Antwort auf Für den Verfall der Sitten sind die Universitäten verantwortlich. von jo_backinTown.
Note 1 ist mittlerweile Standard in vielen Fakultäten, Soziologen schon immer.
Wobei sich die Frage stellt, ob die Noteninflation wirklich immer vermieden werden kann. In die Masterstudiengängen der meisten naturwissenschaftlichen Studiengänge schaffen es nur Studenten, die im Bachelor nicht aufgegeben haben, also schon allein deswegen besser sind als 50% bis 80% aller Studienanfänger. Man hat hier also eine Gruppe von Studenten, die größtenteils leistungswillig ist und auch eine gewisse Leistungsfähigkeit aufweist. Dementsprechend kann es eben sein, dass in Lehrveranstaltungen nur gute Leistungen erbracht werden. Beispielsweise hatte in einem meiner letzten Seminare niemand eine schlechtere Note als 2,0 für einen Vortrag bekommen. Das lag daran, dass alle Leute eben gute Vorträge gehalten haben.
Ich will damit nicht sagen, dass lasches Benoten nicht Ursache der Noteninflation sein kann. Allerdings sollte man nicht außer Acht lassen, dass gute Noten auch gerechtfertigt sein können oder es möglicherweise prinzipielle Probleme gibt, ab einem gewissen Niveau Leistung zuverlässig zu messen.
Bei Normwerten von einigen IQ-Tests ist mir ein derartiges Phänomen aufgefallen. Ob man beispielsweise von Ravens Progressive Matrices als hochbegabt klassifiziert wird, hängt bei einigen Alterskohorten allein von 1 bis 2 Fragen ab, während 50 von 60 Fragen des Tests den Bereich unter 100 abdecken. Auch bei dem Zahlenverbindungstest, der mit der Zeit ein kontinuierliches Merkmal misst, tritt dieses Phänomen auf. Ob man hochbegabt ist oder nicht hängt von ein paar Sekunden ab, während im IQ-Bereich unter 100 die Bandbreite der möglichen Zeitwerte sehr groß ist.
Möglicherweise ist es also prinzipiell einfacher im Bereich schlechter bis mittelmäßiger Leistungen zu differenzieren, während es bei hohen Leistungen schwieriger wird.
Im Gegensatz zu dem ganzen akademischen Personal, dessen einziges Ziel ein auskömmliches - sprich arbeitsfreies- Leben auf Staatskosten ist.
Dazu muss man aber erst einmal eine Professur erreichen. Der Großteil des akademischen Personals muss sich von einem Zeitvertrag zum nächsten hangeln und arbeitet nicht selten voll bei einer halben Stelle.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (29.05.2021 22:52).