Sinerider schrieb am 12.05.2023 08:52:
1. Der Staat kann sehr wohl mehr ausgeben als er einnimmt, indem er Kredite aufnimmt.
Langfristig geht das nur mit Schuldenschnitten. Ansonsten sind Kredite für den Staat nur aus der Zukunft in die Gegenwart transportierte Einnahmen.
2. Diese Mehrausgaben führen nicht zu einer erhöhten Inflation, wenn die gesamte globalisierte Wirtschaft in der Lage ist auf die erhöhte Nachfrage mit einem höheren Angebot zu reagieren. Und das ist bei Industriegütern grundsätzlich immer der Fall.
Allerdings wird in aller Regel das höhere Angebot einen höheren Stückpreis haben, zumindest kurzfristig.
Warum haben die Staaten mit den höchsten Geldmengenausweitungen (Schweiz und Japan) die niedrigsten Inflationsraten?
In Japan hat man umgekehrt auf eine Deflation mit einer Ausweitung der Staatsausgaben auf Kredit reagiert.
4. Investitionen/Kreditvergaben sind unabhängig von Spareinlagen. Die Banken schöpfen das für die Kreditvergaben benötigte Giralgeld aus dem Nichts.
Das geht nur begrenzt, weil Banken
* von dem neuen Giralgeld einen Teil als Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen müssen
* die mit dem Giralgeld geschaffenen Forderungen an Kunden zum Teil mit Eigenkapital sichern müssen. Je höher z.B. die von den Betreibern geforderte Eigenkapitalrendite, desto höher sind die Opportunitätskosten an der Stelle.
5. Für das Wirtschaftswachstum ist es egal für was der Staat das Geld ausgibt. Man kann eine Brücke ins Nichts bauen lassen.
Das funktioniert (s.o.) allenfalls kurzfristig.
7. Ein Staat kann nicht pleite gehen, wenn er sich in seiner eigenen Währung verschuldet und seine Zentralbank (für die Eurozonenländer ist das die EZB) weiß was zu tun ist.
In der Eurozone hat aber kein Land eine eigene Währung. Das würde sich ändern, wenn man die Eurozone zu einem übergeordneten Staatsgebilde ausbauen würde 😉