Wirklich eine schöne Antwort. Fast ein bisschen poetisch.
Ich sehe halt das Problem, in Bezug auch auf den Artikel und den darin enthaltenen Marxismus, dass man den grundsätzlichen Hang zum Autoritären in Karl Marx einfach nicht vernachlässigen darf. Karl Marx stammt aus einer Zeit, in der die Alternative tatsächlich nicht Demokratie hieß, sondern Feudalismus mit kapitalistischen Anstrich. Oder umgekehrt: Kapitalismus, der durch traditionelle feudale Strukturen aufrecht erhalten wurde. In England speziell überzuckert mit ein bisschen Parlamentarismus.
Im Grunde seines Herzens war Karl Marx einfach auch sehr naiv. Er träumte von einem guten Souverän, der endlich Ordnung schafft und Gerechtigkeit. Er war enttäuscht davon, dass der König, oder wie auch immer ein Landesherr genannt werden mag, nicht das getan hat, wofür ihn die Propaganda, die feudalistische Propaganda, seit Jahrhunderten verantwortlich machte. Sich um das Volk zu kümmern. Es ist dieses kindliche, es sollte dies, es sollte das. Die Propaganda saß so tief, dass ihm das noch nicht mal aufgefallen ist.
Als jemand, der von Feudalismus wirklich etwas versteht, weil ich persönlich davon betroffen bin, sage ich dir, dass es so etwas wie einen guten Feudalismus, also eine Herrscherklasse, die sich um das Wohlergehen des Volkes kümmert, einfach nicht gibt. Das ist immer Lug und Betrug. Immer, immer, immer. Es gibt keine guten Könige. Es gibt keine Elite, keine besseren, überlegenen Menschen. Weder in Fleisch und Blut, noch im übertragenen Sinn als Volk oder wie auch immer man das konstruieren mag,
Wenn etwas gut werden soll auf dieser Welt, dann müssen sich die Menschen, nicht ein abstraktes Volk, selbst darum kümmern. Aber nicht in dem sie sich wieder irgendwelche Herren erwählen.
Karl Marx hat diesen König, den guten König, in eine Metapher gefasst, symbolisiert. Und das gar nicht gemerkt. Er nannte es das Volk. In Wahrheit war es aber ein Phantasma. Marx misstraute jeder Liberalität. Zu seiner Zeit vielleicht aus gutem Grund. Schließlich war es die Freiheit der Reichen, die das Elend in England herbeigeführt hat.
Marx glaubte, dass man die Gerechtigkeit einmal gewaltsam herstellen muss, und dann müsste man sie halt aufrecht erhalten, so wie man Dämme warten muss. Dass sich Gerechtigkeit von selbst, also aus den Menschen selbst heraus herstellen könnte, auf diese Idee ist er nie gekommen. Genauso wenig wie er bedacht hat, dass es ja auch Gründe gibt, warum das so genannte Volk bislang es nicht geschafft hat, feudale Strukturen, also Kapitalismus ohne Gerechtigkeit, der also bestimmte Gruppen bevorzugt, abzuschütteln. Vielleicht weil es das gar nicht will?
Die Diskrepanz zwischen dem, was Karl Marx wollte, und wovon auch der Autor des Artikels träumt, ist diesem offenbar auch nicht klar.
Wovon du schwärmst, das wäre ja ein halbes Paradies auf Erden. Nämlich Freiheit. Aber wer erhält diese aufrecht? Die Marxisten, gleich welcher Couleur, sicher nicht. Denn, ganz ehrlich, das Gegenteil zu beweisen hatten sie dann doch inzwischen genügend Zeit…