Es gab mal eine Zeit, da wurde Südafrika mit einem Erdölboykott belegt, weil sich fremde Staaten in die südafrikanische Innenpolitik einmischen wollten. Die Apartheid haben schon damals viele nicht verstanden, aber seis drum.
In jedem Fall war Südafrika damals gezwungen, seine Treibstoffe selbst zu produzieren. Das ist technisch gesehen auch gar kein Problem, nennt sich Kohlehydrierung und wurde natürlich von Deutschen erfunden. Bergius-Pier und Fischer-Tropsch. Letzeres kommt in ZA zum Einsatz. Südafrika hat Kohle, einen Kohleboykott gab es außerdem nie. Also nahmen die Buren Kohle und heizten damit die Kohlehydrierung und so hatten sie Benzin & Diesel. Tja, die Buren. Und mag die Welt uns 3x nicht, so kann sie uns grad extra schlicht. So waren die halt druff. Harte Buurschen.
Diese Ölboykottsanktionen gegen Südafrika gibt es schon lange nicht mehr.
ABER die Kohlehydrierungsanlagen von SASOL, die Werke in Sasolburg & Secunda hat nie einer abgestellt. Denn da arbeiten viele Braunhäutige und die sind wertvolles Stimmvieh für die neue schwarze Regierung und alles große Anhänger des ANC und so wurde eben die Kohlehydrierung von SASOL auch NACH Aufgabe des Öl-Boykotts weiterbetrieben. continuity in policies & politics könnt man auch noch viel zu schreiben.
Natürlich war die Kohlehydrierung nach 1990 so gut wie nie wettbewerbsfähig gegenüber Öl vom Weltmarkt, das war fast immer deutlich billiger. Diese Anlagen wurden also subventioniert, werden sie bis heute. Der südafrikanische Bürger muß an der Tankstelle halt mehr bezahlen, um die heimische Treibstoffproduktion zu subventionieren. Oh, und SASOL hat auch auch über 400 Tankstellen in Südafrika.
Etwa 40% seiner Kraftstoffe produziert Südafrika weiterhin selbst. Obwohl es da kein Öl gibt. Aber Kohle. Und mehr braucht man nicht.
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Und jetzt müssen wir erklären, warum bislang kein anderer Benzin & Diesel aus Kohle erzeugt und warum sich das ganz vielleicht ändern könnte.
Der Witz ist das Wort DAUERHAFT. Bitte merken. DAUERHAFT. Danke.
Denn es ist so: Die Kohlehydrierung ist stramm endotherm, man braucht schon ein bisserl Energie dafür. Ab einem Barrelpreis von ca. 90$ wird sie profitabel. Genau so hohe Ölpreise gibt es aber meistens nicht. Kurzfristig mag der Preis mal über 90$ gehen, aber eben nicht DAUERHAFT.
Kohlehydrierungsanlagen sind initial teuer. Niemand baut sie, wenn er nicht davon überzeugt ist, daß der Ölpreis DAUERHAFT über der 90$-Marke bleibt. Südafrika baute sie damals aus anderen Gründen, es wurde ja damals boykottiert und bekam gar kein Öl. Da mußte man. Aber wenn man Zugriff auf Weltmärkte hat, da baut man sowas natürlich nicht.
Denn wenn man sich eine Kohlehydrierung hinstellt (kost schon Geld) und dann FÄLLT der Ölpreis wieder unter 90$: Dann hat man die goldene A-Karte gezogen, dann macht man mit jedem Liter den man aus der Kohle verflüssigt: Bösartig Verlust. Und das ist ja auch die Situation, die Südafrika in den letzten 32 Jahren die meiste Zeit hatte. Benzin aus Weltmarktöl war viel billiger als Benzin aus Kohle aus den Raffinerien von SASOL.
Ist das soweit verstanden? Man kann Benzin & Diesel aus Kohle machen, der Prozess lohnt aber nur bei DAUERHAFT hohen Ölpreisen, die es eben meist nicht gibt.
Gut.
Nehmen wir also mal gedankenexperimentierend an, der Ölpreis würde DAUERHAFT deutlich über 90$ bleiben. Dann werden die Kohlehydrierungsanlagen gebaut. Natürlich werden sie das. Sie lohnen sich ja dann.
Die Implikationen dessen sind interessant.
a) Es gibt wahnsinnig viel Kohle auf diesem Planeten, an vielen Orten. Sehr viele Leute können Kohle hydrieren und das für sehr, sehr lange Zeit, locker die nächsten 1000 Jahre. Und das ist nur die Kohle die wir aktuell kennen. Wir kennen nicht alle Kohle, wir können auch noch neue Kohlen finden, das ist sogar sehr wahrscheinlich.
b) Südafrika hydriert Kohle mit Kohle. Das muß man nicht so machen, man könnte z.B. auch Kernenergie zum Hydrieren von Kohle verwenden. Braucht man weniger Kohle, kann man mehr Kohle hydrieren: Mehr Benzin & Diesel.
c) Der Weltmarktpreis für Öl kann DAUERHAFT nicht deutlich über 90$ steigen. Er kann es kurzzeitig, wohl wahr, das ist ja auch schon häufiger geschehen. Aber eben nicht DAUERHAFT. Denn bei einem dauherhaft so hohen Preis ist die Hydrierung eben wettbewerbsfähig, dann wird sie auch verstärkt und nicht nur in Südafrika aus "historischen" Gründen gemacht.
nice, uh?
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Die konkreten Benzinpreise an der Tanke haben mit den Rohölpreisen für 159l aka 1 Barrel wenig zu tun. Selbst bei einem Barrelpreis von 150$, den es - wie oben dargelegt - DAUERHAFT gar nicht geben kann, kostet Benzin gerade mal 1-1,1$. Wer mehr bezahlt, der muß sich bei seinem Raubstaat beschweren, weil er ihn per Steuern abzockt. Gerade der deutsche Raubstaat ist hier ja äußerst fleissig. Aber DAS hat alles nix mit dem Weltmarkt zu tun, sondern ist stets nationaler Sozialismus, Ökosozialismus auch gerne.
Again: SOLLTE (KONJUNKTIV!) der Ölpreis längere Zeit über 90$ gehen: DANN wird die Kohle hydriert. Weil es sich lohnt. Und damit kann Benzin nicht mehr kosten als etwa 75ct. Hierbei rechne ich eben einen Rohölpreis von 95$, was auf 60ct rauskommt und weitere 5ct für die Raffinade. Und weitere 10ct für Transporte & Profite. Also extrem konservativ.
Alles was darüberhinaus geht, sind Steuern.
Und was ist jetzt eigentlich mit Südafrika?
Tja, also AKTUELL ist der Ölpreis ja so hoch, daß sich die Kohleverflüssigung von SASOL sogar lohnt. Ja, AKTUELL produziert Südafrika BILLIGER sein eigenes Benzin, als wenn es Öl vom Weltmarkt kaufen würde. Das macht jetzt ad hoc nicht die Subventionen wett, die die letzten 30 Jahre in diese Eigenproduktion geflossen sind, aber aktuell läuft der Laden schon. Wo stehts Barrel aktuell 110$? Man sieht, das ist schon recht knapp. Der Preis wird sinken und dann ist auch bei SASOL wieder die übliche sozialistische Subventionitis angesagt.
Eins aber bleibt: Die Kohlehydrierung und ihr break-even verhindern global extrem gründlich, daß Öl DAUERHAFT teurer als ca. 90$/bbl werden kann. Das ist ja schon mal sehr sexy & irgendwie auch beruhigend.
Ganz besonders im Hinblick auf den unwerten Herrn Putin...
bd