waren einmal vereint, als das Wissen beider Gebiete, wie ja hier bereits gesagt wurde, noch in einen menschlichen Geist passte,
Auf beiden Gebieten hat sich aber inzwischen soviel erarbeitetes Wissen angehäuft, dass kein Mensch auch nur eines der beiden Gebiete vollständig überschauen kann.
Noch schwieriger wird es, wenn aus einem übergreifenden Welterklärungsanspruch im anderen Gebiet "gewildert" wird. Dies kann durchaus manchmal auch zu fruchtbaren Ergebnissen führen, sollte aber mit der nötigen Vorsicht betrieben werden, vor allem, wenn das nötige Verständnis nicht ausreichen vorhanden ist.
Beispiel:
Warum ist Eis glatt?
Das neue Modell von Forschern an der Universität von Amsterdam und dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz erklärt Glätte aber anders: Auf der obersten Eisschicht seien die Wassermoleküle weniger verbunden und könne man über sie wie über Baumstämme rollen.
Damit ein Wassermolekül "rollt", müssen die Bindungen zu den Nachbarmolekülen kurzzeitg gebrochen werden.
Dieses kurzzeitige Brechen und Wiederherstellen von Bindungen zu Nachbarmolekülen (bei Wasser und Eis übrigens mit relativ schwachen Wasserstoff-Brückenbindungen) kennzeichnet aber den Aggregatzustand "flüssig", den wir gegenüber Eis "Wasser" nennen.
Die neue Erklärung ist also gar nicht so wesentlich anders als die ältere, beschränkt quasi nur den dynamischen "flüssigen" Zustand (Wasser) auf eine monomolekulare Schicht.
Dass Überschriften von Nature-Artikeln immer etwas reisserisch zugespitzt werden müssen, kennt man in der Community.
Schon bei so einem einfachen Vorgang wie dem Heben des Arms auf Anweisung haben wir keine vollständige wissenschaftliche, geschweige denn naturwissenschaftliche Erklärung, sondern bestenfalls nur eine Blaupause dafür, wo man ansetzen könnte.
Hier zeigt sich m.E. ein fundamentales Missverständnis bei der Beurteilung von dem, was als "einfach" angenommen wird.
Auf Eis rutscht man aus, weiß doch jeder. Also muss es "einfach" sein.
Den Arm heben auf Geheiß, kann doch jedes Kind. Also glaubt man, dass es ein "einfacher" Vorgang wäre.
Letzteres ist aber ein sehr komplexer Vorgang, der Hunderte Millionen Jahre Evolution brauchte, um sich herauszubilden, allein schon Nervenleitung, Steuerung von Muskeln ..., weit vor der Entwicklung des Menschen, nicht zu reden von den dem Prozess zugehörigen Hinraktivitäten, ...
Hieran war und ist nichts als "einfach" zu vermuten.
Es ist vielmehr ein Beispiel für das hochkomplexe Zusammenspiel von Bewusstsein und körperlichem Agieren, das noch bei Weitem nicht verstanden ist.
(Bewusstsein hat sich nicht nur beim Menschen herausgebildet. Auch Tiere besitzen eine Form von Bewusstsein, sonst "wüßte" ein Raubtier nicht, wo sein Körper aufhört und der des Beutetieres anfängt.)
"Einfach" ist hingegen die Beschreibung der Bewegung von Elektronen in einer Brown`schen Röhre, oder einem alten Fernseher.
Die Stärke der Naturwissenschaften, z.B. Physik, liegt darin, Phänomene der (Um)Welt möglichst auf das Wesentliche zu reduzieren (notfalls auch zu isolieren), um dann mittels gezielter und reproduzierbarer Experimente Fragen an die Natur zu stellen, um aus den erhaltenen Antworten dann mit Hilfe mathematischer Beschreibungen zu einem tieferen Verständnis zu kommen. Die dabei benutzen Instrumente erweitern die Sensorik unserer menschlichen Sinne in allen Dimension um viele Größenordnungen.
In dem Maße, wie einfache Prinzipien verstanden sind, wandte man sich zunehmend auch der Erforschung komplexer Systeme zu. Am Prinzip, mittels reprodzierbarer Experimente zu Ergebnissen zu kommen, hat sich aber nichts geändert.
Bei der Interpretation naturwissenschaftlicher Ergebnisse sollte man sich aber auch auf das beschränken, wovon man etwas versteht und worüber man auch wirklich etwas aussagen kann. Aus der zeitlichen Reihenfolge von Nervensignalen auf das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines "freien Willens" schliessen zu wollen, eine Diskussion, die vor Jahren durch den Blätterwald ging, ist vollkommen überzogen. Reine Effekthascherei.
M.E. hat jede Disziplin auf ihrem ureigenen Gebiet noch genug zu tun.
Die vordringlichste Aufgabe der Philosophie, gemeinsam mit den Gesellschaftswissenschaften wäre es m.E. die Ursachen für die immer wieder auftretenden Feindbildungen sowohl in der Geschichte der Menschheit wie auch aktuell zu erforschen und vor allen Dingen gangbare Wege aufzuzeigen diese zu beseitigen. Die Kulturgeschichte der Menscheit ist nämlich eine einzige Folge von Kriegen und Massakern.
Wir müssen, gerade im Zeitalter einer anhaltenden nuklearen Bedrohung, endlich einen Weg finden, wie die Menschheit friedlich miteinander auskommt.
Hier sind die "Freunde der Weisheit" in allererster Linie gefragt.