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  • Wagenrecht

mehr als 1000 Beiträge seit 29.05.2021

"Erneuerbare machen vielmehr die Energie schon jetzt billiger"

So betrugen im Jahre 2019 die Energiekosten für einen typischen Vierpersonenhaushalt ca. 370 Euro monatlich. Darin machten die Spritkosten für das Autofahren etwa 134 Euro, die Heizkosten etwa 135 Euro und die Stromkosten ‚nur‘ etwa 100 Euro aus. Die EEG-Umlage innerhalb der Stromkosten betrug etwa 20 Euro. Ein vergleichsweise kleiner Betrag, der aber in allen Debatten aufgebauscht wurde als der alles entscheidende Preistreiber.

Das ist stimmig. Um so mehr, als dass ja mit der EEG-Umlage Kosten der Energiegewinnung aus regenerativen Energien auf die Verbraucher umgelegt wurden. Jetzt aber soll die Umlage wegfallen.

Erneuerbare machen vielmehr die Energie schon jetzt billiger, vor allem, wenn man die externalisierten Unkosten von Kohle, Öl und Gas einrechnet. Die stehen zwar nicht auf der Strom- und Gasrechnung. Sie sind versteckt in unseren Steuerbescheiden und Gebührenabgaben, sodass die Bürger:innen ja nichts davon mitbekommen, wie teuer ihre fossile Energie tatsächlich ist.

Richtig ist, dass die Strompreise die Kosten nicht decken und die externen Kosten nicht enthalten sind. Auch bei den regenerativen Energien waren aber längst nicht alle Kosten enthalten. Auch da verstecken sich eine Menge externer Kosten. Die Abschaffung der EEG-Umlage verstärkt dies.

Das wesentliche Problem der Erneuerbaren liegt aber in der Kombination aus Kostenstruktur und Marktdynamik. So sind nämlich die Investitionskosten erheblich höher als bei anderen Energieträgern und ein Ausbau erfordert zunehmenden Anlagenbau. Dieses Investitionswachstum sorgt dafür, dass die Kosten stetig weiter steigen, und zwar immer höher, als aus vorangegangenen Investitionen an Einsparungen erzielt werden kann. Um so mehr gilt dies dann noch für den ergänzenden Aufwand zur Stromglättung. Und aus gleichem Grunde ergibt sich auch ökologisch eine Verschlimmerung.

Wie gesagt, der Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare ist technisch und ökonomisch sofort und schnell möglich.

Was denn jetzt, sofort oder schnell?

Jedenfalls dauerte es sehr lange, und auch die Produktionskapazitäten müssten dafür ausgebaut werden. Das geht alleine logistisch nicht mal eben von jetzt auf gleich. Und was erst recht absolut unmöglich ist, ist, damit kurz- oder mittelfristig irgendetwas einzusparen. Niemand von uns wird erleben, dass es zu einer Einsparung kommt. Da fehlt schlicht die Liquiditätsrechnung. Sowohl bezüglich der finanziellen Seite als auch bezüglich CO2 sowie anderer damit einhergehender Umweltschäden.

Er kann ja mal zu einer Bank gehen und versuchen, einen Investitionskredit mit einer reinen Kostenkalkulation zu bekommen. Diese wird ihn bitten, eine Liquiditätsplanung einzureichen. Und würde ein solches Investment ablehnen, das es nicht finanzierbar ist, was die Liquiditätsplanung im Gegensatz zur Kostenkalkulation aufzeigen würde. Es wäre Aufgabe unserer Politiker und unserer Wissenschaft, dies zu tun, bevor sie hergehen und auf Kosten der Allgemeinheit und der Atmosphäre als Kreditgeber derartige Investitionen zu tätigen.

Und die Zinsfrage wäre auch noch zu berücksichtigen. Sowohl finanziell als auch bezüglich des CO2-Ausstoßes. Und damit würde es endgültig zur Schuldenfalle, in der ein Kipppunkt entsteht, bei dem die Zinsen das Wachstum fortsetzen, auch wenn die Investitionen wegen Marktsättigung zurückgefahren werden können.

CO₂-freien Energietechnologie

Gibt es nicht.

Und selbst wenn es die gäbe, würde bei derzeitiger Wirtschaftssystematik auch das in eine Katastrophe führen. Denn wir würden lediglich diese Energie in einem noch viel größerem Konsumrauch verschwenden. Und die Produkte, mit denen wir es täten, sind nicht CO2-frei. Noch schlimmer würde es, wäre diese Energie generell kostenlos.

Der Traum vom ökologischen Massenkonsum ist ein Traum. Die Realität ist eine andere. Was gar nicht schlimm wäre. Denn Lebenszufriedenheit ist ab Stillung der Grundbedürfnisse nicht durch Konsumsteigerung zu erhöhen. Wir haben viel Einsparpotential, ohne an Lebensqualität zu verlieren.

Der Weg wäre, den Energiekonsum vor allem durch Subventionsabbau zu reduzieren, bestehende Anlagen maximal lange weiter zu verwenden, ausfallende Anlagen erst mal so lange nicht zu ersetzen, wie die Konsumeinsparungen es erlauben und dann behutsam mit regenerativen Energien nachzusteuern.

Damit kämen wir aus der Insolvenzverschleppung raus. Aber wir machen das Gegenteil.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (16.02.2022 20:25).

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