Interessant ist, dass noch heute (Ende 2023) die Beförderungsleistung im öffentlichen Fernverkehr etwa 10% niedriger, als vor Corona und im Nahverkehr trotz 49 Euro-Ticket sogar um 15% unter dem vor Corona Niveau liegen. Nach meinen Beobachtungen als jahrzehntelanger Nutzer des öffentlichen Verkehrs ist die Besetzung der Nahverkehrszüge am Wochenende sowie in den Ferien zwischen 16 und 19 Uhr massiv gestiegen, zu anderen Zeiten aber – wie die offiziellen Statistiken zeigen, deutlich niedriger, als noch 2019. Dies bedeutet für mich, dass Pendler aus der Bahn vertrieben wurden und statt dessen die Bahn (Nahverkehr) aufgrund der günstigen Flatrate verstärkt von Jugendlichen während der Ferien sowie zusätzlich von den unteren Einkommensgruppen am Wochenende für Besuche genutzt werden.
Um mich nicht falsch zu verstehen: die verbesserte Mobilität der unteren Einkommensgruppen ist positiv. Nur hat diese Erzeugung von Neuverkehren nichts mit dem Klimaschutz zu tun.
Um es noch einmal zu sagen: Die vertriebenen Nahverkehrskunden waren 2019 bereit, deutlich mehr zu zahlen. Dass diese als Kunden verloren werden, hat also nichts mit dem Preis zu tun. Denn:
Die eigentlichen Akzeptanzprobleme des öffentlichen Verkehrs gegenüber dem motorisierten Individualverkehr sind:
-längere Fahrzeiten
-seltene Fahrzeiten
-Unzuverlässigkeit
-subjektives Gefühl der Unsicherheit / der Fülle / der Unsauberkeit
-und erst dann der Preis bzw. der „Tarifdschungel“
Die ersten vier genannten Aspekte wurden aber durch das 9 Euro-Ticket verschlimmert.
Die Regionalzüge waren häufig so voll, dass erheblichen Verspätungen, ja Zugausfälle (mindestens durch vorzeitiges Wenden) die Folge waren, die Bahn also zu einem noch unzuverlässigerem Verkehrsmittel wurde. Hinzu kommt, dass überfüllte Züge alles andere als bequem sind. Erhebliche Verschmutzungen in den Zügen und nicht funktionierende Toiletten (durch deren Überlastung) waren wohl kaum Werbung für den Verkehrsträger Bahn. Was sich die treuen Kunden wohl gemerkt haben....