teutolith schrieb am 28.04.2022 15:11:
Wer der Ukraine das Recht zugesteht, sich ihre Bündnispartner selbst auszusuchen, muß dasselbe Recht auch den Salomonen zugestehen.
Die Salomonen und die Ukraine gleichzusetzen ist absurd. Das Sicherheitsabkommen zwischen China und den Salomonen ist kein Militärbündnis. Die Salomonen bedrohen niemanden. Sie haben überhaupt keine Armee. Es sind ein paar gottverlassene, bitterarme Inseln im Südpazifik, 2000 km von Australien und 12.000 km von den USA entfernt.
Die USA haben Milliarden in die Ukraine investiert, um das Land gegen Rußland in Stellung zu bringen. Eine Aufnahme der Ukraine in die NATO wäre selbstverständlich eine Beeinträchtigung der russischen Sicherheit.
Was hat andererseits China bisher getan, um den "freien Westen" von den Salomonen aus zu bedrohen? Sie haben 6 Polizisten geschickt. In Worten - sechs -.
https://www.theguardian.com/world/2021/dec/24/china-to-equip-and-train-police-in-solomon-islands-after-unrest
Anlaß des Sicherheitsabkommens war nämlich ein antichinesischer Pogrom, bei dem im November letzten Jahres die Läden chinesischer Geschäftsleute geplündert und angezündet wurden. Dabei kamen drei Menschen ums Leben, darunter zwei Kinder. Man wird Peking ja wohl zubilligen dürfen, daß ihnen am Schutz der Chinesen auf den Inseln etwas liegt und daß sie deswegen - im Übereinkommen mit der Inselregierung - Polizeiausbilder und Ausrüstung schicken.
Das Sicherheitsabkommen zwischen China und den Salomonen hat überhaupt nur marginale strategische Bedeutung. Die ganze Aufregung in den USA und in Australien hat mehr mit der Hysterie zu tun, die heute in Politik und Medien der Normalzustand zu werden scheint.
In Australien gibt es im Mai Parlamentswahlen. Wie üblich in unseren westlichen "Demokratien" werden im Wahlkampf nicht die realen Probleme der Wahlbürger diskutiert, sondern die regierenden National-Liberalen nutzen dankbar die Gelegenheit, eine von den Salomonen her drohende "chinesische Gefahr" in den lebhaftesten Farben auszumalen. Die Murdoch-Presse macht dabei natürlich mit.
Die USA betrachten die Pazifik-Inseln als ihren Hinterhof. Wenn die eine oder andere Insel dann doch mal Interesse an einem Belt and Road-Projekt zeigt, oder an chinesischer Unterstützung wie jetzt im Fall der Salomonen, dann windet man sich in Washington gleich in Schreikrämpfen auf dem Boden.
Wie gesagt: es ist mehr oder weniger die heute üblich gewordene Hysterie.