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  • Diogenius

758 Beiträge seit 16.10.2008

Moorhuhnprogrammierassistenten und Handyhüllendesiger

Der Nerd ist der kleine Angestellte mit einem leicht modernisierten
Image und einer ulkigen Fachterminologie. Die größten Leistungen der
deutschen Nerds waren bislang Moorhuhn1-3 sowie die Siedler 1-7 und
das eingegangene Studi VZ. Die Generation der Handytaschendesigner
und iPhone-Vorzeiger hat eine seltsame sektenartige Szenenkultur
entwickelt, die in dem lächerlichen Versuch eines politischen
Engagements als Laberpiraten kumulierte, und wieder mal abgestürzt
ist. Das Medium hat eben keine Message, sondern nur eine Kultsprache.
All die notorischen Passworthacker haben jetzt die Festplatten
randvoll mit mp3-Files und Spielfilmen, während sich die reale
Kulturszene in eine aufgeblasene, gut überwachte Wüste verwandelt.

Die Attraktivität der kleinen Angestellten aus der IT-Branche hält
sich natürlich in einkommensbedingten engen Grenzen, so tun sich auch
nur wenige Frauen dieses Elend an. Dann programmieren die Nerds
verzweifelt Dating-Apps, aber er Erfolg hält sich in engen Grenzen,
was wiederum zu einem immensen Zuwachs der Pornofiles auf den eh
schon überfüllten Festplatten führt. Das wiederum erzeugt eine
gehörige Paranoia, schon wegen der immensen Anzahl an Raubkopien im
digitalen Archiv. Unser Nerd kann also jederzeit empfindlich bestraft
werden, was seine gesamte Kalkulation mit den Golf-Raten gefährdet.
Es bleibt die Erkenntnis, dass eine Existenz als kleiner Angestellter
schon immer knapp an prekären Verhältnissen vorbeigeschrammt ist. Das
eigentliche Narrativ besteht darin, diese Fakten durch eine
illusionäre Imagepflege zu verschleiern.

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