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Das zweierlei Maß unser Dauerempörten

Es ist einfach lächerlich, so ein Fass aufzumachen. Es wurde genau eine Kolumne entfernt – es handelt sich ja nicht einmal um einen journalistisch wertvollen Sachbeitrag. Und genau das liegt in der Verantwortung des Redakteurs, er entscheidet, was wie veröffentlicht wird. Dabei steht nicht der Zulieferer Journalist im Mittelpunkt, sondern die Zeitung. Wer also als Kolumnist meint, eine zurückgezogene Meinungsäußerung würde Jahrzehnte der Zusammenarbeit vergessen machen, hat ganz andere Probleme als Cancel Culture. Er passt vielleicht einfach nicht mehr zum Bild der Zeitung...

Ob Martensteins Idol und Mentor Günter Matthes, als unbeugsamer, Geradeaus-Liberaler eine Anbiederung an Neo- und Altnazis wirklich entsprechend seinem liberalen Leitbild unkritisiert ließe, steht wohl auch nicht fest. Jedenfalls scheint es mir, dass der Herr Martenstein eher von sich selber glaubt, im Besitz der Wahrheit zu sein – anders kann man seine Auffassung, seine Meinungskolumne wäre sakrosankt, nicht interpretieren.

Wenn der Herr Suchsland eine "interne Abrechnung" verortet, müsste er seinen Text noch einmal überarbeiten. Die Abrechnung scheint doch wohl schon vorher von Herrn Martenstein mit der öffentlichen Positionierung gegenüber seiner Redaktion losgetreten worden zu sein, zusätzlich sein privates Gegreine über eigene Homepage und Asozialmedien. Übles Nachtreten kann ich eigentlich nur bei Herrn Martenstein erkennen. Die Verkündigung einer Trennung wegen Differenzen wäre genauso vielsagend und für einen Journalisten professionell – taugt aber nicht, für sich die alleinige Opferrolle zu reklamieren.

Wobei, wenn man die Meinung des Herrn Martenstein zu Tätern und Opfern liest, wundert es nicht, dass er sich nun ebenso einordnet. Bei dem Herrn scheint der moralische Kompass doch einigermaßen verstimmt zu sein. Passend dazu, dass ein TP-Autor Suchsland hier nun das nächste Narrativ der Zensur bastelt. Die Cancel Culture beginnt doch eher darin, einen erbärmlichen Abschnitt dt. Geschichte als Fliegenschiss zu verniedlichen – und dafür nicht einmal Konsequenzen zu erleiden. Als echter Liberaler sollte man das eigentlich wissen...

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.02.2022 15:53).

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    Antwort auf Das zweierlei Maß unser Dauerempörten von jumphigh.

    Martensteins ... Anbiederung an Neo- und Altnazis

    welche begründung hast du für diesen vorwurf?

    einen erbärmlichen Abschnitt dt. Geschichte als Fliegenschiss zu verniedlichen


    was hat dieses zitat mit dem artikel oder den darin auftauchenden personen zu tun?

    ansonsten: hast du viel berufserfahrung als zeitungsautor? mir erschien es so als ob das unabgesprochene löschen eines artikels einer kündigung gleichkäme. ist halt nur ein von mir gewonnener eindruck, ich kenne mich da auch nicht aus.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.02.2022 16:52).

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    Antwort auf Re: Das zweierlei Maß unser Dauerempörten von motorbit.

    motorbit schrieb am 23.02.2022 16:51:

    welche begründung hast du für diesen vorwurf?

    Der Herr Martenstein vertritt die Auffassung, dass das Verwenden des Judensterns kein Antisemitismus, sondern das genaue Gegenteil, die Identifizierung mit den verfolgten Juden wäre. Ich sage dazu, dass es sich bei den üblichen Verwendern des Judensterns in diesem Zusammenhang um Holocaust-Leugner handelt. Holocaut-Leugnung wird gemeinhin als (Ausdruck von) Antisemitismus angesehen.

    Man könnte noch wohlwollend beim Judenstern ein Zeichen von Stigmatisierung sehen. Jedoch erkennt der Herr Martenstein eine "Empathie" für die verfolgten Juden. Als gemeiner Querdenker mag man sich nun evtl. stigmatisiert fühlen, man wird aber ganz gewiss nicht verfolgt. Eine Gleichsetzung des heutigen Leerdenker-Judensterns mit allem, was danach kam, also Entrechtung, Enteignung, Verhaftung, Deportation, KZ und Erschießung oder Gaskammer, ist vollkommen absurd. Bestenfalls wäre das Ausdruck einer gefährlichen geschichtlichen Bildungsferne, da man aber gerne im Gestus einer SA durch dt. Orte spaziert, ist eine solche wohlmeinende Interpretation IMHO komplett deplatziert.

