitsgeschichte eine Gesellschaft, welche sinnvolle Entscheidungen getroffen hat?

    Die Antwort darauf wären Kooperationen in denen die Mitarbeiter die Besitzer sind, die gemeinsam die Entscheidungen treffen und die für sich und ihre Familien, Ihre Kommunen und Umwelt denken und handeln.

    Was schwebt dir da vor, eine Art "volkseigener Betrieb"? Wie willst du sicherstellen, dass die Führungskräfte/Räte nicht ebenfalls anfangen, sich unethisch zu bereichern? Ist das, was dir vorschwebt, überhaupt mit Menschen umsetzbar?

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    • fpdcb

    mehr als 1000 Beiträge seit 22.10.2017

    Antwort auf Re: Wieder etwas für den kleinen Mann von KillingTime.

    Eben kein 'volkseigener Betrieb', sondern eine Kooperation mit gleichen Besitzanteilen für die Mitarbeiter - ist nix Neues, gibts schon seit Jahren, z.B. Mondragon in Spanien mit ca. 300 tausend Mitarbeitern.
    Dort bestimmen die Mitarbeiter demokratisch selbst über Produktion & Verwaltung des Unternehmens.
    https://www.theguardian.com/social-enterprise-network/2012/mar/12/cooperatives-spain-mondragon

    Es gibt in dieser Produktions-& Lebensgestaltung der Beteiligten keine Möglichkeiten zur unethischen Selbstbereicherung, denn die demokratische Beschlußfassung sorgt ja auch für Rechenschaft & Kontrolle.
    Natürlich gibt's auch dort besser und weniger gut bezahlte Stellen, dennoch sind die Unterschiede demokratisch beschlossen und können sich - durch bestimmte Regeln in den Statuten ändern.
    Da alle Mitarbeiter aber zu gleichen Teilen am Unternehmen beteiligt sind, kann es nicht vorkommen das es prekäre Verhältnisse gibt.
    Übrigens gibt es solche Coops auch in den USA in zunehmendem Maße - hier kann man sich bei 'democracy@work' darüber informieren.

    Natürlich lassen sich solche Dinge mit Menschen erfolgreich verwirklichen - die Mähr vom gierigen Individuum ist kapitalistischer Unsinn - oder haben Sie eine Veranlassung es anderen nicht zu gönnen das es ihnen gut geht, wenn es Ihnen auch gut geht?

    Konkurrenzdenken und Verhalten findet immer nur dann statt, wenn eine latente Bedrohung der eigenen Position/Verhältnisse erfahren wird.
    Bei ausgegeglichenen ( nicht gleichen) Verhältnissen, ist das Streben nach Kooperation immer stärker vorhanden als die unbedingte Suche nach dem eigenen Vorteil.

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    Antwort auf Re: Wieder etwas für den kleinen Mann von fpdcb.

    fpdcb schrieb am 15.08.2022 09:16:

    Eben kein 'volkseigener Betrieb', sondern eine Kooperation mit gleichen Besitzanteilen für die Mitarbeiter - ist nix Neues, gibts schon seit Jahren, z.B. Mondragon in Spanien mit ca. 300 tausend Mitarbeitern.
    Dort bestimmen die Mitarbeiter demokratisch selbst über Produktion & Verwaltung des Unternehmens.

    Aha, interessant, das kannte ich noch nicht. Ist ja nichts dran auszusetzen, wobei sich aber die Frage stellt, Produktion ist schön und gut, nur wenn die Produkte nicht vertrieben werden können (etwa weil zu teuer oder weil die Vertriebsketten nicht mitspielen), dann wird der Verkauf schwierig. Heutzutage kann man produzierende Unternehmen ganz leicht plattmachen, indem man sie verkaufstechnisch isoliert. Das kennen wir z.B. aus dem Einzelhandel, wo politisch nicht genehme Hersteller (etwa von Hirse) "ausgelistet" werden.

    Natürlich lassen sich solche Dinge mit Menschen erfolgreich verwirklichen - die Mähr vom gierigen Individuum ist kapitalistischer Unsinn

    Es geht hier nicht um "gierige Individuen" (diese hattest du ausgeschlossen aufgrund der Unternehmensstruktur), sondern darum, dass einem das Hemd näher ist als die Hose. Und wenn es Frau und Kindern schlecht geht, dann ist das bedeutsamer als wenn ein Arbeitskollege Probleme hat.

    oder haben Sie eine Veranlassung es anderen nicht zu gönnen das es ihnen gut geht, wenn es Ihnen auch gut geht?

    Wie meinst du das? Mache ich den Eindruck?

    Konkurrenzdenken und Verhalten findet immer nur dann statt, wenn eine latente Bedrohung der eigenen Position/Verhältnisse erfahren wird.

    Das hat aber einen biologi(sti)schen Hintergrund, s.o.

    Bei ausgegeglichenen ( nicht gleichen) Verhältnissen, ist das Streben nach Kooperation immer stärker vorhanden als die unbedingte Suche nach dem eigenen Vorteil.

    Soweit es mich betrifft, wäre mir schon wichtiger, dass es meiner Familie gut geht als dass ich mich um Arbeitskollegen oder Nachbarn kümmere.

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    Antwort auf Re: Wieder etwas für den kleinen Mann von KillingTime.

    Danke für Ihr aufrichtiges Interesse an dieser Sache.

    Die Gefahr von Absatzschwierigkeiten scheint es nicht unbedingt zu geben, wie mir bisher bekannt ist.
    Im gegenteil gibt es wohl sogar Anfragen von Unternehmen an Mondragon die diese wegen Kapazitätsmangel ablehnen mußten.
    Inzwischen betreibt Mondragon übrigens auch eine eigene Universität.
    https://www.mondragon.edu/en/home

    Der beikommende Vorteil der cooperation ist ja das es nicht nur um die demokratische Produktionsweise geht, sondern auch das restliche Lebensumfeld hiervon beeinflusst wird.

    Die Mitarbeiter werden keine Steuern hinterziehen, da sie wissen das mit diesem Geld die Kommunen in denen sie leben, die Infrastruktur bereit stellt die sie alle brauchen um erfolgreich arbeiten zu können.
    Sie werden auch nicht ihre Umwelt vergiften, weil das die Preise ihrer Produkte senkt aber ihren Familien schadet.
    Soweit ich informiert bin ist die Sorge um das Wohlergehen der Familien, Kinderbetreuung, Wohnqualität, Gesundheitsversorgung usw. ein integraler Bestandteil der Unternehmenspoilitik, denn nur gesunde, zufriedene und motivierte Mitarbeiter steigern den Erfolg eines unternehmens langfristig.
    Um es mal sehr verkürzt und vereinfacht zu sagen: wenn und allen das Hemd näher ist als die Hose, dann haben wir eine Interessengleichheit..von daraus lässt sich ja demokratisch weiter arbeiten.
    Peobleme entstehen erst bei gegensätzlichen Interessen, wie im privatkapitalistischen Unternehmen. Dort geht es um Maximierung des Profits für die Besitzer und die niedrigstmöglichen Löhne für die Beschäftigten, da diese ja die profitrate schmälern.

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