erklären, wenn nicht wissenschaftlich?
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Antwort auf Grundsatzfrage: wie will man denn "Phänomen" von OnkelHa.
OnkelHa schrieb am 11.04.2021 21:43:
erklären, wenn nicht wissenschaftlich?
Aus der Kategorie falsch zugeordnete und verballhornte Zitate: "Wer Phänomene hat sollte das wissenschaftlich erklären also zum Arzt." (Namensgeber der Heimat Schutz Universität Hamburg). Pardon für die Albernheit, Visionen Phänomen Erscheinung ist einerlei, ja wie wenn nicht wissenschaftlich? O:-)
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Beispiel
Antwort auf Grundsatzfrage: wie will man denn "Phänomen" von OnkelHa.
Dass die Busse & Bahnen am Wochenende anders getaktet sind als unter der Woche, hängt vielleicht damit zusammen, dass es dann weniger Berufspendler gibt?
Dafür reichen ein paar logische/vernünftige Prinzipien; und man wird sicher keine bessere Erklärung finden, wenn man die Atome usw. der Busse & Bahnen untersucht.
Dass in Deutschland an Sonntagen mehr Geschäfte geschlossen sind, als in den Niederlanden, hängt vielleicht mit dem größeren Einfluss der Kirchen zusammen?
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Antwort auf Beispiel von Stephan Schleim.
Stephan Schleim schrieb am 11.04.2021 22:54:
Dass die Busse & Bahnen am Wochenende anders getaktet sind als unter der Woche, hängt vielleicht damit zusammen, dass es dann weniger Berufspendler gibt?
Dafür reichen ein paar logische/vernünftige Prinzipien; und man wird sicher keine bessere Erklärung finden, wenn man die Atome usw. der Busse & Bahnen untersucht.
Aber "wissenschaftliche Untersuchung" bedeutet doch nicht zwangsläufig das man nur die Atome untersucht.
Dass in Deutschland an Sonntagen mehr Geschäfte geschlossen sind, als in den Niederlanden, hängt vielleicht mit dem größeren Einfluss der Kirchen zusammen?
Alles kann man mit Wissenschaft untersuchen. Vielleicht nicht mit Physik aber auch in der Geisteswissenschaft kann man nach wissenschaftlichen Prinzipien arbeiten und muss nicht nur Vermutungen aufstellen.
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Antwort auf Re: Beispiel von Spießbürger.
Alles kann man mit Wissenschaft untersuchen - aber folgt daraus auch im Umkehrschluß, daß man nichts ohne Wissenschaft untersuchen kann?
Das steht und fällt mit dem "Wissenschaft"s-Begriff. Wenn ein Kind Wasser in einen Plastikbeutel füllt und ins Gefrierfach legt, um zu sehen, was am nächsten Tag im Beutel ist, kann man das bereits als Frühform von Wissenschaft deuten oder auch nicht, ganz nach Belieben. Im ersten Fall wird man es eher schwer haben, Dinge auszumachen, die man auch ohne Wissenschaft untersuchen kann (weil dann "untersuchen" und "Wissenschaft" quasi fest aneinander gekoppelt sind und nur die zufällige, nicht angestrebte Erkenntnis noch nicht-wissenschaftlich wäre). Im zweiten Fall hätte man zur Erklärung dann eben Optionen wie: Logik, vernünftige Prinzipien, Analogieschlüsse, allgemeine Erfahrungen, ...
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Antwort auf Re: Beispiel von Emrymer.
Emrymer schrieb am 12.04.2021 10:03:
Alles kann man mit Wissenschaft untersuchen - aber folgt daraus auch im Umkehrschluß, daß man nichts ohne Wissenschaft untersuchen kann?
"Können" kann man das natürlich nur ob es sinnvoll ist und zu "Richtigen" Ergebnissen führt ist eben fraglich.
Das steht und fällt mit dem "Wissenschaft"s-Begriff. Wenn ein Kind Wasser in einen Plastikbeutel füllt und ins Gefrierfach legt, um zu sehen, was am nächsten Tag im Beutel ist, kann man das bereits als Frühform von Wissenschaft deuten oder auch nicht, ganz nach Belieben.
Wenn das Kind daraus keine allgemeingültigen Schlüsse zieht ist das natürlich Wissenschaft. Warum auch nicht?
