Nun ja, das Völkerrecht ist nicht ganz so simpel gestrickt, wie Viele annehmen. Es erlaubt unter gewissen Umständen auch militärische Interventionen. Natürlich behaupten die Intervenierenden regelmässig, diese seien je gegeben. Etwa die nato in Bezug auf Serbien oder die Willigen in Bezug auf Libyen, ein Fall in dem es zwar eine UNO-Resolution gab, die aber weit überdehnt wurde. Und nun eben die Russen in Bezug auf die Ukraine.
Ich vermute bei Ihnen eine Neigung, den westlichen Narrativen Glauben zu schenken, dem russischen nicht. Viele im Westen wähnen sich im Besitz eines untrüglichen moralischen Kompasses, der allerdings die Eigenheit hat, das Gute stets im Westen verorten. Und da sie glauben, Kriege würden aufgrund moralischer Qualitäten geführt, ist die Frage, wessen Narrativ zu folgen sei, immer schon entschieden.
Am Schluss spielt das allerdings keine Rolle. Der Erfolg entscheidet, wer sich auf die richtigen Seite der Geschichte gestellt hat. So ernüchternd das auch klingen möge. Und ein paar Jahrhunderte später kann man dann ja auch zugeben, dass die Weste der Vorfahren doch reichlich verfleckt war.