Wie blind muss man sein, um die zunehmende Repression in allen EU-Staaten seit 2020 (Corona) und die höchst seltsame Rolle vieler juristischen Institutionen nicht zu sehen? Das betrifft ja nicht nur Spanien und Polen, das kann man doch in Deutschland auch studieren.
Der Autor meint: "Wenn Brüssel und Straßburg also geflissentlich darüber hinwegschauen, wie Spanien - auch Weltmeister für inhaftierte Musiker -, mit Minderheiten und der Meinungsfreiheit umgeht". Und wie geht Deutschland mit Meinungsfreiheit um? Facebook, Youtube usw. zensieren auf "Teufel komm raus" und seriöse Wissenschaftler werden haltlos diffamiert.
Darum geht es aber nicht in diesem Artikel. Es soll nur die angebliche Unfreiheit der katalanischen Separatisten beklagt werden. Dabei wird die Realität in Katalonien ausgeklammert. Diese katalanische Realität verzerrt darzustellen gelingt nur, weil Deutsche in der Regel kaum Spanisch und erst Recht nicht Katalanisch verstehen. Wieviel Kontakt bekommt man auch mit den Spaniern, wenn man hier als Tourist verweilt?
Keine Frage, dass eine große Minderheit (in Zahlen: Keine 50%) der Katalanen sich separarieren wollen. Keine Frage auch, dass das illegale Referendum von 2017 ein hervorragender Vorwand für den spanischen Staat war, Führer der Separatisten juristisch zu verfolgen. Ein Unsinn, wenn man mich fragt, denn so geht man nicht mit einer Minderheit um und schafft nur Märtyrer.
Diese Vorgänge waren gut für journalistische Aufreger, während das tägliche Leben in Katalonien von einer bedrückenden Atmosphäre bestimmt ist, geschaffen durch separatistische Fanatiker. Alles was Spanisch ist, wird gedisst, so wie in Deutschland die Ungeimpften. Das geht bis dahin, dass Katalanen, die in ihrer Mehrheit spanische Muttersprachler sind, das Recht auf wenigstens magere 25% Spanischunterricht verwehrt wird. Das passiert sogar entgegen den Bestimmungen der katalanischen Gerichtsbarkeit - das nur zur Juristerei!
Wer eine Bar betreibt und seine Menukarte nicht auf Katalan schreibt, wird zu Geldstrafen verurteilt. Im Umgang in den Behörden wird immer wieder Katalan erzwungen. Während in der Ukraine der Versuch, alles Russische zu verbannen, auch von Linken angeprangert wird, wird der Sprachzwang in Katalonien verschwiegen.
So wie es in Deutschland Angriffe auf Ungeimpfte gibt, findet man in Katalonien Angriffe der Separatisten auf Spanischsprecher. Ein Bericht der deutschsprachigen Mallorca-Zeitung vom September (https://www.mallorcazeitung.es/sprache/2021/09/07/sprachenstreit-katalanisch-gesundheitssystem-mallorca-2021-57052343.html) könnte das teilweise verdeutlichen. (Die Balearen und die Provinz Valencia gehören zu den Gebieten, die von den Separatisten als katalanische Länder beansprucht werden. Einige bis viele Valencianer bezeichnen Katalan übrigens als einen valencianischen Dialekt, während die strenggläubige Separatisten Mallorquin, Valenciano etc. stets als katalanischen Dialekt bezeichnen.)
Während dem erwähnten mallorquinischen Krankhaus offensichtlich und bedauerlicherweise Beschriftungen in Katalan/Mallorquin fehlen, findet man in vielen valencianischen Behörden und Krankhäusern - trotz Protesten - kein Spannisch mehr, was genauso bedauerlich ist. (Ich selbst habe übrigens meine Impfaufforderungen nur in Valenciano erhalten und habe sie natürlich nicht nur deshalb ignoriert)
Entscheidend ist in diesem Fall im Krankenhaus auf Mallorca, dass man, anstatt einen zweisprachigen Mediziner zur Hilfe zu rufen, lieber eine Anzeige wegen sprachlicher Aggression (so ausgedrückt findet man die Anschuldigung in spanischen Zeitungen) stellt.
Des Autors berechtigte Klagen über das undemokratische Verhalten spanischer Politiker und das Verschweigen des undemokratischen Verhalten katalanischer Separatisten zusammen mit dem aggressiven Verhalten indoktrinierter Fanatiker führt nicht zu einem friedlichen Ausgleich und ist so links wie die offizielle Politik der "Die Linke".
Glücklicherweise würde sich laut jüngsten Meinungsumfragen eine Vielzahl von Katalanen bei einer Wahl nicht mehr für eine separatistisch Partei entscheiden.