Ich habe die Serie erst jetzt gefunden. Ich bin leicht überfordert mit diesem 3. Teil. Die darin zitierten Autoren haben Ansichten, die ich nicht teile. Davor ging es etwas besser. Die Beschreibung wie Kinder zu Patrioten erzogen werden, die aber doch bitte keine Nationalisten werden sollen, obwohl es kaum eine Abgrenzung gibt, finde ich gelungen. Mein Schwerpunkt, was Patriotismus und Nationalismus betrifft, ist anders.
Ich hatte neulich im KSK-Thread Michael Parenti verlinkt, der sich über US-Patriotismus ausließ. Er nennt diesen Super-Patriotismus.
https://www.youtube.com/watch?v=xEPoH3_SRFc
Über die Germanen gibt es gerade in Berlin eine große Ausstellung.
https://www.berlin.de/ausstellungen/5976123-2739799-germanen-archaeologische-bestandsaufnahm.html
https://www.youtube.com/watch?v=YXIzqZts8qw
Dort wird sehr deutlich der Mythos der Rechtsextremen und ihrer verkappten Mitläufer abgeräumt, dass die Germanen ein Volk gewesen wären. Sie waren eine Erfindung von Julius Caesar. Er brauchte eine Rechtfertigung, warum er "nur" Gallien eroberte und nicht auch auf der anderen Seite des Rheins weitermachte, unwirtliches Land, zu heftige Gegner blabla .. Da lebten damals auch Kelten. Von den echten Germanen, die weiter im Osten lebten, wussten die Römer anfänglich fast nichts und verbreiteten viele Klischees über sie, die sich lange hielten und dann von den neuzeitlichen deutschen Nationalisten aufgegriffen wurden. Dieses Verhalten sieht man heute bei vielen Nationen, dass die Nationalgeschichte mit Mythen historiziert und weißgewaschen wird. Wenn das wer in Ascherbaidschan mit golden Statuen macht, rümpfen wir die Nase. Bei uns geschieht das subtiler:
Das Humboldt Forum:
https://www.youtube.com/watch?v=CCU3bxBfk00
https://www.youtube.com/results?search_query=benedicte+savoy
Sie hat gerade ein Buch veröffentlicht.
Hinzu kommt das Aufkommen des Christentum. Die christliche Religion wurde von den Nachfolgekaisern des alten römischen Reiches gebraucht, um ihre Macht durchzusetzen. Auch im Christentum fand eine nachträgliche Historisierung statt, die bis heute andauert. Genau wie bei den Germanen, eigentlich noch schlimmer sieht es aus bei biblischer Geschichte. Christen können z.B. nicht zugeben, dass Jesus vielleicht gar nicht gelebt hat. Die Ideologie wurde nachträglich historisiert. Ketzler oder Häretiker wurden hingerichtet. Alles Wissen aus dem Altertum, was nicht dieser Historizierung des Christentums dienlich war, wurden nicht mehr abgeschrieben von den Mönchen und das allermeiste Wissen von damals ging dadurch verloren.
Auch bei der Erzählung von Geschichte fällt doch ganz stark auf, dass es um Herrschaftsgeschichte geht, die oft verbrämt wird als Staatsgeschichte. Die unsägliche Gewalt, die sich in dieser Herrschaftsgeschichte verbirgt, wird in Euphemismen versteckt, endlosen Darlegungen über Verwaltungsdetails oder Rechtssprechung. So waren die Bewohner der Grenzen des römischen Imperiums in deren Geschichtsschreibung zumeist Barbaren oder vielleicht mal ausnahmsweise edle Wilde, denen man die Zivilisation bringen musste. Die römische Kultur sah sich natürlich als überlegen.
Die Christianisierung ging einher mit endlosem Völkermord. Ebenso die "Entdeckung" Amerikas durch Columbus. Columbus und seine Konquistadoren begingen unglaubliche Greultaten und rotteten z.B. die Bevölkerung von Hispaniola in kürzester Zeit aus. Darüber kann man z.B. bei De Las Casas lesen. Die Erschließung der USA, so wie wir sie heute kennen, war genauso Völkermord über hunderte Jahre lang bis heute. Auch darüber wird in dem Mainstream unserer Geschichtsbücher gerade für Kinder kaum berichtet. Da erfährt man nur mal wie schlimm der Sezessionskrieg war und ganz am Rande, dass es auch gegen Indianer Massaker gab. über die Zeit vor der offiziellen Gründung der USA erfährt man auch nichts. Oder es wird tendenziell ältere Geschichte, z.B. über Rom im Lateinunterricht unglaublich beschönigt. Da schert es keinen mehr, könnte man denken.
Karl-Heinz Deschner hat eine 10-bändige Serie über die Verbrechen des Christentums geschrieben. Eine ähnliche Serie über Herrschaftsgeschichte könnte man über all die den heutigen Nationalstaaten vorangegangen Herrschaftsstrukturen schreiben und auch über die Entstehung der heutigen Nationalstaaten und ihr Fortbestehen.
Die angeblichen Patrioten, die auf die Erinnerungskultur in Deutschland so stolz sind, haben offensichtlich keine Ahnung, dass wir erst ganz am Anfang stehen damit. Vielen ist es auch schon genug, wenn sie gelegentlich mal vor amerikanischen-israelischen Lobbyverbänden buckeln, der rechtsextremen Regierung in Israel nach dem Mund reden, sonst könnte ja jeder kommen, z.B. die Herero aus Namibia.
https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Herero_und_Nama
oder viele andere Opfergruppen von großdeutschem exzeptionalistischem Denken.
Das Posting wurde vom Benutzer editiert (26.02.2021 20:44).