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  • Pnyx (1)

mehr als 1000 Beiträge seit 01.07.2017

Piaget-Interpretation

Mit der hier vorgetragenen Piaget-Interpretation gibt es zwei Probleme, auf die ich den Autor aufmerksam machen will. Das erste besteht darin, dass er eine Übersetzung als Basis verwendet hat. Nun weiss ich in diesem Fall aus eigner Anschauung sicher, dass die auf dem Markt befindlichen deutschen Übersetzungen der französischen Originaltexte von Piagets Werken grottenschlecht sind, z. T. entsetzlich ungenau oder sogar irreführend. Kurz, man kann sich auf sie absolut nicht verlassen.

Das zweite Problem könnte vom ersten abhängig sein. Jedenfalls ist Piaget definitiv nicht der Akkomodator bzw. oder Legitimator der Akkomodation an die herrschenden Verhältnisse, als der er hier erscheint. Er selbst war das lebende Gegenexempel. Die Gleichsetzung von 'Schularbeit' und 'beruflicher Arbeit' in den Ausführungen Piagets mit bürgerlicher Schule - das nun schon gar nicht, Piaget war Zeit seines Lebens Anhänger und Förderer einer Form antiautoritärer Reformpädagogik - bzw. kapitalistischer Erwerbsarbeit ist kurzschlüssig. Wenn Piaget von beruflicher Arbeit redet, denkt er an die schaffende Tätigkeit eines Erwachsenen im Sinne eines Ausgebildeten, ganz unabhängig vom gerade vorherrschenden ökonomischen Paradigma. Piaget denkt in Kategorien der conditio humana. Entsprechend steht auch das 'Vaterland' nicht für die Nation, sondern stellvertretend für das übergeordnete Kollektiv, eine soziale Einbettung, die der reife Mensch benötigt, nicht zwingend die bürgerliche Variante davon.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (26.02.2021 20:06).

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    • TomGard (1)

    mehr als 1000 Beiträge seit 11.03.2020

    Ja, die Sprache

    Antwort auf Piaget-Interpretation von Pnyx (1).

    Piagets Verwendung des Wortes "l'accommodation" im Assimilations- Adaptionsschema ist zwingend entweder eben so, mit dem Fremdwort "Adaption", oder, besser noch, mit "Anmessung" zu übersetzen - nicht mit "Anpassung".

    Aber was will man von jemandem erwarten, der regelmäßig über akademische Gegenstände schreibt, von denen er nicht mal 'ne kursorische Ahnung hat. Schuster weiß anscheinend nicht, daß der Ankerpunkt des Schemas, das er kritisiert, die "sensomotorische Phase" in Piagets Stufenmodell ist, was heißt, Piaget behauptet, das Kind entwickele all seine intellektuellen Instrumente autonom und souverän. Sein Stufenmodell ist eine Realisation der Tätigkeitstheorie von Leont'ew, obwohl es dieser zu großen Teilen zuvor kam (jedenfalls den Übersetzungen aus dem Russischen).

    Oder, falls Schuster das weiß ... naja, das erspar ich mir hier.

    Das Posting wurde vom Benutzer editiert (26.02.2021 20:42).

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