Naturzucker schrieb am 24.08.2022 12:22:
Entweder erfindet Russland Gründe, warum man nun auch durch NS2 kein Gas liefern könne. Dies wäre eine Bestätigung des derzeitigen Narrativs und außerdem hätten wir dann Klarheit, was die Verlässlichkeit von Russland als Handelspartner betrifft. (Umgekehrt hegt sicherlich auch Russland berechtigte Zweifel an der Verlässlichkeit Deutschlands als Handelspartner und seiner Vertragstreue).
"Verlässlichkeit" ist nicht das richtige Wort.
Wenn ich mich (mehr oder weniger plötzlich - wie absehbar das war ist ein anderes Thema) auf der anderen Seite eines (ganz allgemein; scheissegal wer da wen angegriffen hat) militärischen Konflikts befinde, gibt es schlicht und einfach kein Interesse mehr an der Handelsbeziehung. Denn es ist beiden Seiten bewusst, dass beide Seiten einer Handelsbeziehung Vorteile daraus ziehen. Ansonsten würde niemals irgendein Handel zustande kommen.
Da wollen beide Seiten so schnell wie möglich raus. Und das ist verständlich und legitim. Es geht dann nur noch um zwei Dinge: Welcher Seite tut es mehr weh und wie kann man dabei immer noch Verlässlichkeit vortäuschen. Denn dieses Signal will man ja weiterhin gegenüber den eigenen Freunden ausstrahlen.
Das ist wie Beamtenmikado(*). Beide Seiten versuchen die andere Seite sich zwingen, so weit zu bewegen dass man ihnen als erstes Vertragsbruch vorwerfen kann.
Und deshalb ändert die Öffnung von NS2 exakt nichts. Es wäre dann im Interesse beider Seiten, wieder Gründe zu finden warum das jetzt auch nicht geht.
(*) wer sich zuerst bewegt hat verloren.