Bei Coronamaßnahmen (egal welche), Straßenbau, Wohnungsbau und den Krankenhäuser verdienen keine Aktionäre oder Lobbyisten mit? Das bezweifle ich. Es sind nur andere.
Je stärker ein Bereich vom Staat kontrolliert wird (und bei Rüstung ist das notgedrungen so), umso größer der Anreiz für Lobbyismus. Rüstungspolitik wird keinen Erfolg haben, wenn sie gegen die Industrie ankämpft anstatt sie als Partner zu sehen. Es ist durchaus sinnvoll die Industrie frühzeitig in rüstungspolitische Entscheidungen einzubinden, denn die Industrie muss die Vorhaben ja am Ende umsetzen.
Daran dass Aktionäre Geld verdienen ist genau so wenig falsch wie daran dass Unternehmen Geld verdienen. Das ist ihr Daseinszweck. Für staatliche Inkompetenz sind sie nicht verantwortlich. Sie profitieren nicht nur davon, sie leiden auch darunter.
Je mehr eigene Expertise eine Regierung aufbaut, umso eher ist sie in der Lage die Aussagen der Industrie kritisch zu hinterfragen. In vielen Bereichen gibt es inzwischen auch NGOs, die eine Gegenlobby zur Industrie bilden. z.B. im Energiebereich. Im Rüstungsbereich gibt es hier großen Nachholbedarf - das Thema war lange Zeit so weit hinten auf der Agenda, so komplex und so "Bähbäh", dass sich kaum ein Aktivist dort engagieren mochte, außer im Sinne von "Schwerter zu Pflugscharen". Das ist allerdings ein eher schwieriges Konzept, um das Beschaffungswesen der Bundeswehr kritisch zu begleiten.