Pnyx (1) schrieb am 17.03.2022 18:23:
Nun ja, das Völkerrecht ist nicht ganz so simpel gestrickt, wie Viele annehmen. Es erlaubt unter gewissen Umständen auch militärische Interventionen. Natürlich behaupten die Intervenierenden regelmässig, diese seien je gegeben. Etwa die nato in Bezug auf Serbien oder die Willigen in Bezug auf Libyen, ein Fall in dem es zwar eine UNO-Resolution gab, die aber weit überdehnt wurde. Und nun eben die Russen in Bezug auf die Ukraine.
Ich vermute bei Ihnen eine Neigung, den westlichen Narrativen Glauben zu schenken, dem russischen nicht. Viele im Westen wähnen sich im Besitz eines untrüglichen moralischen Kompasses, der allerdings die Eigenheit hat, das Gute stets im Westen verorten. Und da sie glauben, Kriege würden aufgrund moralischer Qualitäten geführt, ist die Frage, wessen Narrativ zu folgen sei, immer schon entschieden.
Am Schluss spielt das allerdings keine Rolle. Der Erfolg entscheidet, wer sich auf die richtigen Seite der Geschichte gestellt hat. So ernüchternd das auch klingen möge. Und ein paar Jahrhunderte später kann man dann ja auch zugeben, dass die Weste der Vorfahren doch reichlich verfleckt war.
Erstaunlich, wie Sie es in drei Absätzen geschafft haben, den einfachen Tatbestand des völkerrechtlichen Angriffskriegs Russland zu Lasten der Ukraine, mit den üblichen Vorwürfen und unpassenden Vergleichen der Taten des Westens und der Unterstellung dass der Forist einseitig wäre, zu verknüpfen.
In diesem Fall ist Völkerrecht gar nicht so kompliziert und ich kenne dieses übliche Vorgehen bei der Argumentation, wenn man versucht die Handlungen Putins zu relativeren, ja sogar zu rechtfertigen.
Sorry, aber das mag in der Echokammer im Dunstkreis dieses Forums vielleicht noch verfangen, aber ausserhalb dieser zum Glück nicht mehr.
Putin versucht die Nachkriegsordnung in Frage zu stellen und greift rücksichtslos das zweitgrößte Land Europas mit einer demokratisch gewählten Regierung an. Das ist alles nicht mal im Ansatz mit Serbien und Libyen zu vergleichen. Was nicht bedeutet dass dort alles völkerrechtskonform war. Aber darüber diskutiere ich auch nicht an dieser Stelle, da es nicht zum Thema gehört und nur der Versuch ist, das russ. Vorgehen zu relativieren.
Noch dazu geht es hier Putin auch nicht nur um Einflusszonen, sondern schlicht und einfach um Korrektur von Grenzen, mittels militärischer Gewalt. Ich hatte schon bei der Krim 2014 geschrieben, wenn man diesen Dammbruch nicht frühzeitig stoppt, wird es nur noch schlimmer und jetzt ist es schlimmer.
Dass der Westen jetzt in großer Geschlossenheit und voller Härter mit Wirtschaftssanktionen reagiert, ist die einzige mögliche und angemessene Reaktion darauf.