    Mit anderen Worten: Wer die Verwendung des Judensterns bei Leerdenkern als Empathie verharmlost, betreibt selber eine mehr als bedenkliche Geschichtsklitterung, die ebenso als Holocaust-Leugnung strafbar sein könnte. Kein Wunder, dass da der Herausgeber/Redakteur ungefragt zurückzieht.

    was hat dieses zitat mit dem artikel oder den darin auftauchenden personen zu tun?

    Wenn du meine obigen Ausführungen verstehst und halbwegs ethischen und moralischen Anstand besitzt, musst du das nicht fragen. Wenn es eine Cancel Calture gibt, dann die im Rollback in der Geschichte. Was es nicht gibt, ist eine solche in der Meinungsfreiheit. Hier kann doch mittlerweile jeder jeden noch so großen Schwachsinn unter dem Deckmäntelchen der Meinungsäußerung ungestraft herausblasen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Und das gilt für alle Seiten!

    ansonsten: hast du viel berufserfahrung als zeitungsautor? mir erschien es so als ob das unabgesprochene löschen eines artikels einer kündigung gleichkäme. ist halt nur ein von mir gewonnener eindruck, ich kenne mich da auch nicht aus.

    Wie kommt man zu dem Eindruck? Ich bin mir sicher, der Herr Kolumnist hat selbst für diese Entgleisung seine Entlohnung erhalten, ob eine absolute Veröffentlichungspflicht in seinem Vertrag steht, entzieht sich wohl unser beider Kenntnis. Insofern sehe ich hier in erster Linie eine gekränkte Eitelkeit nur einer Seite. Und der untaugliche Versuch eines trittbrettfahrenden Dritten, daraus einen Skandal zu konstruieren.

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    Antwort auf Das zweierlei Maß unser Dauerempörten von jumphigh.

    Der Herr Martenstein vertritt die Auffassung, dass das Verwenden des Judensterns kein Antisemitismus, sondern das genaue Gegenteil, die Identifizierung mit den verfolgten Juden wäre. Ich sage dazu, dass es sich bei den üblichen Verwendern des Judensterns in diesem Zusammenhang um Holocaust-Leugner handelt.

    nun, darüber das so ein vergelich abscheulicht ist besteht wohl einigkeit. allerdings stimme ich herrn m. in dieser sache zu. eine holocaust leugnung kann schon alleine deshalb nicht stattfinden, weil dann der ganze vergleich unsinnig wäre.
    eine verharmlosung es judenleids ist es auf jedenfall, genau so wie eine schier unbeschreibbare überhöhung des empfundenen unrechts der leerdenker. ganz ohne zweifel zeugt dieser vergleich von einem gemütszustand, den ich nicht nachvollziehen möchte.
    und trozdem: es ist in der sache ganz eindeutig keine holocaust leugnung. ein totschlag ist kein mord - und wenn ich das sage, dann sage ich damit eben auch nicht das an totschlag nichts falsch ist.

    was hat dieses zitat mit dem artikel oder den darin auftauchenden personen zu tun?

    Wenn du meine obigen Ausführungen verstehst und halbwegs ethischen und moralischen Anstand besitzt....

    dein absatzt hier halte ich in seiner gesamtheit an dieser stelle für unsinn. du bemühst ein extremes zitat eines gerichtlich annerkanten faschisten und legst es mit deinem beitrag einem menschen in den mund, der sich mit seinen aussagen ganz klar und eindeutig vom faschismus distanziert hat.
    dazu kannst du in deutschland eben nicht alles "ungestraft herausblasen". anders als viele länder haben wir ja durchaus einschränkungen hinsichtlich von volksverhetzung und eben der leugnung des holocausts. was allerdings nicht von diesen strafbeständen abgedeckt ist: ja, das sollte dann tatsächlich "ungestraft herausgeblasen" werden dürfen. die freiheit sich (im gesetzlichen rahmen) scheiße zu verhalten gehört leider zum packet der freiheiten dazu. wenn du diese einschränken willst hast du dich selber schon ein gutes stück in die richtung bewegt, gegen die du anzukämpfen vorgibst.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.02.2022 18:13).

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    Antwort auf Re: Das zweierlei Maß unser Dauerempörten von motorbit.

    motorbit schrieb am 23.02.2022 18:11:

    eine holocaust leugnung kann schon alleine deshalb nicht stattfinden, weil dann der ganze vergleich unsinnig wäre.

    Du zäumst das Pferd verkehrt herum auf! Diese Vergleiche gibt es ja tatsächlich. Wenn man den entsprechenden Leuten nicht pathologische Geistes- und Bildungsschwäche unterstellt, muss man davon ausgehen, dass um den Unsinn gewusst, aber trotzdem der Vergleich gewählt wird. Es ist also vorsätzliche Holocaust-Leugnung – die Leute wissen, wie verkehrt das Verhalten ist und machen es trotzdem.

    dein absatzt hier halte ich in seiner gesamtheit an dieser stelle für unsinn. du bemühst ein extremes zitat eines gerichtlich annerkanten faschisten und legst es mit deinem beitrag einem menschen in den mund, der sich mit seinen aussagen ganz klar und eindeutig vom faschismus distanziert hat.

