Ansicht umschalten
Avatar von Pnyx (1)
  • Pnyx (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.2017

Vermischung

Nach der Lektüre des ersten Teils war ich davon ausgegangen, da wolle einer sich philosophierend mit Philosophie befassen. Das war offensichtlich ein Irrtum. Über Begriffs-Dropping kommt Schleim kaum hinaus, jedenfalls nicht wenn es um Philosophie geht. Stattdessen thematisiert der zweite Teil seiner Reihe in erster Linie den Stand naturwissenschaftlicher Forschung, bezüglich des menschlichen Hirns - kläglich -, aber auch vermeintlich simpler physikalischer Phänomene - fortgeschrittener, aber oft noch erstaunlich ungesichert. Das ist soweit verdienstvoll, arbeitet es damit doch weit verbreiteten menschlicher Hybris entgegen. Menschliches Tun-Können geht weit über Wissen und vorallem Verstehen hinaus. Daher auch die immer wieder auftretenden sehr unangenehmen Überraschungen.

Hat man die Vorstellung, dass Materie das grundlegende Prinzip der Welt ist, nicht längst hinter sich gelassen? Vielleicht.

Es ist nicht klar, worauf diese Aussage abhebt, am ehesten auf den quantenphysikalischen Welle-Teilchen-Dualismus. Philosophisch interpretiert klingt es wie eine Absage an materialistische Strömungen, etwa den historischen Materialismus.

Die implizite, also nicht weiter thematisierte Vermischung physikalischer und philosophischer Weltansichten ist mindestens problematisch. Der Umstand, dass auf dem heutigen Stand der Naturwissenschaft schleierhaft bleibt, wie Bewusstsein entsteht, überhaupt entstehen kann, spielt philosophisch nicht eigentlich eine Rolle. Es reicht festzustellen, dass Bewusstsein auf ein materielles Substrat angewiesen ist - wobei damit der ganze Körper gemeint ist, nicht bloss das Gehirn -, wie auch immer dieses Angewiesensein naturwissenschaftlich erklärbar wäre. Damit wird deutlich, dass dualistische Ansätze im Sinne Descartes absurd sind und mit ihnen die in der Science Fiction immer wieder thematisierte völlige Loslösung - Befreiung? - vom Körper und damit vom Vergänglichen. Das Ganze entpuppt sich als magisches, den Tod überwinden wollendes Denken. Wahrscheinlich aber ein Treiber menschlichen Über sich hinaus wachsen Wollens, also gleichzeitig irrig und wirksam. Kombiniert mit der durch das real existierende Wirtschaftssystem erzeugten einschlägigen Übermotivation resultiert eine Rastlosigkeit, ein Hyperaktionismus, der die - materiellen - menschlichen Lebensgrundlagen nachhaltig beschädigt.

Bewerten
- +
  • Avatar von TomGard (1)
    • TomGard (1)

    mehr als 1000 Beiträge seit 11.03.2020

    Antwort auf Vermischung von Pnyx (1).

    Menschliches Tun-Können geht weit über Wissen und vorallem Verstehen hinaus. Daher auch die immer wieder auftretenden sehr unangenehmen Überraschungen.

    Für mich die einzig diskutable Aussage in deinem Zeug, im Sinne einer strikten Zurückweisung.
    Nachdem die (system-theoretisch anzunehmenden) Protozellen gelernt hatten, äußeres Material zu inkorporieren, mußten sie pronto lernen, zu kacken. Anders ist es blitzartig vorbei mit dem Korpus.
    Sollte man bei geistiger Inkorporierung beachten.

    Bewerten
    - +
  • Avatar von Klaus N
    • Klaus N

    mehr als 1000 Beiträge seit 28.09.2004

    Antwort auf Vermischung von Pnyx (1).

    Pnyx (1) schrieb am 11.04.2021 19:27:

    Der Umstand, dass auf dem heutigen Stand der Naturwissenschaft schleierhaft bleibt, wie Bewusstsein entsteht, überhaupt entstehen kann, spielt philosophisch nicht eigentlich eine Rolle. Es reicht festzustellen, dass Bewusstsein auf ein materielles Substrat angewiesen ist - wobei damit der ganze Körper gemeint ist, nicht bloss das Gehirn -, wie auch immer dieses Angewiesensein naturwissenschaftlich erklärbar wäre. Damit wird deutlich, dass dualistische Ansätze im Sinne Descartes absurd sind und mit ihnen die in der Science Fiction immer wieder thematisierte völlige Loslösung - Befreiung? - vom Körper und damit vom Vergänglichen.

    Einverstanden, was die Notwendigkeit des materiellen Substrats für ein Bewusstsein angeht (auch wenn ich mir nur zu 99% sicher bin). Skeptischer bin ich, ob tatsächlich ein biologischer Körper als Substrat erforderlich ist. Mein Überraschungsgrad wäre jedenfalls geringer, wenn Telefone in 30 Jahren philosophieren würden, als wenn eine körperlose Stimme intoniert 'Ich bin der HERR, ...'.

    Bewerten
    - +
Ansicht umschalten