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117 Beiträge seit 20.12.2020

Preussischer Frontalunterricht funktioniert nicht von zu Hause

Es sähe vielleicht anders aus, wenn die Kinder ermuntert würden ein eigenständiges Interesse an den jeweiligen Inhalten zu entwickeln und selbstständig zu denken. Es geht aber in erster Linie um das Gehorchen und nicht um das eigenständige In-Frage-Stellen. Man soll funktionieren, aber viel mehr auch nicht.

Ich weiß es ist ein Buzzword, aber vielleicht ist Gamification doch ein besserer Ansatz.

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    • Hagjo

    mehr als 1000 Beiträge seit 23.02.2013

    Antwort auf Preussischer Frontalunterricht funktioniert nicht von zu Hause von nauwart.

    nauwart schrieb am 07.01.2021 16:52:

    Es sähe vielleicht anders aus, wenn die Kinder ermuntert würden ein eigenständiges Interesse an den jeweiligen Inhalten zu entwickeln und selbstständig zu denken. Es geht aber in erster Linie um das Gehorchen und nicht um das eigenständige In-Frage-Stellen. Man soll funktionieren, aber viel mehr auch nicht.

    Ich weiß es ist ein Buzzword, aber vielleicht ist Gamification doch ein besserer Ansatz.

    Ich bin gerade dabei den Digitalunterricht meiner 1. Klasse für die kommende Woche zusammenzustellen:
    Und ich werde dabei schon recht gute Materialien zum Rechnen in Zehnerraum und dem Leselerngang und der Schreibmotorik online stellen können.

    Bevor Digitalisierung ein Thema war, hat man mir in der Lehrerausbildung beigebracht, dass ein Erstklässler SELBST Lesen lernt und seine Umwelt (inkl. Lehrer/Elternhaus) ihm nur dabei unterstützt! Mir hat man beigebracht, dass sich vom 3. Lebensjahr an mathematische Verständnisse nur durch lebensbedeutsame Sachzusammenhänge herstellen und verinnerlichen lassen....

    Und jetzt stelle ich für 6-7 Jahre alte Kinder ein Digitalpaket (!!!) zusammen, dass locker 66% der Elternbemühungen bzgl. Motivation zur Selbstständigkeit und Eigeninteresse in den Schatten stellt...
    ...und muss mir dann noch den Vorwurf gefallen lassen, dass ich bei Präsenzunterricht in den Verdacht gerate, dass mein Unterricht in die Nähe von "preussischen Frontalunterricht" gerät?

    Sorry, ich unterrichte seit 20 Jahren in einer Grundschule und kann die o.g. Erkenntnisse meiner Ausbilder bei meiner Ausbildung voll unterstützen.
    ...und ganz ehrlich...
    ... ich verachte den preussischen Frontalunterricht mindestens genauso wie du, aber ich muss auch klar sagen, dass er innerhalb der letzten Jahre bei immer mehr Kindern die bessere Alternative zu dem ist, was die Eltern in Sachen Bildung noch bereit sind zu leisten.

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    mehr als 1000 Beiträge seit 09.12.2010

    Antwort auf Re: Preussischer Frontalunterricht funktioniert nicht von zu Hause von Hagjo.

    Hagjo schrieb am 07.01.2021 23:24:

    Bevor Digitalisierung ein Thema war, hat man mir in der Lehrerausbildung beigebracht, dass ein Erstklässler SELBST Lesen lernt und seine Umwelt (inkl. Lehrer/Elternhaus) ihm nur dabei unterstützt! Mir hat man beigebracht, dass sich vom 3. Lebensjahr an mathematische Verständnisse nur durch lebensbedeutsame Sachzusammenhänge herstellen und verinnerlichen lassen....
    [...]
    ich verachte den preussischen Frontalunterricht mindestens genauso wie du, aber ich muss auch klar sagen, dass er innerhalb der letzten Jahre bei immer mehr Kindern die bessere Alternative zu dem ist, was die Eltern in Sachen Bildung noch bereit sind zu leisten.

    Das entspricht auch genau meiner Erfahrung als Elternteil von drei Kindern!

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    • Hagjo

    mehr als 1000 Beiträge seit 23.02.2013

    Antwort auf Re: Preussischer Frontalunterricht funktioniert nicht von zu Hause von .

    bienenstich schrieb am 08.01.2021 01:00:

    Das entspricht auch genau meiner Erfahrung als Elternteil von drei Kindern!

    Danke dafür.
    Und um das nochmal klar zu stellen.
    Ich bin kein Gegner von Digitalunterricht und ich lasse auch am "preussischen Frontalunterricht" kein gutes Haar, aber es ist schon bedenklich, wie sehr die Methodik/ Didaktik in den letzten 20 Jahren aufrüsten musste, um halbwegs aufzufangen, was an anderer Stelle immer mehr wegbricht.
    Ich mach diesen Rüstungswettlauf aus Verantwortungsgefühl gegenüber den Kindern meiner Klassen gerne mit, aber ich möchte mal zu bedenken geben:
    1. Ist der Lehrerberuf am Ende -trotz allen Idealismus- auch nur ein Job, der von Menschen ausgeübt wird und nicht von Dienstleistungsunternehmen.
    2. Bei allem Profitum/Idealismius/Aufrüsten in Sachen Methodik/Didaktik und dem Verantwortungsgefühl gegenüber den Schützlingen:
    Ein Kind ist nur 4-5 Stunden an 5 Tagen der Woche in der Schule und muss sich die Aufmerksamkeit des Lehrers mit 15-20 anderen Kindern teilen...
    ...völlig ausreichend für Eltern, die den Erziehungs- und Bildungsauftrag an ihrem Kind bei sich sehen und bereit sind, ihn regelmäßig mit der Schule abzustimmen ...
    ...und völlig unzureichend für die Kinder von Eltern, die allein Schule als Dienstleister für den Erziehungs- und Bildungsauftrag an ihren Kindern ansehen.

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