Es brauchte zu viel Zeit, auf die 90er Jahre, die Beziehung Jelzin-USA und die "Filetierung der Sowjetunion" etc. einzugehen. Ebenso wenig hilft wohl der Hinweis auf die Versicherung "no inch more", die NATO würde keinen Millimeter weiter nach Osten vordringen. Die NATO und der mit ihr verbundene militärisch industrielle Komplex (Eisenhower) braucht für ihre Existenzberechtigung zwingend einen Konflikt. In Verbindung mit alten Vorurteilen kommt Russland da wie gerufen.
Vor diesem Hintergrund sind auch die "Angstschreie" der osteuropäischen Länder zu verstehen. Diese Erklärungen verfolgen doch letztlich drei ganz andere Ziele: 1) Die Schreie sollen (wie bei Kleinkindern) die Aufmerksamkeit der mächtigeren Partner, besonders der USA (statt der Eltern), erregen. 2) Die geäußerte Hilfsbedürftigkeit soll Hilfe / Geld in die Länder bringen. 3) Wenn die Regierungen mit diesen Hilferufen erfolgreich sind, können sie diesen Erfolg auch innenpolitisch nutzen (in jedem Fall kann aber auch die ausgemalte Gefahr die eigene Position im innenpolitischen Diskurs stärken).
Aber auch die Akklamation hehrer Prinzipien wie das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die der "Westen" vor sich her trägt sind doch nur demagogische Floskeln. Wie oft haben die USA andere Länder überfallen, wie viele Kriege haben sie geführt, wie viele Staaten haben sie bedroht, wie oft haben sie regime changes herbeigeführt / unterstützt - mit Millionen Opfern? Die Claqueure, die diese "Werte" durch den "Westen" vertreten sehen, meinen damit doch nur die Fähigkeit ihre Interessen auf Kosten anderer durchsetzen zu können. Denn Grundlage ihrer Argumentation ist immer noch "Quod licet Iovi, non licet bovi"! (Was wir dürfen, dürfen andere noch lange nicht.)
Selbstverständlich muss man sich dabei auch nicht um eigene Grundsätze scheren. Gemäß NATO-Vertrag können eigentlich keine Staaten mit offenen Konflikte und ungeklärten territorialen Ansprüchen Mitglied werden. Solange also die NATO die Krim als von Russland annektiert betrachtet, wäre also eine Aufnahme der Ukraine ausgeschlossen. Ähnliches gilt für Georgien, Moldawien, Aserbaidschan, Armenien ...
Den USA und der von ihr dominierten NATO geht es nicht um Sicherheit in Europa - ein Kriege in Europa tut den USA nicht sonderlich weh. Es geht um strategische Ziele, es geht um Global Dominance - und um die russischen Rohstoffe. Die Berücksichtigung einzelner Sicherheitsinteressen sind da eher hinderlich.