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166 Beiträge seit 28.11.2020

Über die angeblichen Grenzziehungen auf der Berliner Konferenz 1884/85

In dieser Sendung von Scobel gab es auch einen Einspieler, wo behauptet wurde, die europäischen Mächte hätten auf der Konferenz in Berlin 1884/85 die Grenzen in Afrika festgelegt. Das ist ein urbaner Mythos. Auf dieser Konferenz wurde Leopold II. das Kongobecken ohne scharfe Grenzen zugesprochen, und ansonsten wurden die Regeln für das folgende Wettrennen um Afrika vereinbart. Grenzen wurden dort überhaupt nicht festgelegt. Die ganze Periode nennt man übrigens "the scramble", benannt nach dem absoluten Klassiker "The scramble for Africa" von Thomas Pakenham, in dem dieses dramatische Wettrennen in allen Details beschrieben wird. Ich fand es etwas komisch, als Scobel den Zuschauern am Beispiel des Kongo ans Herz legte, sich mal über die Kolonialgeschichte zu informieren. Warum macht er das denn nicht mal selbst?

Im übrigen glaub ich allerdings auch, dass Clinton diese Pharma-Fabrik im Sudan bombardieren ließ, um von der gleichzeit stattfindenden Anhörung zur Lewinsky-Affäre abzulenken. Bei der eigentlichen Abstimmung später im Kogress ließ er den Irak bombardieren und vorher die UN-Inspektoren abziehen.

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    • Fenichel

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.10.2013

    Antwort auf Über die angeblichen Grenzziehungen auf der Berliner Konferenz 1884/85 von Navido.

    So erinnere ich mich aber auch an den Geschichtsunterricht (urbane Mythen sind etwas ganz anderes).
    Wenn Sie Geschichtsbücher kennen, die anderes meinen, glaube ich Ihnen das. Historiker sind ein zuweilen zerstrittenes Völkchen.
    Lewinsky-Sexaffäre als Motiv? Warum aber zerstörten die USA ausgerechnet die wichtigste Pharmafabrik des Kontinents? Dass damit Millionen Kranken lebensnotwendige Medizin entzogen wird liegt doch auf der Hand.

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    • Navido

    166 Beiträge seit 28.11.2020

    Antwort auf Re: Über die angeblichen Grenzziehungen auf der Berliner Konferenz 1884/85 von Fenichel.

    Fenichel schrieb am 01.12.2024 11:56:

    So erinnere ich mich aber auch an den Geschichtsunterricht

    Das hatten Sie wirklich im Geschichtsunterricht? Immerhin! Hatten wir nicht. Aber falsch ist es trotzdem. Wenn, wie häufig behauptet wird, die europäischen Mächte auf der Berlin-Konferenz den Kontinent unter sich aufgeteilt hätten, hätte es dieses Wettrennen überhaupt nicht gegeben.

    Wenn Sie Geschichtsbücher kennen, die anderes meinen, glaube ich Ihnen das. Historiker sind ein zuweilen zerstrittenes Völkchen.

    Die Historiker sind aber in dem Punkt gar nicht zerstritten. Das steht genauso z.B. in Kevin Shillington ("History of Africa") oder Martin Meredith ("Fortunes of Africa"). Das sind alles absolute Standardwerke. Der Begriff "urbaner Mythos" passt ganz gut, finde ich. Der tiefere Ursache dafür ist wohl intellektuelle Faulheit. Selbst Leute, die eigentlich Experten sein sollten, lesen die Bücher nicht.

    Lewinsky-Sexaffäre als Motiv? Warum aber zerstörten die USA ausgerechnet die wichtigste Pharmafabrik des Kontinents? Dass damit Millionen Kranken lebensnotwendige Medizin entzogen wird liegt doch auf der Hand.

    Die Fabrik war die größte in Khartum, nicht des gesamten Kontinents, soweit ich weiß. Unterschätzen Sie die persönliche Bedeutung der Lewinsky-Affäre für Clinton nicht. Die Affäre drohte, das gesamte Erbe seiner Präsidentschaft zu zerstören, so wie einem bei Nixon hauptsächlich die Watergate-Affäre einfällt. Clinton hatte dann in höchster Not keine besseren Ziele gefunden. (Na ja, Afghanistan hatte Clinton am gleichen Tag ja auch bombardieren lassen.)

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