    Möchtest du mein erstes Posting nicht noch einmal lesen? Ich lege hier keinem der in dem Artikel erwähnten Leuten das Zitat in den Mund. Jedoch benutzt der Herr Suchsland Cancel Culture – genau wie die Seite, die es immer für sich reklamiert – grundsätzlich falsch. Es liegt eben keine Cancel Culture vor, wenn man sich dem größten Unsinn verweigert.

    Stattdessen wurde Cancel Culture erst begründet und salonfähig gemacht, als man anfing, die größten Alt- und Neunazis ungestraft gewähren zu lassen. Deren Unsäglichkeiten erodieren mittlerweile wieder viele der Standards, die über Jahrhunderte langen Kampfes im Sinne eines vernünftigen Miteinanders errungen wurden. Judensterne in Verbindung mit Gesundheitsmasken ist eine Kultur der Geschichtsauslöschung, nicht das Zurückziehen eines depperten Meinungsartikels.

    dazu kannst du in deutschland eben nicht alles "ungestraft herausblasen".

    Doch, darfst du, zeigt mir jede Leerdenker-"Demo". Dort dürfen sogar wieder Leute mit Fackelmärschen bedroht werden. Und Menschenjagden finden ja auch hochoffiziell nicht statt. Von den ganzen Leuten, die ihre Maske – wenn überhaupt – unter der Nase tragen und ungefragt ihr Kinn über meine Schulter hängen, ganz zu schweigen.

    wenn du diese einschränken willst hast du dich selber schon ein gutes stück in die richtung bewegt, gegen die du anzukämpfen vorgibst.

    Ich muss nichts vorgeben, denn solche dümmlichen Vergleiche kämen mir nie über die Lippen. Was ich als das effektivste Mittel für die Bewahrung der Freiheit halte. Denn: Freiheit, das ist die Einsicht in die Notwendigkeit. Offenbar bin ich damit mittlerweile in der Minderheit.

    Und ich bin mir nicht sicher, ob deine Antworten am Ende nicht auch nur ins übliche "Das wird man wohl noch sagen dürfen" münden. Jedenfalls scheinst du das Verwenden eines Judensterns recht locker zu nehmen. Und die Zustimmung eines etablierten Meinungsmachers dafür findet offenbar auch dein Gefallen.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.02.2022 19:04).

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    Antwort auf Re: Das zweierlei Maß unser Dauerempörten von jumphigh.

    jumphigh schrieb am 23.02.2022 18:51:

    Jedenfalls scheinst du das Verwenden eines Judensterns recht locker zu nehmen.

    das tue ich genau so wenig wie der autor des diskutierten artikels. ich sehe lediglich einen unterschied in zwischen der abstoßenden geschmacklosigkeit, die das gleichsetzen mit pandemie bedingten unnanehmlichkeiten mit den leiden der opfer des holocausts darstellt, und dem abstreiten des holocausts.

    Und ich bin mir nicht sicher, ob deine Antworten am Ende nicht auch nur ins übliche "Das wird man wohl noch sagen dürfen" münden

    ja natürlich. sofern sich dieses dürfen aus den geltenden gesetzen ableitet wäre alles andere totalitär. ob ich mit menschen die meinen bestimmte sachen sagen dürfen zu müssen dann noch privaten umgang pflege ist ja eine ganz andere frage.

    Ich lege hier keinem der in dem Artikel erwähnten Leuten das Zitat in den Mund.

    warum bringst du das zitat dann überhaupt? es ist in diesem zusamenhang schlicht unangemessen und macht eben nur dann sinn, wenn du die aussagen 1:1 gleichsetzen willst.

    dazu kannst du in deutschland eben nicht alles "ungestraft herausblasen".

    Doch, darfst du, zeigt mir jede Leerdenker-"Demo". Dort dürfen sogar wieder Leute mit Fackelmärschen bedroht werden. Und Menschenjagden

    gut, habe ich mich ungeschickt ausgerdrückt. ich hätte wohl schreiben sollen "dazu *darfst* du in deutschland..."
    zwischen dürfen und können ist ja ein riesen unterschied. bedrohen dürfen auch leerdenker niemanden. das es in deutschland bei der verfolgung rechter straftaten gewaltige probleme gibt ist aber natürlich ein großes problem.

    Freiheit, das ist die Einsicht in die Notwendigkeit. Offenbar bin ich damit mittlerweile in der Minderheit.

    wohl kaum. diese notwendigkeit ist ja die grundlage unserer rechtssprechung welche sich ja wiederum am rechtsempfinden des volkes orientiert.
    "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden."
    von mir aus schlägt dein hegel hier meine luxemburg. aber halt nur dann wenn es auch so im gesetz steht.
    weil wir grad bei so tollen zitaten sind, noch eines, zum trost, von de Saint-Exupéry
    "Um einen Schmetterling lieben zu können, müssen wir auch ein paar Raupen mögen"

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (23.02.2022 20:36).

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