Karolis schrieb am 22.06.2021 10:06:
Etwa 50% aller Arbeitsplätze sind Bürojobs. Mindestens zwei Drittel davon lassen sich problemlos ins Homeoffice verlagern.
Das halte ich für ein Gerücht. Nicht nur, weil der überwiegende Teil der Wohnungen in Deutschland räumlich gar nicht die Anforderungen für ein Heimbüro erfüllt, sondern weil Homeoffice in allen kollaborativen Berufen generell weniger gut funktioniert, als wenn die Leute direkt unmittelbar miteinander arbeiten. Hinzu kommt noch die soziale Komponente, nämlich dass für die meisten Menschen soziale Kontakte bei der Arbeit unerlässlich und produktivitätsfördernd sind.
Es gibt keinen erkennbaren Grund, warum diese Personen auch nur in der Nähe von Städten arbeiten sollten.
Tatsächlich haben sich das vor 20-30 Jahren so einige Stadtplaner gedacht und sich auf sinkende Stadtbevölkerungen eingestellt. Nicht alles, was am grünen Tisch erdacht wird, entwickelt sich in der Realität auch so.
Und wenn sie mit ihren Familien aufs Land ziehen, dann entlasten sie nicht nur durch freiwerdende Büros und Wohnungen die Städte, sondern bieten plötzlich auch auf dem Land Lehrern, Ärzten, Handwerkern, u.v.m. neue Jobs.
Theoretisch ja, praktisch ist das Gegenteil der Fall - und das liegt mitnichten nur an lahmen DSL-Anschlüssen.
Es ist völliger Schwachsinn gewesen, zu glauben, alle Jobs in den Städten zu konzentrieren und das auch noch zu fördern.
Ja gut, wer spricht von "fördern"? Hat das jemand gefördert, oder hat sich das (unter ansonsten freien Bedingungen) eben so entwickelt?
Man kann unter einem Gewinn an Lebensqualität sofort 10% bis 20% der arbeitenden Bevölkerung aus den Städten wegverlagern aufs Land. Das würde die Wohnungsmärkte massiv entlasten.
Wenn das so wäre, würden die Leute freiwillig gehen. Die Realität sieht jedoch anders aus.
Der Schlüssel dazu ist nichts weiter als ein gesetzliches Recht auf Homeoffice für Büroarbeitsplätze. Man muss sich das mal klar machen, das kostet weder den Staat etwas (ist nur ein Gesetz) noch die Unternehmen (die sparen Unsummen bei Bürogebäuden) noch die Arbeitenden (die sparen trotz Mehraufwand fürs eigene Büro Pendelkosten und Wohnkosten).
Und das eben stimmt nicht, wie Ihnen die meisten inzwischen aus eigener Erfahrung sagen können. Home-Office hat ohne Frage gewisse Vorteile. In den meisten Berufen ersetzt es jedoch keinen tatsächlichen Arbeitsplatz.
Aber aus unerfindlichen Gründen wehrt man sich gegen diese Wunderwaffe gegen Wohnungsnot mit Händen und Füßen. Weil Linke einfach nicht in die Zukunft denken können, sondern zureück in die DDR-Vergangenheit wollen.
Äh, bitte was? Ich glaube, Sie stellen die politischen Positionen zu diesem Thema gerade völlig auf den Kopf. In der Debatte waren zuletzt CDU/FDP/AfD die Bremser.
Flinx