Die Überschrift ist gut und bringt das Problem auf den Punkt.
Das nämlich liegt nicht bei Prof. Drosten, sondern bei BILD & Co, vor allem aber bei Parlamenten, Gerichten und Medien, die seit einigen Jahren schlicht auf Argutainment umgeschwenkt sind und ihre Rollen nicht mehr wahrnehmen.
Just die Professoren Christian Drosten und Hendrik Streeck illustrieren das perfekt. Beide hatten zu Beginn der Pandemie wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt und publiziert, die der Regierung und der BILD-Zeitung überhaupt nicht gefielen. Prof. Streeck hatte die Grundlage für die Aufhebung der Einschränkungen im Mai 2020 gelegt, was der Regierung überhaupt nicht passte. Prof. Drosten hat mit der im Artikel beschriebenen Untersuchung die Entscheidung in Frage gestellt, Schulen ohne jede Schutzmaßnahme zu öffnen.
Beide Arbeiten wurden als Vorveröffentlichung publiziert - und haben sich inzwischen als völlig korrekt, solide wissenschaftliche Arbeiten erwiesen.
Was allerdings BILD, die öffentlich-rechtlichen und die Regierung nicht davon abhielt, beide Arbeiten und ihre Autoren mit gezielten Angriffen und Unterstellungen völlig zu diskreditieren.
Prof. Drosten hat wohl für sich entschieden, den Balanceakt zu versuchen, eine Linie zu finden zwischen Argutainment und Wissenschaft, und sich dabei recht gut aus der Affaire gezogen.
Prof. Streeck hat sich für die Position des Wissenschaftlers entschieden und dadurch massive persönliche Nachteile in Kauf nehmen müssen, weil er von Politik - die direkt oder indirekt einen Großteil der Wissenschaft finanziert und damit kontrolliert - und von den Medien ausgegrenzt und gemobbt wurde.
Auch zum Nachteil Deutschlands übrigens: Prof. Streeck hatte im Oktober 2020, vor dem ziemlich sinnlosen Wellenbrecherlockdown und zigtausend Coronatoten vor allem in Alten- und Pflegeeinrichtigungen - gefordert, Risikogruppen gezielt zu schützen und für den Rest der Bevölkerung die Einschränkungen minimal zu halten, da wir uns auf eine lange Pandemie einstellen müßten. Prof. Lauterbach hat damals gefordert, Prof. Streeck und die kassenärztliche Vereinigung, die ähnliche Forderungen gestellt hatte, "auf Linie zu bringen."
Prof. Lauterbach hat gewonnen, Deutschland verloren.
Vor einigen Wochen hat eine Expertenkommission im Auftrag des Gesundheitsministers die Coronamaßnahmen analysiert und bewertet. Ergebnis: Es gibt keinerlei Daten, die Notwendigkeit oder Wirksamkeit eines Großteils der Einschränkungen belegen könnten. Die Kontaktverfolgung ist weitgehend sinnlos - erfolgversprechend wäre sie nur, wenn man frühzeitig Ausbruchsherde identifizieren und dann über Kontaktverfolgung isolieren könnte.
Es hat weder die Medien gestört, dass es keinerlei wissenschaftliche Grundlage gab und gibt für massive Grundrechtseinschränkungen, noch die Parlamente in Bund und Ländern und schon gar nicht die Gerichte, die bis hinauf zum Bundesverfassungsgericht auch die fragwürdigsten Regierungsentscheidungen ohne Prüfung durchgewunken haben.
Wenn wir als Gesellschaft unsere Wissenschaftler dermaßen ins Abseits verbannen, dann ist es müßig, auch noch au die Wissenschaftler ein zu prügeln.