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  • Bartträger

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Re: Mal aus Sicht eines Schweinehalters...

Estomil schrieb am 08.01.2022 11:35:

Wir halten bei uns auf dem Hof ca 400 Sauen die rund 13000 Ferkel aufziehen und mästen etwa ein Drittel selbst zum Gewicht von rund 120kg.
Der Rest wird mit rund 30kg verkauft.

Der Zyklus vom besamen der Sau bis zum fertigen mastschwein dauert etwa 300 Tage.

Und das ist unser Problem. Viele kleine Landwirte erzeugen Schweine ohne genau zu wissen was das Tier am Ende des Jahres wert ist. Verkauft werden muss das Schwein aber auf jedenfall weil Übergewichte ganz empfindliche Abzüge beim Schlachtpreis bringen und das Tier zudem immer mehr Frist ohne zuzunehmen.

Damit sind wir den Schlachtern und dem Handel quasi ausgeliefert. Einem oligopol aus drei vier Konzernen.

Das doch aber nur, weil in Deutschland grundsätzlich zu viel produziert wird. Das ist seit Langem so und ich kann nicht sagen, das ich niedrige Preise für Grundnahrungsmittel schlecht finde.

Das ist auch die Politik der der europäischen Wirtschaftsvereinigungen seit Jahrzehnten. Früher wurde das Überproduktionsproblem damit gelöst, dass der Staat Milch und Butter aufkaufte. Das war dann böse, weilt Staat eben böse ist.

Seither sind die Milchbauern nur am Klagen.

Wer weiß, wie die Ställe der vielen Kleinbauern vor 40-50 Jahren aussahen, kann nicht unbedingt behaupten, dass sich die Stallhaltung verschlechtert hat. Mir ist das nicht egal. Ich kaufe, wenn im Supermarkt Bio-Wurst/Käse da ist, dann Bio.

Die Schuld an einem Oligopol fest zu machen, trägt auch nicht, weil bei Überproduktion natürlich immer der Käufer (nicht nur das Oligopol) im Vorteil ist. Denkbar wäre, dass die Bauern frühzeitig Abnahmeverträge abschließen. So ist das bei Bauernhof-Gemeinschaftsprojekten. Diese Bauern geben aber dann auch offen zu, dass der freie Markt nichts für sie ist. Scheint's lässt das der Stolz bei anderen nicht zu.

Die CDU-Großdenkerin-Ministerin der letzten Regierung wollte einfach mal das Fleisch für die Endverbraucher teurer machen und dann Investitionen unterstützen. Laut Artikel scheint auch Özdemir bereits bequatscht zu sein. Das wäre mit Hofreiter natürlich nicht so leicht gelaufen (vermute ich).

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