Und das, was Luke Magnotta da gemacht hat im Internet, das ist sogar noch eine ganze Ecke krasser als das, was da im Tatort München gezeigt wurde.
https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/schau-mich-an-stark-100.html
"2011 hatte der 28-jährige Kanadier Luka Magnotta anonym mehrere Videos ins Netz gestellt, in denen er Kätzchen erst quälte und dann zu Tode brachte.(...) Im Mai 2012 hatte Magnotta einen jungen Mann vor laufender Kamera getötet, seine Leiche geschändet und Filmaufnahmen der Tat ins Internet gestellt. Magnotta war anschließend nach Berlin geflohen, wo er in einem Internetcafé erkannt und festgenommen wurde. Danach wurde er in Kanada zu lebenslanger Haft verurteilt.
(...)
Amokläufer und Serienkiller handeln aus den unterschiedlichsten Gründen: Frustration, Einsamkeit, Verzweiflung, Hass. Doch ihr Ziel ist oftmals das gleiche: Einmal in ihrem Leben wollen sie im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und damit unvergesslich, ja unsterblich werden.
(...)
Als Autor wollte ich mit 'Schau mich an' vor allem Fragen stellen: Was fasziniert uns an diesen Menschen? Wieso lassen wir ihnen so eine Aufmerksamkeit zukommen? Und warum wird nichts dagegen unternommen, dass das Internet das Bedürfnis nach Anerkennung pervertiert, und warum werden unsere Kinder nicht vor offen zur Schau gestellten Grausamkeiten geschützt? Als Regisseur trug ich diese Fragen im Gepäck, wollte aber kein moralisches Lehrstück drehen, sondern einen spannenden und 'unterhaltsamen' Tatort. Damit bin ich ein Teil dieser Maschinerie. Diesen Widerspruch gilt es auszuhalten."
Der "Macher" dieses Tatorts dazu, Christoph Stark.
Und so ganz nebenbei stelle ich mir bei diesem TP-Artikel die Frage:
Warum in aller Welt schauen sich Menschen Filme mit getöteten und ermordeten Menschen an, wenn sie eigentlich gar keine Filme mit getöteten und ermordeten Menschen sehen wollen? Wenn sie keinen "Tod im Häcksler" sehen wollen (diese Folge hat ebenfalls zu einer Kotroverse geführt..) oder keinen Snuff-Tatort wie den hier jetzt, weil die existentielle Fragen der Psyche tangieren, dann sollen sie eben umschalten. Damit sie nicht "Kriminalpolizisten ermitteln in den Abgründen menschlichen Daseins" sehen müssen. Dann sollen sie eben die Försterliesel oder so was auf 3Sat schauen. Oder einen der unzähligen hingepilcherten, seichten Seichtberieselungsfilme, die das ZDF für gewöhnlich in Massen im Programm hat. Da gibt es dann schöne heile Welt und am Ende ist alles gut (für gewöhnlich - außer es gibt eine Fortsetzung, dann ist da alles wieder gut...). Und für die jungen Menschen gibt es auf ARD One und ZDF Neo dann auch mehr als genug seicht-gepilchertes, nur eben in modern. Und sogar manchmal einen Hauch progressiv und feministisch, passend zum Zeitgeist...falls einem der alte Heimatschinkenkram und der Renternerfilmwust aus dem ZDF zu tröge und zu alt und weiß und zu männlich dominiert sein sollte.
Ich jedenfalls fand den Tatort sehr gelungen - auch weil er eben ganz bewusst auf übertriebene Grausamkeiten und übertriebene Gewaltdarstellungen verzichtet hat bei diesem doch intensiven Thema. Denn wie schon anfangs erwähnt ist das Material des echten Täters (und das, was er mit der Leiche seines noch so alles gemacht hat) noch wirklich eine ganze Ecke heftiger gewesen. Der hat damals nämlich wirklich extreme Snuff-Filme online gestellt, bei denen bewusst "alles" gezeigt wurde. Und da hat der Tatort eben nicht nur ganz auf die Splatterszenen mit einem Eispickel verzichtet (die werden nur in den Spuren angedeutet...), sondern auch gänzlich auf die zentrale Thematisierung von Kannibalismus und Nekrophilie mit seinem toten Ex-Lover - für den Ruhm als bekannter Mörder. Und vermutlich weil er wohl auch intensive Lust dabei empfunden hat...
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (09.04.2024 00:09).