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  • Mathematiker

mehr als 1000 Beiträge seit 22.02.2014

Philosophen und der letzte seiner Art

Gottfried Wilhelm Leibniz
Er war der letzte, den man noch als Universalgelehrten bezeichnen konnte.
Und Ende der 20'er Jahre des letzten Jahrhundert wurde die Trennung zwischen der Mathematik und der Physik vollzogen.

Die geisteswissenschaftliche Ausbildung, mit ihrem Magister Artium ist auf dem Niveau der Gelehrten aus dem Mittelalter und den Kindertagen der Aufklärung stecken geblieben. Wenn sich die Philosophen auf das Terrain der Naturwissenschaften wagen, dann wirkt das oft unfreiwillig komisch.

Die Materie als solche, reicht schon nicht aus, um die Klassische Mechanik aus der Physik vollständig zu beschreiben. Man benötigt da schon zusätzlich die Wechselwirkung und die Dynamik. Aber eine Bewegung, als solche, ist schon nichts "stoffliches" mehr.
Nimmt man noch die anderen Wechselwirkungen und naturwissenschaftlichen Disziplinen hinzu gibt es da einen hochkomplexen Zoo, der weit davon entfernt ist, vollständig verstanden zu sein. Und über allem thront die Mathematik. Völlig inmateriell, aber trotzdem ein unumstößliches Regelwerk, das dem menschlichen Verstand teilweise zugänglich ist.

Das Manifest elf führender Hirnforscher

So etwas ähnliches könnten die Hardware-Ingenieure auch unterschreiben.
Klar, kennt man die Regionen (Speicher/Chips, Festplatte, etc.) und kann deren Grundfunktionalität sehr gut beschreiben, aber in welchen Speichereinheiten auf der Festplatte genau eine Datei abgelegt wird? No way. Das läßt sich vielleicht gerade einmal noch vorhersagen, wenn man praktisch mit einem jungfräulichen System starten würde. Aber bei einem schon in Betrieb befindlichen System mit "Vergangenheit"?
Und im Gegensatz zum Gehirn, dass ja ein paar Millionen Jahre entwicklungszeit hinter sich hat und hochkomplex ist, geht man ja in der Informatik Bottom-Up. D.h. bei der guten alten Z1 hatte man schon eine sehr klare Vorstellung davon was die Büchse gerade genau treibt. Aber beim heutigen Computer, mit seinen vielen Schnittstellen, Programmen und nebenläufigen Prozessen?

Schon bei so einem einfachen Vorgang wie dem Heben des Arms auf Anweisung haben wir keine vollständige wissenschaftliche, geschweige denn naturwissenschaftliche Erklärung, sondern bestenfalls nur eine Blaupause dafür, wo man ansetzen könnte. Jeder von uns kann sich beliebig komplexere Beispiele ausdenken.

Die Physik funktioniert auch nur mit "Blaupausen". Entweder kann ein System näherungsweise vollständig beschreiben, indem man hinreichend die Nebenbedingungen im Griff hat, dann hat man im besten Falle eine hinreichend einfache Formel mit der man das Resultat vorhersagen kann. Oder man bewegt sich im Bereich der Statistik. Die Modelle und Verfahren zur Wettervorhersage sind mittlerweile sehr gut geworden.
Bewegt man sich im dem Bereich der KI mit assoziativen Datenbanken, die der menschlichen Denkweise sehr ähnlich sind, landet man schnell bei einem ähnlichen Problem, wie mit dem Heben des Armes. Und das, obwohl man die Stellschrauben, z.B.. die Triggerpunkte noch grundsätzlich beinflussen kann.
Den Büchsen kann man fast alles beibringen und die sind bei der Interpretation des menschlichen Interaktion oft besser als der Mensch.
Der HAL, der seinen Patienten besser versteht, als ein menschlicher Psychologe?
Längst nicht mehr undenkbar.

Mal etwas ketzerisch anders herum gefragt:
Wenn man statt dem Anspruch ein Phänomen vollständig mit Mitteln der Naturwissenschaften und Formalwissenschaften beschreiben zu können, dieses mit den Mitteln der Technik und Formalwissenschaften exakt nachbauen kann, wo stehen wir dann? Fährt dann dort irgendwann einmal der "heilige Geist" hinein?

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