Die Situation ist festgefahren, würde ich sagen. Der Westen will nicht selber eingreifen ("lieber Kugeln schicken als US-Boys"), weil er weiß, dass Russland nicht etwa in Afghanistan oder sonstwo kämpft, sondern vor seiner Haustür - also um seine vitalen Interessen. Und weil niemand ausprobieren will, was passiert, wenn die mit Abstand größten Atommächte der Erde in einen direkten Konflikt geraten.
Das Problem dabei: Einerseits ertüchtigt man die Ukraine militärisch und finanziell, damit sie überhaupt kämpfen kann, erklärtermaßen "whatever it takes". Andererseits überlässt man der Ukraine nicht nur das Kämpfen, sondern auch die Entscheidung darüber, was dieses "whatever" ist, also unter welchen Bedingungen sie einen Waffenstillstand akzeptiert - aus moralischen Gründen natürlich, denn immerhin ist sie ja das Opfer. Selbstverständlich wird die Ukraine niemals von ihrer unrealistischen Friedensformel (alle Russen raus, inklusive Krim, und Putin darf sich die Größe seiner Zelle in Den Haag aussuchen) abrücken, solange Waffen und Geld reinkommen, und der Westen wird weiter Waffen liefern, solange die Ukraine kämpfen will.
Diese zerstörerische, tödliche Verklemmung lässt sich nur lösen, wenn entweder Russland den Schwanz bedingungslos und vollumfänglich einzieht, was schlicht unvorstellbar ist, oder wenn der Westen seine militärischen und finanziellen Hilfen von Bedingungen abhängig macht, die auf einen Verhandlungsfrieden abzielen. Das könnte man sich immerhin vorstellen, aber offensichtlich ist die Zeit noch nicht reif dafür.