Der Autor solle mal besser in den Spiegel schauen, um den Balken im eigenen Auge zu erkennen, statt auf vermeintliche Splitter in den Augen anderer mit Fingern zu zeigen. Einen derart herablassenden Kommentar habe ich hier nämlich schon länger nicht mehr gelesen.
Viel schlimmer ist, dass der Autor tatsächlich zu glauben scheint, dass er auf der Seite der Wissenschaft stünde. Das tut er nicht. Er mokiert sich darüber, dass Kehlmann keine Impflücke sehen würde. Die sehe ich auch nicht, denn um eine Impflücke feststellen zu können, müsste man den Immunstatus, den die Bevölkerung durch Impfung und Infektion erworben hat, erheben. Entsprechende Studien lassen aber weder das Bundesgesundheitsministerium noch das RKI in Auftrag geben - womöglich aus Angst, dass dabei, wie in anderen Ländern, herauskommt, dass nahezu die gesamte Bevölkerung durch Impfung, Infektion oder beides bereits hinreichend immunisiert ist und dass man die allgemeine Impfkampagne, wie in anderen Ländern, konsequenterweise einstellen müsste. Statt dessen fantasiert man sich auf der Grundlage von Impfzahlen, von denen man weiß, dass sie nicht stimmen, eine "Impflücke" herbei.
Er behauptet auch einfach so ohne jegliche Faktengrundlage, dass in diesem Sommer in diesem Land täglich hundert Menschen an Corona gestorben wären. Auch das ist esoterischer Unfug. Das Serum-Institut, das ist das dänische Pendant zum RKI, ist im Februar (!) zu dem Schluss gekommen, dass mit dem Aufkommen der Omikron-Variante immer mehr Menschen nur (zufällig) mit Corona und nicht an dem Virus gestorben sind (https://en.ssi.dk/news/news/2022/mortality-due-to-covid-19-in-denmark-is-not-increasing-as-much-as-are-case-numbers). In anderen Ländern, namentlich in Dänemark, müssen Ärzte der Seuchenbehörde nämlich auch melden, ob ihrer Meinung nach eine Corona-Infektion Hauptursache, Nebenursache oder keine Ursache für den Tod ist. Das wird hierzulande gerade nicht gemacht.
Die Verbreitung von nicht evidenzbasierten Vermutungen, die der Autor, genauso wie viele anderen Experten, die Lesungen im taz-Café besuchen, betreibt, ist das genaue Gegenteil von "Folloe the science"!