Einfach mal nachdenken. Wenn wir einen Tagesverbrauch von 1,7TWh haben, dann verbrauchen wir permanent rund 71 GW. Diese Strommenge muss ins Netz eingespeist werden, egal ob es Nacht ist oder kein Wind weht. Denn ein Stromnetz kann selber keine Energie speichern, was ein gravierender Unterschied zu einem Gas- oder Wassernetz ist.
Wenn wir einen Tagesspeicher von 1,7TWh haben ist Erzeugung und Verbrauch temporär entkoppelt. Solange der Speicher vorher aufgeladen wurde kann er auch die Energie abgeben wann sie gebraucht wird. Egal wann.
Und nein, ein Tagesverbrauch von 1,7TWh bedeutet nicht permanente 71GW. Die Last schwankt. Wenn mittags gekocht wird in Deutschland bedeutet dies für das Netz eine Spitzenlast - vorher und hinterher sinkt die Last wieder. Abends kommt die zweite Spitzenlast wenn alle von der Arbeit nach Hause kommen und den Fernseher einschalten und ebenfalls Abendessen kochen etc.
Du machst einen entscheidenden Fehler, Du darfst nicht in Wattstunden rechnen, sondern nur in Watt, weil wie bereits gesagt, das Stromnetz selber keine Speicherkapazität hat.
Natürlich hat das Netz an sich keine Speicherkapazität - dafür sind ja die am Netz angeschlossenen Speicher da. Das sind momentan hauptsächlich die Pumpspeicherkraftwerke. Auf Niederspannung holen die Heimspeicher aber massiv auf.
Und auf Hochspannungsebene werden wir um Gridspeicher nicht herum kommen.
Genau hierfür benötigst Du den Batteriespeicher, der Dir die fehlenden 30 GW liefert. Wenn Du einen Batteriespeicher mit 30 GWh hättest, dann würde Dir das Netz um 22 Uhr zusammenbrechen, weil der Speicher eben bei einer Last von 30 GW nur eine Stunde hält. Bei 60 GWh zwei Stunden und bei 720 GWh einen ganzen Tag. D.h. spätestens nach dieser Zeit müssten die Solar- oder Windkraftanlagen den fehlenden Strom wieder erzeugen.
Richtig - und oben schrieb ich von einem bzw. vielen Batteriespeichern, die gemeinsam auf 1,7TWh kommen. In Wahrheit muss das garnicht so groß sein, weil Deutschland ja nicht alleine mit PV arbeitet und PV auch die Mittagsspitze gut abdeckt. Daneben kommt die Windkraft zum Tragen, die ebenfalls oft zeitlich mit der Last korreliert. Immer wenn es eine zeitliche Korrelation von Einspeisung/Ernte und Last gibt brauchst du weniger Speicher. 1,7TWh wären das Extrem, was für PV gewählt würde.
Es nützt Dir nichts einmalig 100% zu erzeugen. Du musst permanent 100% erzeugen, genauso wie es ein Braunkohle- oder ein Kernkraftwerk es schafft. Einmal die 100% gerissen und das Stromnetz bricht Dir zusammen.
Das stimmt nicht. Dafür gibt es die Speicher. Das funktioniert übrigens auch jetzt schon so bei Braunkohle- und noch schlimmer bei der Kernkraft. Braunkohle- und Atomkraftwerke können nur "Grundlast" liefern - d.h. die tatsächlichen Schwankungen im Netz Lastseitig können die garnicht abbilden. Daher wurden dafür schnellere Gaskraftwerke sowie Pumpspeicher verwendet um das abzufedern, sowie Nachtspeicheröfen installiert, damit die AKWs nicht jede Nacht runterfahren müssen.
Wenn du permanent 100%+ erzeugen könntest mit EE bräuchtest du gar keine Speicher mehr. Dann könntest du einfach immer so abregeln, dass Last und Einspeisung im Einklang sind. Das scheitert aber bereits an der Tatsache, dass PV "nachts nichts liefert". Der Weg über Speicher ist nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch einfacher für die Netzstabilität und robuster als es ein "auf Kante" genähtes Stromnetz wie das jetzige ist.
Ab dem Moment wo du über Speicher gehst entkoppelst du Ernte und Verbrauch - d.h. sobald die Einspeisung größer wird als die Last werden Speicher aufgeladen (was Last zuschalten entspricht) und dadurch das Netz stabilisiert. Ist die Last größer als die Einspeisung werden Speicher entladen (was Einspeisung zuschalten entspricht) und wieder das Netz stabilisiert.
Damit die Speicher aber überhaupt aufladen können muss die Einspeisung zeitweise über der tatsächlichen Last liegen. Ansonsten lädst du die nie auf. Das ist bei PV beispielsweise vormittags der Fall wo sie meist mehr liefert als verbraucht wird. Bei Wind kann das auch um 2 Uhr nachts sein.
Sorry, aber unsere Politik möchte sich noch in diesem Jahr von der Kernenergie, dem russischen Gas, Öl und Kohle trennen und durch erneuerbare Energien ersetzen und nicht erst in 10 Jahren, wie es ursprünglich mal geplant war.
D.h. der Batteriespeicher wird jetzt benötigt, der grüne Wasserstoff jetzt, das Gas aus Katar jetzt... Klingt irre, ist es auch. Selbst Kennedy gab den USA 8 Jahre Zeit, um zum Mond zu gelangen, als er 1962 seine berühmte Rede hielt: "We choose to go to the Moon" Scholz und Habeck glauben, dass geht auch in 9 Monaten.
Wenn unsere Politik das wirklich wollen würde würden sie anders handeln. Das ist nur Propaganda. Wie gesagt - ein Batteriespeicher jetzt würde dem Grid nicht viel bringen - es gibt noch keine Phasen, in denen mehr als 100% EE zur Verfügung wäre. Wenn die Politik wirklich schnell handeln wollen würde würde sie als Notfallmaßnahme bundesweit die Abstandsregeln einfach aushebeln, den Denkmalschutz für PV aufheben und eine staatliche Natriumbatterie-Produktion anleiern.
Oder zumindest mal alle staatlichen Einrichtungen derart mit PV zuklatschen, dass es keine Schule oder anderes öffentliches Gebäude mehr ohne geben würde.
Auch würde sie die Regelung aufheben, dass man ab 10kwp als Energielieferant gilt und dementsprechend sich als GmbH o.ä. aufstellen muss. Es würde das EEG auf 15c/kwh Vergütung anheben um den genannten Solarboom noch weiter zu forcieren. Heimische Solarproduktion wieder ankurbeln. Windkraft in Bürgergesellschaften fördern anstelle durch Ausschreibungsverfahren zu verunmöglichen.
Gibt so viele Möglichkeiten, was zu tun. Bei Katar um Gas zu betteln gehört aber nicht dazu. Gas und AKWs als "grün" zu labeln auch nicht.