Antwort auf wenn der Brief dann länger braucht, Fristgebundene Schriftsätze von p2m@.
Ohne es explizit zu benennen, ist Dir in den Antworten schon aufgezeigt worden, daß Deine Sichtweise nicht mehr ganz aktuell ist - um es vorsichtig zu formulieren...
Rechtsanwälte sind _verpflichtet_ sich ein "besonderes elektronisches Anwaltspostfach" (beA) einzurichten und es zu nutzen.
Die NRW-Gerichte (Justiz ist Ländersache, deswegen gibt es da noch Unterschiede) sind auf eAkte umgestellt.
So weit, so gut. Kommen wir zur Praxis...
beA: Google ist Dein Freund... Zusammengefasst: Pleiten, Pech und Pannen. (Mein persönliches high light: 450 km einfache Strecke hin und zurück, um ein Schriftstück beim AG Altona fristgerecht einzuwerfen. Grund: Die server des beA wurden kurzfristig für mehrere Tage abgeschaltet. Deutsche Pest AG ist nicht zuverlässig genug und Kurierdienste sind teurer als selber fahren.)
eAkte: In den letzten Monaten habe ich bei rund einem Drittel der Verhandlungen, die ich beobachtete, den Moment erlebt, in dem der Richter (nicht selten auch eine Richterin) ausführte, warum die real existierende eAkte eine Vermehrung des Arbeitsaufwands bedeutet. Meist ging es um die Bedienbarkeit - also faktische Unfähigkeit der programmierenden Nerds, sich in die Aufgabenstellung hinein zu denken oder grundsätzliche Unzulänglichkeiten von IT, die mitnichten immer einen Fortschritt gegenüber seit Jahrhunderten entwickelter, analoger Arbeitstechniken bedeutet.
Kurz, die Forderung nach "Digitalisierung" ist erstmal und meist bull shit bingo. Entsprechend sehen dann die eingeführten IT-"Lösungen" aus. Wer's nicht glaubt, der konsultiere Fefe, dem man vieles, aber keine IT-Feindlichkeit vorwerfen kann.
Letzteres nehme ich auch für mich in Anspruch, der seit 1987 Computer nutzt und dadurch vieles (gern) machen konnte, was ohne IT schlicht nicht möglich gewesen wäre. Das führt aber nicht dazu in den "Zauberkästchen" (PC, Dummphone et al.) das Mittel zu sehen, mit dem man umgehend ins "Paradies" gelangt. Post, Verwaltung und Justiz sind zu existenzielle Bereiche in einer Industriegesellschaft, als daß man dort den it-is-not-a-bug-it-is-a-feature-Leuten ein Betätigungsfeld einräumen sollte.
Gruß trainspotter