Logik, vernünftige Prinzipien, Analogieschlüsse, allgemeine Erfahrungen, ...
Es zeigt sich zu häufig das diese Dinge eben oft nicht zu den richtigen Ergebnissen führt. Gerade wenn man sich mit Wissenschaftsfeinden wie Kreationisten, Einsteinleugnern, Flacherdlern, Esoterikern usw. unterhält sieht man wie weit man mit diesen Prinzipien kommt.
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Was ist eine Erklärung?
Antwort auf Re: Beispiel von Spießbürger.
Spießbürger schrieb am 12.04.2021 09:51:
Aber "wissenschaftliche Untersuchung" bedeutet doch nicht zwangsläufig das man nur die Atome untersucht.
Stimmt – beim Reduktionismus läuft es im Endeffekt aber darauf hinaus.
Im Originalpost hieß es, ohne Wissenschaft könne man nichts erklären. Das impliziert, dass man z.B. vor dem 16./17. Jh. – oder wann man den Anfang der modernen Wissenschaft sehen will – gar nichts erklären konnte.
Oder warum ist der Aktienkurs von Alibaba heute um 4% gestiegen?
Warum liebt Hans Eva, Eva aber Fritz?
Es ist meiner Meinung nach schlicht falsch, Erklärung und Wissenschaft gleichzusetzen.
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Antwort auf Was ist eine Erklärung? von Stephan Schleim.
Stephan Schleim schrieb am 12.04.2021 14:34:
Spießbürger schrieb am 12.04.2021 09:51:
Aber "wissenschaftliche Untersuchung" bedeutet doch nicht zwangsläufig das man nur die Atome untersucht.
Stimmt – beim Reduktionismus läuft es im Endeffekt aber darauf hinaus.
Im Originalpost hieß es, ohne Wissenschaft könne man nichts erklären. Das impliziert, dass man z.B. vor dem 16./17. Jh. – oder wann man den Anfang der modernen Wissenschaft sehen will – gar nichts erklären konnte.
Nur weil im 16./17. Jhd der Beginn der modernen Wissenschaft war bedeutet nicht das es voher solchen Vorgehen gar nicht gab. Aber vorher (und natürlich auch nachher) gab es sehr viel was eben nicht überprüft wurde sondern nur anhand von Überlegungen als richtig angesehen wurde.
Bei Wissenschaft geht es nicht nur darum Dinge zu erklären sondern darum Überlegungen auf ihre objektive Richtigkeit zu überprüfen. Also Beobachtung -> Hypothese -> (möglichst unabhängige) Überprüfung der Hypothese bzw. Versuch der Falsifikation der Hypothese.
Es ist meiner Meinung nach schlicht falsch, Erklärung und Wissenschaft gleichzusetzen.
Was ist die Alternative zu Wissenschaft in diesem Fall?
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Antwort auf Was ist eine Erklärung? von Stephan Schleim.
Der Einwand mit dem 16. Jh. ist gut. Aber erklären kann man immer. Bsp.: Warum geht Hefeteig auf? Erklärung 1: Weil Hefe CO2 erzeugt. Erklärung 2: Weil Gott in den Teig pupst. Beides sind Erklärungen. Dödel geben sich noch heute mit Erklärung 2 zufrieden.
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Antwort auf Re: Beispiel von Spießbürger.
Wenn das Kind daraus keine allgemeingültigen Schlüsse zieht ist das natürlich Wissenschaft.
Weil ein zu weit gefasster Begriff unter Umständen wenig nützlich ist.
Wenn man "Wissenschaft" als langfristige, zielgerichtete, strukturierte Tätigkeit zum Erwerb von bislang insgesamt unbekanntem Wissen versteht, ist es beispielsweise keine Wissenschaft.Es zeigt sich zu häufig das diese Dinge eben oft nicht zu den richtigen Ergebnissen führt.
Das sagt man im Moment an anderen Orten in diesem Forum der Epidemologie, der Virologie und anderen Feldern der Medizin, aber auch der Ökonomie, den Wirtschaftswissenschaften, der Politik und anderen mehr ebenfalls nach. Es scheint sich dabei also um kein wesentliches Unterscheidungskriterium zu handeln...